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Medizin

Staphylo­coccus-aureus-Bakteriämie: Algorithmus ermöglicht Verkürzung der Antibiotika­therapie

Mittwoch, 26. September 2018

Staphylococcus aureus /dpa

Durham/North Carolina – Eine einfache klinische Checkliste, die Patienten mit Staphylococcus-aureus-Bakteriämie verschiedenen Gruppen zuordnet, hat in einer randomisierten klinischen Studie die Dauer der Antibiotikatherapie um mehrere Tage verkürzt, ohne den Therapieerfolg zu gefährden oder mit zusätzlichen Komplikationen verbunden zu sein. Die Ergebnisse der Studie wurden im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 1249–1258) veröffentlicht.

Staphylokokken sind die häufigsten Erreger von Bakteriämien. Die Wahl des Antibio­tikums richtet sich nach den im Blut nachgewiesenen Erregern. Die notwendige Dauer der Behandlung hängt von der Art der Infektion und anderen Begleitfaktoren ab. Hier gibt es bisher keine klar definierten Regeln. Dies könnte zur Folge haben, dass einige Patienten zu kurz und andere unnötig lange behandelt werden.

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Die US-amerikanische „Staphylococcal Bacteremia Investigators Initiative“ um Vance Fowler vom Duke University Medical Center in Durham/North Carolina hat einen klinischen Algorithmus entwickelt, der eine zielgerichtete Therapie ermöglichen soll. Der Algorithmus basiert auf spezifischen klinischen Eigenschaften, etwa der Dauer des Fiebers, den Ergebnissen der Blutkultur und den Befunden einer Echokardiografie (zum Ausschluss einer Endokarditis) sowie einer Reihe weiterer Kriterien. 

Anhand dieser Kriterien legten die Ärzte fest, ob es sich um eine einfache, unkom­plizierte oder komplizierte Infektion handelt. Bei einer einmaligen positiven Blutkultur mit Koagulase-negativen Staphylokokken ohne Symptome und ohne Infektionsherd (zum Beispiel Katheter) kann die Antibiotikabehandlung nach dem Algorithmus auf wenige Tage beschränkt werden, bei einer komplizierten Staphylococcus-aureus-Infektion mit Befall der Herzklappen oder metastatischen Infektionsherden sollten die Antibiotika mindestens über 4 Wochen gegeben werden.

Der neue Algorithmus wurde in einer Studie an 15 Zentren in den USA und einem in Spanien an 509 Patienten mit Staphylokokken-Infektionen untersucht. Bei der Hälfte der Patienten wurde die Dauer nach den derzeit von der Klinik bevorzugten Regeln bestimmt. Bei der anderen Hälfte wurde der Algorithmus angewendet. Die beiden Endpunkte waren einmal der klinische Erfolg der Therapie, sprich ein Abklingen der Infektion, und zum zweiten die Rate von schweren Nebenwirkungen.

Wie ein Team um Vance Fowler von der Duke University in Durham/North Carolina jetzt berichtet, erholten sich in der Algorithmusgruppe 82 % der Patienten und in der Standardgruppe 81,5 % der Patienten. Der Unterschied on 0,5 Prozentpunkten war nicht signifikant und die Enden des 95-%-Konfidenzintervalls lagen innerhalb des vor der Studie definierten Non-Inferioritäts-Kriteriums von 15 %.

Auch die Häufigkeit von schweren Komplikationen war unter Anwendung des neuen Algorithmus mit 32,5 % gegenüber 28,3 % unter der Standardpraxis nicht wesentlich erhöht. Der Algorithmus gefährdet deshalb nach Einschätzung von Fowler die Sicherheit der Patienten nicht. Er ermöglichte bei Patienten mit unkomplizierten Bakteriämien jedoch eine Verkürzung der Therapie um fast 2 Tage (von 6,2 auf 4,4 Tage). Bei Patienten mit unkomplizierten Koagulase-negativen Staphylokokken konnte die Therapiedauer sogar um 3 Tage (von 8,4 auf 5,3 Tage) früher beendet werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #774402
F. Siegmeier
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 09:58

Aufarbeitung leider mangelhaft

Schaut man sich die Arbeit und die mit veröffentlichten Daten mal etwas genauer an ergibt sich schnell, dass hier eine recht verschobene Darstellung gewählt wurde.

Insbesondere mit Blick auf „eTable 10 eTable 10. Antibiotic Duration in the Intention-to-Treat Population “ zeigt sich, dass lediglich in der Gruppe der Koagulase-negativen Staphylokokken eine Reduktion der Behandlungsdauer erzielt wurde. Bei den S. aureus Bakteriämien kam es insgesamt zu einer längeren Therapiedauer (+3,2 Tage), wobei diese sich bei neutraler Dauer in der Gruppe der unkomplizierten Bakteriämien (dort +-0 Tage) wohl vor allem auf die komplizierten Fälle auswirkte (dafür gibt es keinen Eintrag in der Tabelle).

Allein anhand dieser einen Tabelle ist nicht nur der Titel dieses Artikels falsch, auch lässt sich das ganze Studienergebnis anders einordnen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass einzelne Isolate von Koagulase-negativen Staphylokokken in Blutkulturen oft Kontaminationen sind.

Da bei den Einschlusskriterien keinerlei klinische Krankheitsmerkmale gewählt wurden kann also ketzerisch postuliert werden, dass hier gezeigte wurde, dass eine kürzere Therapiedauer einer längeren Therapiedauer bei kontaminierten Blutkulturen nicht unterlegen ist.
LNS

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