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Medizin

Angiogenesehemmer verlängern Überleben von Mäusen mit unheilbaren Glioblastom

Freitag, 28. September 2018

Blutgefäße im Gehirn verzweigen sich /ugreen stock.adobe.com
Tumore sind in der Lage, die Bildung von Blutgefäßen zu veranlassen, indem sie Wachstumsfaktoren (VEGF, Vascular Endothelial Growth Factor) freisetzen. Sie initiieren schließlich die Tumor-Angiogenese. /ugreen, stock.adobe.com

Mainz – Eine neuartige Kombination aus Antikörpern und Zytostatikum könnte das Wachstum von Glioblastomen hemmen. Das berichten Wissenschaftler der Universitäts­medizin Mainz in einer Studie, die sie in EMBO Molecular Medicine veröffentlicht haben (2018; doi: 10.15252/emmm.201708420).

Das Glioblastom ist ein aggressiv wachsender Hirntumor. Es entwickelt sich aus dem Stützgewebe des Gehirns, den Gliazellen. Diese teilen sich rasch, wodurch der Tumor schnell wachsen kann. Zudem erfolgt eine starke Infiltration des umliegenden Gewebes. Von der Erkrankung sind überdurchschnittlich viele junge Patienten betroffen, die meisten Glioblastomerkrankten sind zwischen 45 und 70 Jahre alt. Der Anteil der Männer ist etwa doppelt so hoch wie der Frauenanteil.

Glioblastome repräsentieren die häufigste bösartige Hirntumorart bei Erwachsenen. Die derzeitigen Behand­lungsmöglichkeiten umfassen eine chirurgische Entfernung gefolgt von Strahlen- und Chemotherapie. Bisher sterben Betroffenen im Durchschnitt innerhalb von 15 Monaten nach der Erstdiagnose, auch weil der Tumor sehr schnell wächst und selbst bei erfolgreicher Therapie oft innerhalb eines Jahres ein Rezidiv auftritt.

Die Wissenschaftler um Mirko H. H. Schmidt vom Institut für Mikroskopische Anatomie und Neurobiologie der Universitäts­medizin Mainz wählten einen neuen Forschungsansatz: Sie ergänzten existierende Therapien (Anti-VEGF und Temozolomid) um die Hemmung des wenig erforschten, proangiogenen Faktors EGFL7. Dieser hat in jüngster Zeit seine Relevanz für neurologische Krankheiten wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose unter Beweis gestellt. Es gelang, die Wirksamkeit konventioneller Therapien erheblich zu steigern.

Mäuse mit Kombinationstherapie leben länger

Wie die Mainzer Forscher nun herausfanden, führt EGFL7 in Hirntumoren zur Bildung neuer und ausgereifterer Blutgefäße, was das Wachstum von Hirntumoren fördert. Die Hemmung von EGFL7 durch kehrte diesen Prozess in Hirntumormodellen um. Eine kombinatorische Therapie, die sich zusammensetzt aus den beiden Antikörpern Anti-EGFL7 und Anti-VEGF, die die Angiogenese hemmen, und dem Chemotherapeutikum Temozolomid (TMZ) erhöhte in Mausversuchen die Überlebensdauer um einige Tage im Vergleich zu Anti-VEGF allein (87 Tage versus 80 Tage, n = 5; log‐rank test).

„Eine erweiterte Kombinationstherapie könnte der Diagnose ‚unheilbarer Hirntumor‘ einen Teil ihres Schreckens nehmen“, ist Schmidt überzeugt. Bisherige Studien zielten darauf ab, einen Weg zu finden, die Neubildung von Blutgefäßen in Glioblastomen zu hemmen und somit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung dieser Tumore zu kappen. Einen signifikanten Einfluss auf das Überleben der Patienten hatten diese Studien bislang allerdings nicht.

Diese Forschungsergebnisse erzielte das Team um Schmidt auch im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 1292 „Gezielte Beeinflussung von konvergierenden Mechanismen ineffizienter Immunität bei Tumorerkrankungen und chronischen Infektionen“ und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK). © gie/aerzteblatt.de

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