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Politik

Arme Kinder haben weniger Freunde

Dienstag, 25. September 2018

/Ralf Geithe, stockadobecom

Erfurt – Kindern in Armut fehlt es nach  Erkenntnissen von Wissenschaftlern nicht nur an Geld. Arme Kinder würden häufiger als Mädchen und Jungen aus gut situierten Elternhäusern darüber klagen, dass ihre Eltern nicht genug Zeit für sie hätten, sagte die Heidelberger Erziehungswissenschaftlerin Melanie Kuhn heute auf einer Fachtagung in Erfurt. Auch sei ihr Freundeskreis oft kleiner als der von begüterten Kindern. Aus den Befragungen der Kinder werde klar, dass sie die sie umgebende Armut oft sehr genau wahrnähmen.

Kuhn bezog sich bei ihren Aussagen vor allem auf die repräsentative World Vision Kinderstudie, an der sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern gearbeitet hat. Kuhn hat an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eine Professur für Erziehungs­wissenschaft mit dem Schwerpunkt Bildung und Ungleichheit. „Kinder haben ein sehr, sehr starkes Bewusstsein für soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten.“ 

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Für die 2018er-Ausgabe der World Vision wurden etwa 2.600 Kinder zwischen sechs und elf Jahren befragt. Nach Angaben von Kuhn nimmt etwa jedes fünfte Kind in Deutschland seine eigene Situation als von Armut geprägt wahr. Fast 80 Prozent der betroffenen Kinder könnten dadurch nicht all die Freizeitangebote – etwa den Besuch eines Kinos oder eines Schwimmbads – wahrnehmen, die sie sich wünschten. Fast 70 Prozent machten ihre Armut mindestens teilweise daran fest, dass sie nicht mit ihren Eltern in den Urlaub fahren könnten, sagte Kuhn.

Der Gießener Politikwissenschaftler Ernst-Ulrich Huster plädierte auf der Tagung dafür, arme Kinder durch mehr Angebote zur Bewegung und Kunst zu fördern. In den Schulen seien Sport und Musik oder Kunst eben keine Nebenfächer, betonte er. Weil Kinder aus armen Verhältnissen in Mathematik oder Deutsch oft keine Erfolgserlebnisse hätten, könnten sie bei der Bewegung oder im künstlerisch-musischen Bereich Selbstvertrauen gewinnen. Das helfe ihnen dann im sonstigen Schulalltag.

Arme Kinder hätten in der Regel weniger Vertrauen in ihre schulischen Leistungen als Kinder aus sozial starken Familien. Huster kritisierte das deutsche Schulsystem, das nach wie vor arme Kinder benachteilige. Die soziale Auswahl in Deutschland sei am Ende der Grundschulzeit tatsächlich abgeschlossen, sagte Huster. „Und die Kinder wissen das auch.“

Die Tagung war von der Landeszentrale für politische Bildung, der Fachhochschule Erfurt und dem Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes organisiert worden. © dpa/aerzteblatt.de

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