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Pro und Contra: Sollte die Winterzeit abgeschafft werden?

Dienstag, 2. Oktober 2018

Brüssel – Am 12. September legte die EU-Kommission einen Gesetzesvorschlag vor, nach dem im März 2019 zum letzten Mal verpflichtend alle EU-Staaten die Zeit umstellen müssen. Sobald das Europaparlament und die EU-Staaten dem Vorschlag zustimmen, können alle EU-Länder selbst entscheiden, ob sie dauerhaft in der Sommer- oder in der Winterzeit bleiben wollen. Welche Zeit nach der Abschaffung der Zeitumstellung erhalten bleibt ist noch unklar. Bei einer nicht representativen, freiwilligen EU-weiten Onlineumfrage hatten sich 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen – die meisten waren für eine dauerhafte Sommerzeit.

Peter Altmaier: Unter dem Strich wären wir mit längeren Tagen einen Tick glücklicher, aktiver und damit auch gesünder.

Am 28. Oktober endet die Sommerzeit und es wird noch eine Stunde früher dunkel. Die Diskussion über die Abschaffung der Zeitumstellung wird seit Jahrzehnten geführt. Denn: Alle Uhren zweimal im Jahr umstellen zu müssen, ist nicht nur nervig; manchen Menschen bereitet die Zeitumstellung auch schlechten Schlaf und schlechte Stimmung.

Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie /Bundesregierung, Kugler
Peter Altmaier, Bundes­minis­ter für Wirtschaft und Energie /Bundesregierung, Kugler

Ich begrüße daher den Vorschlag der EU-Kommission, die Zeitumstellung abzuschaffen, sehr. Jetzt ist es an den Mitgliedstaaten zu entscheiden: Wählen wir dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit? Unser Ziel ist, dabei keine „Zeitinseln“ in Europa zu schaffen, sondern eine harmonisierte Zeit insbesondere mit unseren Nachbarn zu verabreden.

Wissenschaftlich lässt sich die Frage nach Sommer- oder Winterzeit schwerlich entscheiden: So kam das Projekt „Bilanz der Sommerzeit“ des Büros für Technikfolgen­abschätzung beim Deutschen Bundestag 2016 zu dem Ergebnis, dass die Sommerzeit keine ernsthaften Effekte nach sich zieht – weder positive noch negative, weder energetische, wirtschaftliche noch gesundheitliche.

Aber: Die Menschen in Deutschland haben eine eindeutige Präferenz – ich auch, deshalb plädiere ich für die Beibehaltung der Sommerzeit. Zum einen hat sich eine Mehrheit der 3,7 Millionen Menschen aus Deutschland, die an der EU-Konsultation teilgenommen haben, für eine dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen, und ihr Votum gilt es zu respektieren. Zum anderen hätte die Sommerzeit auch viele praktische Vorteile: Abends wäre es sommers wie winters eine Stunde länger hell. So könnte man öfter nach der Arbeit noch ein paar Sonnenstrahlen tanken, die Menschen könnten auch in der kalten Jahreszeit länger im Freien aktiv sein, Kinder nach der KiTa oder der Schule länger im Hellen draußen spielen. Unter dem Strich wären wir mit längeren Tagen einen Tick glücklicher, aktiver und damit auch gesünder.

Alfred Wiater: Letztlich wäre Schlafmangel die Folge der Umstellung auf die dauerhafte Sommerzeit.

Nach Umstellung auf die permanente Sommerzeit würde es im Winter morgens eine Stunde später hell. Wir brauchen aber morgens das intensive blaue Licht der Sonnenstrahlung, um wach zu werden. Unsere melanopsinhaltigen retinalen Ganglienzellen reagieren darauf besonders empfindlich. Auch wird die Serotoninausschüttung durch Licht stimuliert. So werden wir morgens wach und munter.

Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) /privat
Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) /privat

Ist das nicht der Fall, sind Konzentration und Aufmerksamkeit eingeschränkt, es besteht das Risiko für Leistungseinschränkungen in der Schule und im Beruf und es steigt die Unfallgefahr. Das wirkt sich besonders negativ bei Jugendlichen aus, die ihrem chronobiologisch determinierten Rhythmus zufolge schon jetzt durch den zu frühen Schulbeginn leistungsgemindert sind.

