NewsÄrzteschaftSächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer plädiert für Widerspruchslösung bei der Organspende
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer plädiert für Widerspruchslösung bei der Organspende

Mittwoch, 26. September 2018

/dpa

Dresden – Immer mehr ärztliche Einrichtungen unterstützen die sogenannte Wider­spruchslösung bei der Organspende – jetzt auch die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer. „Jeden Tag sterben in Deutschland drei Patienten, die durch eine Organspende hätten gerettet werden können. Bundesweit warten 10.000 Menschen auf eine lebensrettende Transplantation“, hieß es aus der Kammer. „Jede und jeder von uns kann schon morgen in die Situation kommen, eine Organspende zu benötigen – sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall. Deshalb müssen wir irrationale Ängste und Vorurteile abbauen“, betonte der Kammerpräsident Erik Bodendieck.

Es sei bekannt, dass in Deutschland viele Menschen Organe spenden würden, aber keinen Organspendeausweis tragen. „Deshalb sollten wir in Deutschland, so wie in vielen anderen europäischen Ländern, die Widerspruchslösung einführen“, plädierte er.  Bodendieck betonte, dass auch bei der Widerspruchsregelung potenzielle Spender vollständig autonom in ihrer Entscheidung seien. 

Anzeige

Wichtig ist laut der Kammer außerdem, intensiv über das Thema zu informieren und aufzuklären. Dazu bietet die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer seit Januar allen Schulen in Sachsen eine wertfreie und sachliche Information zu diesem Thema an. „Denn die Schule ist genau der richtige Ort, um frühzeitig über das Thema Organspende aufzuklären, die Problematik von vielen verschiedenen Seiten zu beleuchten, zu diskutieren und zum Nachdenken anzuregen“, betonte der Kammerpräsident.

Nach der Sommerpause hat eine Initiative von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Debatte um die Organspende neu entfacht: Am letzten Augusttag legte er seinen im Frühsommer angekündigten Entwurf eines „Gesetzes für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende“ vor. Durch stringentere Organisationsstrukturen in den Krankenhäusern und eine verbesserte Vergütung der Leistungen der Kliniken rund um Organentnahme soll sich die seit einigen Jahren sinkende Zahl der Organspenden in Deutschland wieder erhöhen.

Gleichzeitig flankierte Spahn sein Maßnahmenpaket mit einem Vorstoß für eine sogenannte doppelte Widerspruchslösung: Künftig solle jeder Deutsche automatisch als Organspender gelten, solange er oder – als doppelte Schranke – seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen würden.

Bereits im April diesen Jahres hatte sich der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, für eine Widerspruchslösung ausgesprochen. Aus medizinischer Sicht und aus Sicht der vielen schwerkranken Patienten auf der Warteliste wäre eine solche Regelung der Idealfall, sagte der Ärztepräsident gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Dezember 2018
Sacramento – Wegen eines vergessenen Spenderherzens ist ein Southwest-Airlines-Flug auf dem Weg von Seattle nach Dallas in den USA umgekehrt. Das Spenderorgan war ursprünglich auf einem Linienflug
Spenderherz vergessen – US-Flug muss umkehren
13. Dezember 2018
Mainz – Mit fachgerechter Aufklärung in Krankenhäusern will Rheinland-Pfalz dafür sorgen, dass mehr Menschen Organe spenden. Der Landtag verabschiedete heute in Mainz mit den Stimmen der
Rheinland-Pfalz will für mehr Organspenden sorgen
5. Dezember 2018
Berlin – Chirurgen kritisieren die schlechte Bilanz Deutschlands bei Spenderorganen und fordern daher die Einführung der doppelten Widerspruchslösung. Das Defizit würde auch mit Organen aus dem
Organspende: Deutschland profitiert von Widerspruchslösung in Nachbarländern
28. November 2018
Berlin – Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben mit ihrer inhaltlichen Arbeit an einer möglichen Neuregelung der Organspende begonnen. In einer ersten Debatte, die zum Meinungsaustausch
Widerspruchslösung im Bundestag umstritten
26. November 2018
Berlin – Die Grünen wollen das Thema Organspende mit Behördengängen zu Passangelegenheiten verbinden. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb Parteichefin Annalena
Grüne schlagen Verknüpfung von Organspende mit Behördengängen vor
22. November 2018
Frankfurt am Main – Nach Jahren des Rückgangs ist die Zahl der Organspender in Deutschland erstmals wieder leicht gestiegen. Bis Mitte November des laufenden Jahres wurden 832 Spender registriert. Das
Mehr Organspender verzeichnet
15. November 2018
Berlin – In Deutschland sollten altruistische Organlebendspenden unter bestimmten Bedingungen erlaubt werden, um die Zahl der verfügbaren Organe zu erhöhen. Das hat die FDP-Bundestagsfraktion in einem
LNS
NEWSLETTER