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Politik

Qualitätssicherung: „Wir schaffen es, Dinge zu verbessern“

Mittwoch, 26. September 2018

/dpa

Berlin – In 45 der insgesamt 271 Qualitätsindikatoren (17 Prozent), mit denen die Qualität im Krankenhaus gemessen wird, konnten die Krankenhäuser ihre Ergebnisse signifikant verbessern. Bei 13 Indikatoren (fünf Prozent) haben sich die Ergebnisse hingegen signifikant verschlechtert. Das geht aus dem aktuellen Qualitätsreport des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz (IQTIG) hervor, der gestern auf der 10. Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses vorgestellt wurde.

Als Beispiel für eine positive Entwicklung nannte IQTIG-Leiter Christof Veit den Qualitätsindikator „Präoperative Verweildauer bei osteosynthetischer Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur“. Der Referenzbereich für diesen Indikator liegt bei 15 Prozent oder darunter, das heißt, für mindestens 85 Prozent der Patienten sollte eine kurze präoperative Verweildauer angestrebt werden.

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Bei Patienten ohne antithrombotische Dauertherapie sollte die Operation demnach 24 Stunden nach der Aufnahme erfolgen. „Im Jahr 2015 mussten 22 Prozent der Patienten zu lange warten“, sagte Veit. „Im vergangenen Jahr waren es nur noch 16 Prozent.“ Bei einer Gesamtzahl von etwa 60.000 Eingriffen pro Jahr gehe es hier also um 3.600 Patienten, die früher operiert worden seien. „Das heißt: Wir schaffen es mit unseren Qualitätssicherungs­maßnahmen tatsächlich, Dinge zu verbessern“, so Veit.

Besonderer Handlungsbedarf bei zehn Indikatoren

Seit 1996 sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, im Rahmen der externen stationären Qualitätssicherung qualitätsrelevante Daten zu dokumentieren. Im vergangenen Jahr taten sie dies anhand von 242 Qualitätsindikatoren aus acht Versorgungsbereichen. Dazu kommen 29 Indikatoren, die im Rahmen der sektorenübergreifenden Qualitäts­sicherung sowohl von Klinik- als auch von niedergelassenen Ärzten erhoben wurden. Die Daten werden auf Bundesebene vom IQTIG und auf Landesebene von speziellen Geschäftsstellen für Qualitätssicherung ausgewertet.

Liegen die Krankenhäuser außerhalb des jeweiligen Referenzbereiches können sie im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs in Stellungnahmen erklären, wie es zu der Abweichung gekommen ist. Können die Krankenhäuser den bewertenden Expertengremien nicht ausreichend darlegen, wie es zu den Abweichungen kam, werden Qualitätsverbesserungsmaßnahmen wie kollegiale Gespräche oder Begehungen durchgeführt und Zielvereinbarungen getroffen.

Stellen die Expertengremien Qualitätsdefizite fest, die in vielen Krankenhäusern vorliegen, bestimmen sie einen besonderen Handlungsbedarf. Im Jahr 2017 wurde bei zehn Indikatoren ein solcher Bedarf festgestellt, zum Beispiel bei der „Bestimmung der Atemfrequenz bei Aufnahme“ im Bereich der ambulant erworbenen Pneumonie, bei der „Qualität der Transplantatfunktion bei Entlassung“ im Bereich der Pankreas- und Pankreas-Nierentransplantation oder bei der „Anwesenheit eines Pädiaters bei Frühgeburten“ im Bereich der Geburtshilfe. Weil der Grenzwert von 15 Prozent noch immer nicht erreicht ist, besteht auch bei der „Präoperativen Verweildauer bei osteosynthetischer Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur“ nach wie vor ein besonderer Handlungsbedarf.

„Die Krankenhäuser wollen die Defizite beseitigen“

Im Erfassungsjahr 2016 haben 1.544 Krankenhäuser an 1.887 Standorten knapp 2,5 Millionen Datensätze dokumentiert. Daraus wurden 116.163 Ergebnisse berechnet, von denen 12.683 rechnerisch auffällig waren. Etwa 60 Prozent davon wurden im Strukturierten Dialog überprüft. Mit 275 Krankenhäusern wurden in der Folge kollegiale Gespräche geführt, 13 Krankenhäuser wurden im Rahmen einer Begehung besucht. Zur Behebung der identifizierten Qualitätsdefizite wurden 742 Ziel­vereinbarungen geschlossen.

„Die Krankenhäuser sind insgesamt engagiert, die im Rahmen des Strukturierten Dialogs aufgezeigten Qualitätsdefizite nachhaltig zu beseitigen“, heißt es im Qualitätsreport. „Es bestätigt sich immer wieder, dass der direkte Kontakt zu den Krankenhäusern im kollegialen Gespräch oder während einer Begehung die effektivste, allerdings auch die zeitaufwendigste Maßnahme im Strukturieren Dialog ist.“

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung im Regelbetrieb

IQTIG-Leiter Veit wies darauf hin, dass nach einem langen Vorlauf die sektoren­übergreifende Qualitätssicherung nun im Regelbetrieb arbeite. Derzeit gebe es 29 Qualitätsindikatoren in den Bereichen Perkutane Koronarintervention (PCI) und Vermeidung nosokomialer Infektionen. Bei PCI hätten im vergangenen Jahr 273 vertragsärztliche Praxen und Medizinische Versorgungszentren sowie 1.063 Krankenhausstandorte Daten geliefert. Anhand der Sozialdaten der Krankenkassen werde geprüft, was aus den Patienten geworden sei, so Veit. Darüber hinaus bereite das IQTIG derzeit Patientenbefragungen vor, um weitere Informationen für die Qualitätssicherung zu erhalten. Zudem wolle das IQTIG auch mit den Betreibern von Registern zusammenarbeiten, um Informationen zusammenzuführen. / fos © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 26. September 2018, 21:58

GBA und IQTIG: Wir haben keine Ahnung, was wir eigentlich machen!

Aber das dürfen wir auf keinen Fall zugeben, weil wir sonst unsere Existenzberechtigung verlieren.

Das wäre eine zutreffende Beschreibung dessen, warum die den Murks unter dem Begriff Qualität „verkaufen“. Wie kann man beispielsweise die „Präoperative Verweildauer bei osteosynthetischer Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur“ als Qualitätskriterium heranziehen? Ob ein Patient am Ende schnell wieder möglichst mobil ist, das könnte beispielsweise ein Kriterium sein. Oder wie viel Schmerzmittel der Patient postoperativ benötigt? Oder wie viele Blutkonserven benötigt werden? Oder … oder ….?

Ich weiß nicht, wie man die Qualität einer medizinischen Behandlung so misst, dass das Messen einfach ist und das Gemessene direkt mit dem Behandlungsergebnis korreliert. GBA und IQTIG wissen es offenkundig auch nicht. Denn alles bisher an Qualitätsindikatoren Genannte ist dafür nicht geeignet.

Wer nur Sekundärparameter hat, die das Kriterium „korrelieren mit dem Behandlungsergebnis“ verfehlen, kann die Behandlungsqualität nicht messen. Bessere Messgrößen haben GBA und IQTIG jedoch bis heute nicht zu bieten.

Wären GBA und IQTIG ehrlich müssten sie zugeben, dass sie diesen Auftrag, also Messung der Qualität, nicht ausführen können.
LNS

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