Störungen des Serotoninstoffwechsels wirken sich unmittelbar auf unseren Melatoninstoffwechsel aus, da Serotonin Substrat der Melatoninbildung ist. Damit würde durch eine spätere Serotoninausschüttung unser gesamter Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigt. Längeres Tageslicht abends im Winter könnte zwar zu mehr nachmittäglichen Freizeitaktivitäten bei Tageslicht animieren. Aber auch dadurch könnte sich das Einschlafen verzögern. Letztlich wäre Schlafmangel die Folge der Umstellung auf die dauerhafte Sommerzeit. Die individuellen Auswirkungen sind abhängig vom Chronotypus des Menschen.

Schlafmangel belastet auf Dauer unser Herz-Kreislauf-System und unseren Stoffwechsel. Psychisch erhöht sich das Risiko für Depressionen und Ängste. Kognitive Prozesse werden beeinträchtigt und für ältere Menschen erhöht sich das Risiko für neurodegenerative Störungen.

Bei der seinerzeitigen Zeitumstellung wurde die Sommerzeit neu eingeführt. Die Winterzeit ist die Zeit, die unserem Schlaf-Wach-Rhythmus am ehesten entspricht. Sie sollte beibehalten werden.

© gie/aerzteblatt.de

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Avatar #88846
freeon_f
am Sonntag, 17. März 2019, 01:47

Was wir „Winterzeit“ auf der Uhr nennen

... ist die Astronomische Zeit, die durch Sonnenstand und Längengrad bestimmte Zeit.
Die EU hat eine Ausdehnung, die knapp drei Zeitzonen umfasst.
Diesen nur Eine zu „definieren“ → damit überall die gleiche Uhrzeit gilt ← ist also schon etwas sehr künstliches im Sinne der Astronomie.
Warum also nicht im Einklang mit der Natur (astronomisch) richtig leben und drei Zeitzonen mit je einer Stunde Zeitdifferenz einführen und dabei lediglich kulant die Staatsgrenzen beachten?
Wenn es also in Portugal und Spanien 08°°Uhr ist, steht die Uhr in F, D, CH, A und I auf 09°°Uhr und in PL, CZ, SK, HU, RO, BG, SLO, RS und GR auf 10°°Uhr.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 3. Oktober 2018, 12:02

Umdeutung der Zeit- in Schlafdauer-Umstellungen?

Ob soviel paralogischer Überlegungen von Dr. med. Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), sträuben sich mir die Nackenhaare:

Denn die bisherigen jahrzehntelang nervtötend sinnlosen 2-maligen Ortszeit-Umstellungen in Sommer- und Winterzeit pro Jahr, welche neben anderen ökonomisch-logistischen Kollateralschäden dazu führen, dass 550 Millionen Europäer jeweils mindestens 5 Minuten unökonomisch damit beschäftigt sind, alle ihre privaten mechanischen Uhrwerke in Wohnung, Haus, Hof, Fahrzeugen etc. aufzusuchen, umzustellen und wieder an ihren Platz zu bringen, können die von Wiater naiv-empirisch vermutend herausgefunden, angeblichen Störungen des Melatonin-/Serotonin-Stoffwechsels durch eine permanente Sommerzeit gar nicht aufwiegen.

Und wer wie Wiater behauptet, "Nach Umstellung auf die permanente Sommerzeit würde es im Winter morgens eine Stunde später hell. Wir brauchen aber morgens das intensive blaue Licht der Sonnenstrahlung, um wach zu werden", möchte mir bitte Orte in Europa definieren, wo sich in den dunklen Jahreszeiten im tiefsten Winter "morgens das intensive blaue Licht der Sonnenstrahlung"zeigt, um richtig wach zu werden?

Kennzeichnend für die dunkleren Jahreszeiten ist das Fehlen des blauen Lichtes und der intensiveren Sonneneinstrahlung, lieber Herr Kollege Wiater, bedingt durch die Achsenstellung und Eigenrotation des Planeten Erde in seiner Kreisbahn um die Sonne. Und nur durch diese Tatsachen kommt es zur Alteration des Melatonin-/Serotonin-Stoffwechsels. Die Umstellungen von Sommer- und Winterzeit hat zu den typisch winterlichen bzw. allgemein beklagten, eher Stress-bedingten Schlafstörungen keine, von Ihnen irrig agenommenen, kausale Beziehungen.

Im Übrigen ist nicht nur der Homo sapiens vulgo Homo erectus ein äußerst anpassungsfähiges und -williges Lebewesen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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