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Metoo: Viele Ärztinnen und Ärzte berichten über Belästigung

Donnerstag, 4. Oktober 2018

junge Frau hält ein #metoo Schild in die Kamera /Fitz, adobe.stock.com
In einer Klinik können Beschäftigte sowie Patienten von sexueller Belästigung betroffen sein. Als besondere Risikogruppe wurden weltweit Medizinstudierende, Ärztinnen und weibliche Pflegekräfte identifiziert. /Fitz, adobe.stock.com

Berlin – Die #metoo-Debatte macht auch im Gesundheitswesen keine Ausnahme. Dass Ärztinnen und Ärzte als besondere Risikogruppe für sexuelle Belästigung gelten, konnte eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin bestätigen, die in JAMA Internal Medicine erschienen ist (2018, doi: 10.1001/jamainternmed.2018.4859).

Im Jahr 2015 hatten die Autorinnen 1.862 Mediziner einer Berliner Klinik der Maximalversorgung eingeladen, an einer Onlineumfrage zu sexueller Belästigung teilzunehmen. Fast 750 Antworten konnten ausgewertet werden – 448 (60 Prozent) waren Frauen, 289 (39 Prozent) Männer, vier gaben Intersex und Transgender an, zwei machten keine Geschlechtsangaben. Mehr als 60 Prozent der befragten Männer und Frauen berichteten, dass sie mindestens einmal im Laufe ihrer Karriere verbal belästigt wurden (297 Frauen und 159 Männer).

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Weitere 20 Prozent erlebten körperliche Belästigung – zu den Betroffenen zählen vor allem Frauen. Am häufigsten kam es demnach zu ungewollten Berührungen (17 Prozent, 100 Frauen und 27 Männer). In zwei Prozent der Fälle berichteten die Betroffenen aber auch über Grapschen und Kussversuche (13 Frauen und drei Männer), zwei Frauen und zwei Männer berichteten von sexuellen Übergriffen. „Starke Hierarchien begünstigten solche Vorfälle körperlicher Belästigung“, berichtet die Autorin Sabine Oertelt-Prigione vom Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charité und vom Radboud University Medical Center in Nijmegen. Das bestätigte auch die Fachliteratur (WMJ 2007).

Pflichten für Arbeitgeber und Rechte der Arbeitnehmer

Um sexueller Belästigung vorzubeugen, sei eine systematische Prävention notwendig, betont sie. Dazu zählen zum Beispiel verbindliche Fortbildungen der Führungskräfte zu sexueller Belästigung und Diskriminierung, ein Null-Toleranz-Statement der Unternehmensleitung und eine betriebliche Vereinbarung mit Regularien zum Umgang mit sexueller Belästigung. „Der Arbeitgeber ist in der Pflicht, eine Beschwerdestelle einzurichten“, sagt die Internistin dem Deutschen Ärzteblatt. Wie viele Kliniken das umgesetzt haben, sei schwer abschätzbar. „In vielen Fällen fällt die Beschwerdestelle mit den Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zusammen, die alle Kliniken haben.“

Zudem können Kliniken und Institute eine Vertrauensperson ernennen oder einen Vertrauensanwalt hinzuziehen. Einen wichtigen Hinweis gibt Oertelt-Prigione Betroffenen: „Wer Schadensersatz, beispielsweise für Arzt- und Therapiekosten einfordern möchte, muss diese Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach dem Vorfall geltend machen.“ Nach ihrer Erfahrung ist die Anforderung von Schadensersatz extrem selten und kommt bisher nur in schwerwiegenden Fällen vor. © gie/aerzteblatt.de

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