NewsMedizinAutologe Stuhltransplantation beschleunigt Erholung der Darmflora nach Stammzelltherapie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Autologe Stuhltransplantation beschleunigt Erholung der Darmflora nach Stammzelltherapie

Freitag, 28. September 2018

Verschiedene Bakerien, die im Mikrobiom vorkommen /Jonathan Bailey NHGRI
Das Human Microbiome Project, das 2007 von NIH ins Leben gerufen wurde, bietet einen Einblick in die mikrobielle Vielfalt gesunder Menschen. /Jonathan Bailey NHGRI

New York – Eine autologe Stuhltransplantation kann die schwere Störung der Darmflora, zu der es nach einer hämatopoetischen Stammzelltherapie infolge der notwendigen Antibiotikabehandlung kommt, rasch beheben. Dies zeigen erste Ergebnisse einer Phase 2-Studie in Science Translational Medicine (2018; 10: eaap9489).

Eine hämatopoetische Stammzelltherapie kann Leukämien oder Lymphome, die sonst zum sicheren Tod führen würden, häufig heilen. Die Behandlung ist jedoch mit zahlreichen Risiken verbunden, zu denen auch eine Störung der Darmflora gehört. Die Darmbakterien werden teilweise bereits durch die Vorbehandlung („Konditionierung“) zerstört: Die Patienten erhalten dafür mehrere Zytostatika, die das gesamte blutbildende Gewebe eliminieren sollen. Die Zellgifte greifen jedoch auch die Darmbakterien an.

Anzeige

Nach der eigentlichen Stammzelltherapie, die das Knochenmark mit gesunden blutbildenden Zellen neu besiedeln soll, erhalten die Patienten gleiche mehrere Antibiotika. Sie sollen verhindern, dass die Patienten in der Phase, in der das Knochenmark noch keine Abwehrzellen zur Verfügung stellen kann, an Infektionen sterben. Doch die Antibiotika führen auch zu einer weiteren „Entvölkerung“  der Darmflora. Genau genommen kommt es zu einem Verlust der Diversität, da immer einige Bakterienarten dem Angriff der Antibiotika widerstehen.

Die Auswirkungen der Stammzelltherapie auf die Darmflora wurden lange Zeit als nebensächlich betrachtet. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass eine verminderte Diversität die Überlebenschancen der Patienten beeinträchtigt. 

Aufgetaute Stuhlproben fördern Bakteriendiversität im Darm

Am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York wird deshalb derzeit untersucht, ob eine autologe Stuhltransplantation die Therapieergebnisse verbessern kann. Den Patienten wird 20 Tage vor einer geplanten Stammzellbehandlung eine Stuhlprobe entnommen und tiefgefroren. Es folgen die Konditionierung, die Infusion der Stammzellen und die Antibiotikagabe zum Schutz vor Infektionen. Danach wird der Darm der Patienten mit den aufgetauten Stuhlproben neu besiedelt. Die neue Methode wird derzeit in einer randomisierten Phase 2-Studie an 59 Patienten untersucht. Endpunkt ist die Zahl der C. difficile-Infektionen, die eine häufige und schwerwiegende Komplikation der intensiven Antibiotikatherapie sind.

Wie das Team um Eric Pamer und Joao Xavier berichtet, ist es bei den ersten 15 Patienten gelungen, die Darmflora innerhalb von hundert Tagen nach der Stammzelltherapie wieder herzustellen. Der inverse Simpson-Index, der die Diversität der Darmbakterien bestimmt, stieg bei den Patienten sprunghaft an, während in der Kontrollgruppe von 11 Patienten die Darmflora weiterhin von einigen Bakterien dominiert wurde, die zudem zahlreiche Antibiotikaresistenzen aufwiesen, was kein gutes Omen für die notwendige Erholung der Darmflora ist.

Ob die Behandlung auch die Erholung der Patienten von der strapaziösen Stammzelltherapie fördert, indem sie beispielsweise Therapie-resistente Durchfälle vermeidet oder sogar tatsächlich die Überlebenschancen verbessert, müssen künftige Analysen zeigen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Bethesda/Maryland – US-Wissenschaftler haben eine Stammzelltherapie für die trockene Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) entwickelt, einer Hauptursache für Erblindungen im Alter. Ein
AMD: Stammzelltherapie könnte Erblindung verhindern
16. Januar 2019
Chicago und Melbourne – Eine nicht myeloablative Stammzelltherapie hat in einer offenen randomisierten Vergleichsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 165-174) Patienten mit
Multiple Sklerose: Stammzelltherapie zeigt in Vergleichsstudie überlegene Wirkung
11. Januar 2019
Jena – Bei chronischer Entzündung im Alter wird die Funktion und Selbsterneuerung von Blutstammzellen durch eine chronische Aktivierung sogenannter cohesinvermittelter Entzündungssignale gestört. In
Wie das blutbildende System altert
9. Januar 2019
Heidelberg – Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Stammzellinstituts HI-STEM in Heidelberg ist es gelungen, menschliche Blutzellen auf direktem Weg zu einem bisher
Wissenschaftler wandeln Körperzellen in definierte neurale Stammzellen um
8. Januar 2019
Bozeman/Montana – Der menschliche Körper ist Arsen, das in vielen Regionen der Erde im Grundwasser enthalten ist, nicht schutzlos ausgeliefert. Neben einem Enzym, das das Halbmetall in der Leber
Darmbakterien können (im Prinzip) vor Arsenvergiftung schützen
7. Januar 2019
Kiel – Die Therapiebegleitung für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen verbessern wollen Ärzte und Wissenschaftler von der Christian-Albrechts-Universität Kiel um Bernd Bokemeyer. Der
Projekt für bessere Therapiebegleitung von Menschen mit chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen
4. Januar 2019
Hannover – Bislang ist es nicht möglich, Blut in großem Maßstab künstlich herzustellen – es ist nur durch Spenden generierbar. Ein interdisziplinäres Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER