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Medizin

Neuer Impfstoff gegen Tuberkulose besteht ersten klinischen Test

Donnerstag, 27. September 2018

/Anton Gvozdikov, stockadobecom

Wavre/Belgien – Ein neuer Tuberkuloseimpfstoff, der junge HIV-negative Erwachsene mit latenter Infektion vor dem Ausbruch einer aktiven Erkrankung schützen soll, hat in einer laufenden Phase-2b-Studie vielversprechende Ergebnisse erzielt. Nach den im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1803484) vorgestellten Ergebnissen wurde die Zahl der Lungentuberkulosen halbiert. 

Ein Viertel der Menschheit soll mit Mycobacterium tuberculosis infiziert sein. Bei jedem Zehnten kommt es im Verlauf des Lebens zu einer aktiven Erkrankung. Am meisten gefürchtet ist eine Lungentuberkulose. Sie bedroht nicht nur das Leben des Infizierten. Menschen mit Lungentuberkulose können innerhalb kurzer Zeit viele andere Menschen infizieren. 

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Der 1921 eingeführte BCG-Impfstoff, der bei nichtinfizierten Menschen eine gewisse Schutzwirkung erzielt, hat sich bei Menschen, die bereits mit M. tuberculosis latent infiziert sind, als weitgehend unwirksam erwiesen. 

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), die in der „End TB Strategy“ die Inzidenz bis zum Jahr 2035 um 90 % senken will, setzt die Hoffnungen deshalb auf neue Impfstoffe, die derzeit von mehreren Firmen entwickelt werden. Am weitesten fortgeschritten sind die Tests bei der Vakzine M72/AS01E des Herstellers GSK, der in den letzten Jahren bereits einen Impfstoff gegen die Malaria entwickelt hat.

Der Tuberkuloseimpfstoff M72/AS01E enthält wie der Malariaimpfstoff einzelne Peptide des Erregers. Es sind die Antigene Mtb32A and Mtb39A, die vom Immunsystem erkannt werden. Wie beim Malariaimpfstoff soll die Wirkung durch das Adjuvans AS01 verstärkt werden. AS01 ist auch im Zosterimpfstoff Shingrix enthalten.

Der Tuberkuloseimpfstoff M72/AS01E wurde seit August 2014 in einer Phase-2b-Studie in Kenia, Südafrika und Sambia mit Placebo verglichen. An der Studie nahmen 3.573 Menschen im Alter von 18 bis 50 Jahren teil, bei denen mit dem Gamma-Interferon-Test eine latente Tuberkulose festgestellt worden war. Die meisten hatten zuvor den BCG-Impfstoff erhalten.

Die Teilnehmer erhielten im Abstand von 1 Monat 2 intramuskuläre Injektionen, die in einer Gruppe den Impfstoff M72/AS01 E enthielten, in der anderen jedoch nur ein Placebo. Die Teilnehmer werden seither regelmäßig kontaktiert, um bei einem klinischen Verdacht auf eine Lungentuberkulose, dem primären Endpunkt der Studie, eine genauere Diagnose zu veranlassen. 

Wie Olivier van der Meeren vom Impfstoffhersteller in Wavre bei Brüssel und Mitarbeiter berichten, wurde bisher (nach einer Beobachtungszeit von durchschnittlich 2,3 Jahren) bei 10 geimpften Teilnehmern eine bakteriologisch bestätigte aktive Lungentuberkulose festgestellt. In der Placebogruppe kam es in der gleichen Zeit zu 22 Erkrankungen. Die Impfung hat die Inzidenz von 0,6 auf 0,3 Fälle pro 100 Personenjahre gesenkt. Die Impfstoffwirksamkeit betrug 54,0 % und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,9 bis 78,2 % signifikant.

Die Impfung mit M72/AS01E führte häufiger zu Nebenwirkungen: Sie traten bei 91,2 % der Geimpften gegenüber 68,9 % in der Placebogruppe auf. Die Unterschiede waren hauptsächlich auf Reaktionen an der Injektionsstelle und grippeähnliche Symptome zurückzuführen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, potenzielle immunvermittelte Erkrankungen und Todesfälle waren selten und traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (und deshalb nicht auf die Impfung zurückzuführen).

Barry Bloom von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston bewertet die Ergebnisse insgesamt positiv. Die erzielte Effektivität von 54 % zeige, dass der Impfstoff im Prinzip wirksam sei. Der Editorialist hofft, dass die Schutzwirkung noch weiter gesteigert werden kann. Eine Untersuchung der archivierten Blutproben könnte hierfür möglicherweise Hinweise liefern. © rme/aerzteblatt.de

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