NewsMedizinProtonenpumpen­inhibitoren könnten bei Dialysepatienten das Risiko für Knochenfrakturen erhöhen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Protonenpumpen­inhibitoren könnten bei Dialysepatienten das Risiko für Knochenfrakturen erhöhen

Freitag, 28. September 2018

Protonenpumpenhemmer sind die sechsthäufigste Art von Medikamenten, die bei dialysepflichtigen Patienten verschrieben werden; Studien weisen jedoch darauf hin, dass ihre Verwendung mit einem erhöhten Hüftfrakturrisiko verbunden ist. /Alexander Ivasenko, stock.adobe.com

Houston – Bestimmte Medikamente, die bei Sodbrennen, saurem Reflux und Geschwüren eingesetzt werden, könnten für Dialysepatienten ein höheres Knochenbruchrisiko bedeuten. Fast 3 Viertel der Patienten mit einer Hüftfraktur hatten die Medikamente in den 3 Jahren vor dem Ereignis eingenommen, berichten Forscher vom Baylor College of Medicine im Clinical Journal of the American Society of Nephrology (CJASN) (2018; doi: 10.2215/CJN.02190218).

Bei Patienten mit einer Nierenerkrankung im Endstadium oder bei Nierenversagen, die eine Hämodialyse durchführen, zeigen Studien ein erhöhtes Hüftfrakturrisiko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. (JAMA 2006, Osteoporosis International 2016). Viele Patienten mit Nierenversagen nehmen Protonenpumpenhemmer (PPI), die die Produktion der Magensäure reduzieren und mit Hüftfrakturen in Verbindung gebracht werden (Therap Adv Gastroenterol. 2016).

Wäre die Säuresuppression allein die Ursache für das erhöhte Risiko, müssten folglich auch Histamin-2-Rezeptor­antagonisten das Frakturrisiko erhöhen. Denn auch sie reduzieren die Magensäure­produktion. Studien können diesen Zusammenhang für Histamin-2-Rezeptor­antagonisten jedoch nicht eindeutig belegen.

Um Assoziationen bei Patienten mit Nierenversagen zu untersuchen, analysierte Forscher Daten aus dem US Renal Data Systems (USRDS) von 4.551 Dialysepatienten mit Hüftfrakturen und 45.510 Dialysepatienten ohne Bruch als Kontrollen. Der Einsatz von PPI war mit einem um 19 % höheren Risiko für Hüftfrakturen verbunden (adjusted Odd Ratio 1,19, 95% CI 1,11–1,28). Abhängig vom Nutzungsverhalten variierte das Risiko: Das Risiko einer Hüftfraktur schwankte zwischen 16 % bei niedriger Nutzung, 21 % bei mittlerer und 19 % bei hoher Nutzung. Histamin-2-Rezeptorantagonisten waren nicht mit Hüftfrakturen verbunden.

Aufgrund des erhöhtes Risiko empfehlen die Autoren, die PPI-Verwendung bei hämodialyseabhängigen Patienten, die bereits eine enorme Medikamentenbelastung erfahren, im Einzelfall abzuwägen. Den Zusammenhang zwischen der PPI-Nutzung und einer Hüftfraktur halten auch die beiden Autoren des Editorials für biologisch plausibel. Benjamin Lazarus und Morgan Grams von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health schließen sich daher der Empfehlung der Studienautoren an PPI bei Hämodialysepatienten individualisiert zu agieren und PPI gegebenenfalls abzusetzen. © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2020
Hamburg − Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert nicht nur Atemwege und Lungen. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2020: DOI: 10.1056/NEJMc2011400) zeigt, dass sich die
„Multiorganvirus“-SARS-CoV-2: Autopsie zeigt Befall zahlreicher Organe
22. April 2020
Berlin – Ein neuer Diagnostiktest soll die Versorgung von Patienten nach Nierentransplantation verbessern. Ein internationales Forschungsteam hat dafür eine einfache Urinprobe mit der als „Genschere“
Neuer Test weist Infektionen und Abstoßungen nach Nierentransplantation anhand einer Urinprobe nach
20. April 2020
London − SGLT-2-Hemmer („Gliflozine“), die die Rückresorption von Glukose in den Nierentubuli blockieren und zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen sind, entfalten offenbar auch eine
Studie: Dapagliflozin vermindert Fortschreiten der Niereninsuffizienz auch bei Nichtdiabetikern
1. April 2020
Bad Homburg – Im Kampf gegen die Corona-Pandemie arbeitet Fresenius Medical Care (FMC) jetzt mit anderen Dialyse-Anbietern in den USA zusammen. Wesentliches Ziel sei es, Nierenkranke, die sich
Fresenius Medical Care schließt Bündnis in den USA
26. März 2020
Berlin – Ein Notfallplan für die Zeit der Coronavirus-Pandemie soll die Versorgung von Dialyse-Patienten sicherstellen. Darauf haben sich GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Notfallplan soll Dialyse-Versorgung während der Pandemie sicherstellen
25. März 2020
Berlin – Dialysepatienten gehören in der Corona-Pandemie zu den Risikopatienten – sie haben oft einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion und sterben nach vorliegender Datenlage häufiger
COVID-19: Dialysepatienten laut Fachgesellschaft Risikogruppe
6. Februar 2020
Chicago – US-Forscher haben einen möglichen Marker für ein drohendes akutes Nierenversagen entdeckt, der gleichzeitig Angriffspunkt für eine präventive Behandlung sein könnte. Laut ihrem Bericht im
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER