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Medizin

Auch neuere hormonelle Kontrazeptiva schützen (vorübergehend) vor Ovarialkarzinom

Freitag, 28. September 2018

/dpa

Aberdeen – Die bekannte protektive Wirkung von hormonellen Kontrazeptiva war in einer prospektiven Kohortenstudie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 362: k3609) auch für neuere Präparate mit einer geringeren Hormonkonzentration nachweisbar.

Orale Kontrazeptiva hemmen die Ovulationen und vermindern dadurch die Bildung von weiblichen Geschlechtshormonen, die als Risikofaktoren für das Ovarialkarzinom diskutiert werden – nachgewiesen ist dies für eine perimenopausale Hormontherapie und für IVF-Behandlungen.

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Frühere epidemiologische Studien hatten gezeigt, dass Frauen, die die „Pille“ einnehmen, seltener an einem Ovarialkarzinom erkranken. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch die Zusammensetzung der hormonellen Kontrazeptiva verändert und die Dosis gesenkt.

Lisa Iversen von der Universität Aberdeen und Mitarbeiter haben deshalb die Daten von 1,9 Millionen dänischer Frauen ausgewertet, die im Zeitraum von 1995 bis 2014 im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahre alt waren. Bis Ende 2014 erkrankten 1.249 Frauen an einem Ovarialkarzinom, wie die Forscher durch den Abgleich mit dem Krebsregister des Landes herausfanden.

Von den Frauen, die niemals hormonelle Kontrazeptiva verwendet hatten, erkrankten 7,5 auf 100.000 Personenjahre. Bei den Frauen, die irgendwann einmal hormonelle Kontrazeptiva verwendet hatten,  betrug die Inzidenz 3,2 pro 100.000 Personenjahre.

Für die Frauen, die aktuell hormonelle Kontrazeptiva verwendeten oder bei denen die letzte Anwendung nicht länger als ein Jahr zurücklag, ermittelte Iversen ein relatives Risiko von 0,58, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 0,68 signifikant war. Für ehemalige Anwenderinnen betrug das relative Risiko 0,77 (0,66 bis 0,91).

Für die aktuellen oder kürzlichen Anwenderinnen nahm die protektive Wirkung mit zunehmender Dauer der hormonellen Kontrazeption zu: Die relativen Risiken betrugen 0,82 (0,59–1,12) bei einer Anwendungsdauer von weniger als einem Jahr und 0,26 (0,16 auf 0,43) bei mehr als 10 Jahren hormoneller Kontrazeption.

Die protektive Wirkung war für Kombinationspräparate (relatives Risiko 0,56; 0,45–0,70) etwas ausgeprägter. Für Monopräparate mit Gestagenen war die Assoziation nicht signifikant (relatives Risiko 0,87; 0,59–1,29), was aber an der geringen Fallzahl von nur 26 Karzinomen in dieser Gruppe gelegen haben könnte. Für die einzelnen Varianten der aktuell eingesetzten oralen Kontrazeptiva waren die Fallzahlen ebenfalls zu gering für eine differenzierte Bewertung. 

Iversen schätzt, dass ohne hormonelle Kontrazeptiva in Dänemark 21 % mehr Frauen an einem Ovarialkarzinom erkranken würden. Diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf Frauen im gebärfähigen Alter. Da die protektive Wirkung nach dem Absetzen der hormonellen Kontrazeptiva langsam abnimmt und nach etwa zehn Jahren nicht mehr nachweisbar ist und etwa 85 % der Frauen erst nach der Menopause erkranken, ist der Einfluss bezogen auf die Gesamtzahl der Ovarialkarzinome sehr viel geringer. © rme/aerzteblatt.de

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