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Vereinte Nationen beraten über nichtübertragbare Krankheiten – ohne verbindliche Ziele zu benennen

Freitag, 28. September 2018

NCD Tagung im UN Hauptquartier in New York 27.9.2018 /NCD Allianz
NCD Tagung im UN Hauptquartier in New York 2018 /NCD Allianz

New York – Diese Woche trafen sich im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York die Regierungen der Welt, um über Maßnahmen gegen nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu beraten. Bei der Generalversammlung wurde gestern eine politische Erklärung verabschiedet. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen NCDs, sozioökonomischen und umweltbedingten Faktoren. Dem Generalsekretär des Weltärztebunds (WMA) Yoshitake Yokokura geht die Erklärung nicht weit genug. Er bedauere, dass die Erklärung keine Verpflichtungen benennt, teilt er im Vorfeld der Konferenz mit.

Besonders besorgt äußert sich die WMA des weiteren über das Fehlen von Finanzierungs­zielen. Nichtübertragbare Krankheiten treiben die Gesundheitskosten in die Höhe und belasten unzureichend ausgestattete Gesundheitssysteme. „Angesichts der erwarteten erhöhten Nachfrage von etwa 18 Millionen zusätzlichem Beschäftigten im Gesundheits­wesen bis 2030, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, ist die Stärkung des Gesundheitswesens von größter Bedeutung“, sagte Yokokura.

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Die WMA appelliert daher an die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, den einzelnen Ländern Ziele zu setzen, zusätzliche Mittel für nichtübertragbare Krankheiten bereitzustellen und Länderaktionspläne zu entwickeln, die darauf abzielen, bereits erkrankte Menschen zu unterstützen.

NCD Allianz und DANK nehmen kritisch Stellung

Auch die NCD Allianz äußerte sich in einer Pressemitteilung kritisch. Die Streichung einer Zuckersteuer aus der politischen Erklärung, sei nur eine von mehreren Schwachstellen im finalen Dokument. „Wir sind enttäuscht, dass diese Erklärung nicht annähernd so ehrgeizig, innovativ oder bahnbrechend ist, wie sie es sein müsste, um die Eingeständnisse der Staats- und Regierungschefs aus den Jahren 2011 und 2014 umzusetzen“, sagte Katie Dain, CEO der NCD Allianz.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) teilt diese Kritik teilweise, sieht aber in der Abschlusserklärung dennoch eine Basis, um politische Maßnahmen auch in Deutschland durchzusetzen. „Die Vereinten Nationen haben klargestellt, dass Nichtübertragbare Krankheiten ein ernstes Problem darstellen und dass Regierungen in der Verantwortung sind, etwas dagegen zu unternehmen“, sagt Barbara Bitzer, Sprecherin der DANK dem Deutschen Ärzteblatt. Dem müsse nun auch Deutschland Taten folgen lassen. Positiv bewerte die DANK zudem, dass Deutschland bei dem UN-Treffen durch den Staatssekretär des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums Lutz Stroppe erstmalig hochrangig vertreten war.

Die neue Nationale Reduktionsstrategie ist die große Chance hier etwas aufzuholen. Barbara Bitzer, Sprecherin der DANK

Im Gegensatz zu Deutschland konnten auch dieses Jahr andere Länder, wie etwa Chile oder Großbritannien, bereits vielfältige verbindliche Maßnahmen präsentieren, berichtete Bitzer. „Deutschland schneidet bei der Behandlung von NCDs gut ab. Daher ist die Sterblichkeit an NCDs verglichen mit anderen Ländern nicht so schlecht. Das darf jedoch kein Argument sein, um im Bereich der Prävention untätig zu bleiben“, sagt die DANK-Sprecherin dem . Die DANK plädiere dafür, überhaupt erst die Entstehung dieser Krankheiten zu vermeiden.

Schlusslicht Deutschland

Deutschland sei in Bezug auf verbindliche Maßnahmen gegen zwei Hauptrisikofaktoren – Übergewicht und Rauchen – Schlusslicht. Von den Maßnahmen, die die Weltgesund­heitsorganisation (WHO) gegen Übergewicht empfiehlt, hat Deutschland fast nichts umgesetzt und auch Maßnahmen zur Förderung des Nichtrauchens werden seit Jahren nur sehr zögerlich ergriffen. „Die neue Nationale Reduktionsstrategie ist die große Chance hier etwas aufzuholen“, sagt die Sprecherin der DANK, die an dem UN-Treffen teilnahm. „Die Regierung muss dem Gesundheitsschutz Vorrang vor den Interessen der Industrie einräumen.“ Stillstand herrscht hingegen bei der Nationalen Diabetes­strategie. Obwohl diese im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium noch keine Initiative ergriffen.

© gie/aerzteblatt.de

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