NewsMedizinHIV: Antikörper­kombination senkt Viruslast über mehrere Wochen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

HIV: Antikörper­kombination senkt Viruslast über mehrere Wochen

Donnerstag, 27. September 2018

/Siarhei, stockadobecom

New York – Die Behandlung mit 2 breitneutralisierenden Anti-HIV-Antikörpern hat in ersten klinischen Studien die Viruslast bei therapienaiven oder vorbehandelten Patienten über mehrere Wochen deutlich gesenkt, wie die jetzt in Nature (2018; doi: 10.1038/s41586-018-0531-2) und Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0186-4) veröffentlichten Ergebnisse zeigen.

Bisher ist es nicht gelungen, einen effektiven Impfstoff gegen das HI-Virus zu entwickeln. Auch eine passive Immunisierung mit Antikörperpräparaten hat sich als wirkungslos erwiesen. Der Grund ist die hohe Mutationsrate des Virus, das sich dem Zugriff von Antikörpern entzieht. Eine Ausnahme könnten sogenannte breitneu­tralisierende Antikörper sein. Sie greifen bestimmte Strukturen auf der Virushülle an, die nicht verändert werden können, da die Viren sonst ihre Fähigkeit verlieren würden, CD4-Zellen zu infizieren.

Anzeige

Die ersten Versuche mit breitneutralisierenden Antikörpern verliefen jedoch enttäuschend. Die Virusreplikation ließ sich nicht über längere Zeit stoppen, jedenfalls nicht mit einzelnen Antikörpern. Ähnlich wie bei der medikamentösen Therapie, die erst durch den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Wirkstoffe eine langfristige Virus­suppression erzielte, scheint jetzt das Erfolgsrezept in der Kombinationstherapie zu liegen. 

Ein Team um Michel Nussenzweig von der Rockefeller Universität in New York setzt auf die Kombination der breitneutralisierenden Antikörper 3BNC117 und 10-1074. Beide binden an dem Env-Protein, mit dem das HI-Virus am CD4-Rezeptor der T-Zellen andockt, was eine Voraussetzung für die Infektion der Abwehrzelle ist.

Die Forscher behandelten 11 Patienten, bei denen die HIV-Last zuvor durch Medika­mente erfolgreich unter die Nachweisgrenze gesenkt worden war. Die Patienten erhielten 3 Infusionen mit den beiden Antikörpern. Danach wurden die antiretroviralen Medikamente abgesetzt. Bei 9 Patienten blieb die Viruslast über 15 bis mehr als 30 Wochen unter der Nachweisgrenze. Das entsprach in etwa dem Zeitraum, über den auch die Antikörper im Blut der Patienten nachweisbar waren.

Dass die Replikation erst nach dem Verschwinden der Antikörper einsetzte, ist ein Zeichen dafür, dass die Entwicklung von resistenten Viren ausgeblieben ist. Bei den anderen beiden Patienten kam es dagegen bereits nach kurzer Zeit zum viralen Rebound. Bei diesen Patienten hatten die Antikörper von Anfang an keine Wirkung erzielt.

In einer 2. Studie, an der auch Patienten der Universität Köln teilnahmen, wurden 7 Patienten behandelt, die bisher noch keine antiretroviralen Medikamente erhalten hatten. 4 Patienten sprachen auf die Behandlung an. Die Viruslast wurde durch die 3 Antikörperinfusionen deutlich gesenkt. Erst nach 3 Monaten, als die Antikörper weitgehend aus dem Blut verschwunden waren, setzte die Virusreplikation wieder ein. Bei den anderen 3 Patienten erzielten die Antikörperinfusionen keine Wirkung.

Die Forscher haben die Patienten bisher nur ein einziges Mal behandelt. Somit ist derzeit offen, ob die Strategie langfristig eine Alternative zu einer medikamentösen Therapie sein könnte.

Ein wichtiger Aspekt der beiden Phase-1-Studien war, dass die Patienten die Behandlung offenbar gut vertrugen. Ernsthafte Komplikationen wurden nicht beobachtet. Damit steht der Weg offen für weitere klinische Studien. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. März 2019
London – Der „Berliner Patient“ Timothy Ray Brown galt bisher als weltweiter Einzelfall, der von einer HIV-Infektion geheilt werden konnte. Einer Studie in Nature zufolge könnte es nun einen zweiten
HIV-Patient symptomfrei nach Knochenmarktransplantation
4. März 2019
Saarbrücken – Die Hemmschwelle, sich beim Hausarzt oder dem Gesundheitsamt auf den Aidserreger HIV testen zu lassen, ist für viele Menschen noch immer groß. „Sie schämen sich zum Beispiel oder
Aids-Hilfe setzt große Hoffnungen in neue Selbsttests
15. Februar 2019
Hamburg – Die Krankenkasse DAK übernimmt rückwirkend ab dem 1. Januar die Kosten für die HIV-Präexpositionsprophylaxe (Prep) . „Die DAK-Gesundheit ist die erste große Kasse, die jetzt agiert und ihren
DAK übernimmt Kosten für HIV-Präexpositionsprophylaxe
11. Februar 2019
Berlin – Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria braucht nach Einschätzung des Aktionsbündnisses gegen Aids mehr finanzielle Mittel. Nach wie vor sei HIV weltweit „die
Bündnis mahnt mehr Finanzmittel zur Bekämpfung von Aids an
6. Februar 2019
Berlin – Die Deutsche Aids-Hilfe setzt bei der frühen Erkennung von HIV-Infektionen auf die Expertise gynäkologischer Praxen. Diese erhalten daher in diesen Tagen die Broschüre „HIV früh erkennen in
Aids-Hilfe setzt bei früher HIV-Diagnose auf gynäkologische Praxen
6. Februar 2019
Washington – US-Präsident Donald Trump hat Republikaner und Demokraten in seiner Rede vor dem Kongress dazu aufgerufen, die HIV-Epidemie zu bekämpfen. In seiner Ansprache zur Lage der Nation warb der
Trump will gegen HIV-Epidemie vorgehen
28. Januar 2019
Berlin – Die Hilfe für HIV-infizierte Bluter sind nach Ansicht der Bundesregierung ausreichend und gesichert. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der FPD-Fraktion im Bundestag hervor.
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER