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Politik

Qualitätssicherung: Kontinuität im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss

Montag, 24. September 2018

/G-BA

Berlin – Nach dem Wechsel an der Spitze des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) und damit auch der Zuständigkeit für Qualitätssicherung soll von der diesjährigen Konferenz Kontinuität in der internen und externen Qualitätssicherung ausgehen. Die 10. Qualitätssicherungskonferenz wurde zum ersten Mal von dem neuen unpar­teiischen Mitglied im G-BA, Elisabeth Pott, eröffnet.

„Ich sehe die kontinuierliche Weiterentwicklung des Erreichten als meine vorrangige Aufgabe an“, so Pott, die seit dem 1. Juli 2018 im G-BA ist und zu deren Aufgaben­bereich auch das Thema Qualitätssicherung gehört. Sie wolle die langjährige Vorarbeit innerhalb des G-BA und der beteiligten Gremien nicht komplett umbauen, erklärte sie vor über 600 Fachbesuchern.

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Stärker die Sicht der Patienten einbringen

„Darüber hinaus möchte ich Impulse zur weiteren Verbesserung unserer Prozesse und Verfahren setzen“, so Pott weiter. Für die künftige Ausrichtung der Qualitätssicherung gehören für Pott die Stichworte „Empowerment, Partizipation und Nachhaltigkeit“ dazu. So wolle sie überlegen, wie man stärker die Sicht der Patienten in die Prozesse der Qualitätssicherung einbringen könne. Die Partizipation für Patienten solle auch durch Patientenbefragungen gewährleistet werden. Dafür bereite das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) entsprechende Fragebögen vor, so Pott.

Die frühere Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mahnte auch, dass mehr über die Arbeit des G-BA in der Öffentlichkeit bekannt werden müsse. Sie wolle sie sich künftig dafür einsetzen, dass das Gremium aus dem Ruf des „geheim tagenden Zirkels“ herauskomme, so Pott bei ihrer ersten Qualitätssicherungskonferenz.

An die Grenzen stoßen Statistiken zu Qualitätsmessungen immer wieder, belegte Max Geraedts von der Universität Marburg in seinem Vortrag. Dies gelte für Indikatoren bei der Qualitätsmessung ebenso wie für die Mindestmengen. Hier gebe es Kliniken, die weiterhin Operationen durchführen, obwohl sie seit Jahren die Mindestmengen nicht erreichen oder „zufällig immer punktgenau die Zahl treffen.“ Nach dem Beschluss für eine Mindestmenge seien die Anreize, genau die Prozedur öfter durchzuführen, deutlich höher, so Geraedts. Daran sollten die Mitglieder des G-BA denken, wenn sie weitere Mindestmengenregelungen beschließen, so Geraedts.

Außerdem müsse es aus der Sicht des Institutsleiters für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie einen stärkeren Einsatz für den Nutzwert von Qualitäts­berichten geben. Die Berichte über Qualität im stationären Sektor würden weder von Ärzten noch von Patienten gelesen. Nach seinen Studien gehen „Patienten gerne wieder in ein Krankenhaus, in dem sie vorher schon einmal waren und überlebt haben“, so Geraedts.

Vertragsärzte als Nutzer der Qualitätsberichte gewinnen

Außerdem: „Viele Patienten haben keine Zeit, sich die Qualitätsberichte der Kranken­häuser durchzulesen.“ Da zwischen Diagnose, Einweisung und Aufnahme in ein Krankenhaus oftmals nur sieben Tage liegen, hätten Patienten in der Zeit anderes zu organisieren. Außerdem seien die Berichte derzeit noch zu unverständlich. Daher plädierte er dafür, die Nützlichkeit künftig deutlich zu steigern, „und zwar nicht nur dafür, zu schauen, ob das Nachbarhaus besser ist.“ Er warb dafür, besonders niedergelassene Ärzte als Nutzer der Berichte zu gewinnen. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 25. September 2018, 12:27

Welchen Nutzen haben Berichte, die keiner liest?

" Sollte man sich diese Berichte dann nicht gleich sparen und so teure Ressourcen schonen?"
Für spätere Forschungen der Medizingeschichte sind das wahrscheinlich wichtige Quellen, die natürlich mit einer gewissen Latenzzeit gelesen werden ...
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 25. September 2018, 09:32

Vernichtendes Urteil zur Arbeit des GBA vom Institutsleiter Versorgungsforschung

Zitat 1
“ Nach dem Beschluss für eine Mindestmenge seien die Anreize, genau die Prozedur öfter durchzuführen, deutlich höher, so Geraedts. Daran sollten die Mitglieder des G-BA denken, wenn sie weitere Mindestmengenregelungen beschließen“
Das heißt: Die Vorgabe von Mindestmengen ist ein Anreiz, Prozeduren häufiger durchzuführen als medizinisch notwendig.
Stellt sich die Frage: Sollte man Mindestmengen dann nicht lieber abschaffen?

Zitat 2
„Die Berichte über Qualität im stationären Sektor würden weder von Ärzten noch von Patienten gelesen.“
Welchen Nutzen haben Berichte, die keiner liest? Sollte man sich diese Berichte dann nicht gleich sparen und so teure Ressourcen schonen?

Zitat 3
„Außerdem seien die Berichte derzeit noch zu unverständlich.“

Meine persönliche Zusammenfassung:
Der GBA verfügt in Sachen Qualität offenkundig nicht einmal über so viel Expertise, dass er auch nur die richtigen Weichen stellen könnte. Die vom GBA geforderten Mindestmengen führen zu unnötigen Operationen. Die vom GBA von den Kliniken geforderten Qualitätsberichte liest kein Mensch. Und verstehen tut die Qualitätsberichte eh keiner.

Abgesehen davon, die Qualität der Behandlung hat m. W. noch nicht ein einziger vom GBA genannter Qualitätsindikator tatsächlich gemessen. Bis jetzt sind ausschließlich Sekundärparameter gemessen worden, die nicht mit der Behandlungsqualität korrelieren. Die gewonnenen Daten wurden umfangreich analysiert. Alles, was dazu veröffentlicht wurde, hat jedoch nichts mit der Qualität der medizinischen Behandlung zu tun.

Daher die Frage an den GBA: Wie will der GBA die Qualität der Behandlung (z. B. der Operation, der Chemotherapie, der medikamentösen Therapie) messen? Welches sind geeignete Qualitätsindikatoren?

Falls der GBA diese Fragen nicht beantworten kann, weil man die Qualität einer Behandlung eben nicht mittels „leicht erfassbarer Indikatoren“ messen kann – dann stellt sich noch eine ganz andere Frage: Verfolgt der GBA nicht einen völlig ungeeigneten Ansatz?
LNS

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