NewsÄrzteschaftExperten beklagen hohe Zahl verordneter Antidepressiva
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Experten beklagen hohe Zahl verordneter Antidepressiva

Freitag, 28. September 2018

/kazoka303030, stockadobecom

Berlin – Experten beklagen die hohe Zahl an verordneten Medikamenten gegen Depression in Deutschland. Zuletzt seien sieben Mal so viele Antidepressiva verordnet worden wie noch vor 25 Jahren, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Psycho­somatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) heute in Berlin anlässlich des Europäischen Depressionstags am Montag. Die Menge der Medikamente würde ausreichen, um 3,8 Millionen Menschen das ganze Jahr über mit Tabletten zu versorgen, hieß es.

Gleichzeitig würden aber nur bei jedem fünften bis sechsten Versicherten, der Antidepressiva verordnet bekomme, auch psychotherapeutische Verfahren abgerechnet, sagte der Gesundheitsforscher Gerd Glaeske vom Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen. Er stützt sich auf Daten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung.

Anzeige

Diese „starke Dominanz der Medikamente“ entspreche nicht der aktuellen Leitlinie zur Behandlung von Depressionen, erklärte die DGPM. Bei leichten Formen der Krankheit seien Antidepressiva grundsätzlich nicht vorgesehen. Psychotherapien seien bei der Behandlung dagegen in jeder Form zu berücksichtigen, gegebenenfalls ergänzt um Medikamente.

Auffallend sei zudem, dass viele Patienten mit einer Depression gar nicht behandelt würden, kritisierte die DGPM. Umgekehrt erhielten aber auch Menschen Antide­pressiva, bei denen keine entsprechende Diagnose vorliege. Kritisch sehen die Experten auch, dass rund die Hälfte der Patienten ausschließlich durch den Hausarzt behandelt werde. Es sei jedoch wichtig, möglichst früh einen Facharzt hinzuzuziehen. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #749369
Ambush
am Dienstag, 2. Oktober 2018, 14:18

Welche Kompetenz besitzt denn Herr Glaeske?

Die Behandlung von Patienten sollte man doch lieber Fachleuten überlassen. Es wird Zeit, dass Herr Glaeske politisch ausgeschaltet wird.
Avatar #705945
Dr West
am Montag, 1. Oktober 2018, 07:55

Immer Psychotherapie?

Depressive werden noch immer medizinisch unterversorgt. Wenn es daher in den letzten 25 Jahren zu einer Erhöhung der Verordnung von Antidepressiva gekommen ist, kann eine Überversorgung damit nicht als erwiesen gelten. Es trifft auch nicht zu, dass "bei leichten Formen der Krankheit Antidepressiva grundsätzlich nicht vorgesehen [seien]". Vielmehr heißt es in der Nationalen Versorgungsrichtlinie "Unipolare Depression", dass bei leichter und mittelgradiger Depression "Psychotherapie ODER Pharmakotherapie" einzusetzen ist. Lediglich bei der deutlich weniger häufig vorkommenden schweren Depression sollen beide Verfahren zur Anwendung kommen. Psychotherapie ist zudem ein weiter Begriff und nicht mit einer Richtlinien-Psychotherapie gleichzusetzen. Kein Arzt wird vermutlich die medikamentöse antidepressive Therapie auf die Aushändigung eines Rezeptes begrenzen.
Avatar #683778
Freudi
am Freitag, 28. September 2018, 23:46

Antidepressiva/Psychotherapie

Die Stichtagprävalenz sagt, dass am heutigen Tag in Deutschland ca. 4 Millionen Menschen behandlungsbedürftig depressiv sind. Davon wissen aber nur 10%, also 400.000, dass sie depressiv sind, und nur 5% von diesen, also 20.000, sind optimal behandelt, erhalten also Psychotherapie und effiziente Pharmakotherapie. Da ist also noch sehr, sehr viel Luft nach oben! Es wird nie genug Psychotherapeuten geben, das weiß Herr Glaeske auch! Viel realistischer wär's doch erst einmal, die Mehrheit der verordnenden Ärzte zu veranlassen, wenn überhaupt, leitliniengerecht das Antidepressivum zu verordnen: Ein geeignetes(!) Medikament, in der richtigen Dosierung(!), über ausreichend lange Zeit(!). Damit wäre schon sehr vielen Menschen geholfen und sie wären auch psychotherapiefähig. Leider ist es aber eher Praxis, dass nicht nur unzureichend medikamentös behandelt wird, sondern sowohl von Hausärzten, wie auch von Kliniktherapeuten den Patienten Listen in die Hand gedrückt werden, die vom Patienten(!) abzutelefonieren sind - mit dem Erfolg, dass sich eben, wenn überhaupt, unzumutbare Wartezeiten ergeben! Genau deshalb drängen inzwischen so viele Patienten in die Kliniken/Abteilungen, in denen sich natürlich nun auch häufig längere Wartezeiten ergeben. Auch darf hier nicht vergessen werden, dass sehr viel Patienten sedierende ADD erhalten, um besser schlafen zu können, oder auch zur sicher sehr häufig indizierten Behandlung ihrer Angststörung.
Es war schon immer leichter, eine somatische Erkrankung zu haben, aber so mindern wir sicher nicht das immer noch mächtige Stigma der psychischen Erkrankungen....
Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Freitag, 28. September 2018, 22:15

Nicht nur Antidepressiva und Psychotherapie

Auch gesunde Ernährung, Sport und die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe Depression sind hilfreich. Als Christ empfehle ich auch Seelsorge und Gebete. Grundlage sind folgende Aussagen der Bibel:
Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken."
Psalm 146,8: "Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind."
Jesus Christus kann Wunder vollbringen, aber auch durch Ärzte, andere Therapeuten und Medikamente handeln.
LNS

Nachrichten zum Thema

3. Dezember 2018
Leipzig – Rund ums Thema Depression können sich Betroffene und Angehörige jetzt auf einer interaktiven Webseite austauschen. Ziel sei es, einen offenen Umgang mit Depression zu fördern und so
Plattform für Erfahrungsaustausch über Depressionen
29. November 2018
London – Die Verschreibung von Antidepressiva ist in Großbritannien unmittelbar nach der Brexit-Entscheidung im Juni 2016 im Vergleich zu anderen Arten von Medikamenten gestiegen. Das berichten
Briten brauchten nach dem EU-Referendum mehr Antidepressiva
27. November 2018
Berlin – Wenn Menschen an Depressionen erkranken, sind davon häufig auch die Familien und Freunde stark betroffen. 84 Prozent der Erkrankten reagierten mit sozialem Rückzug, heißt es im gestern
Depressionen: Hohe Belastung, auch für Angehörige
5. November 2018
Frankfurt am Main – Der Anteil von Senioren mit Depressionen liegt der Einschätzung von Wissenschaftlern zufolge in Altersheimen höher als bei Gleichaltrigen, die noch im eigenem Zuhause leben. Es
Wissenschaftler: Depression bei Heimbewohnern seltener behandelt
24. Oktober 2018
Hannover – Sie haben Kopf- oder Bauchschmerzen, sind leicht reizbar oder fühlen sich ständig erschöpft: Wegen stressbedingter Beschwerden und psychischer Krankheiten sind immer mehr Schülerinnen und
Immer mehr junge Menschen sind psychisch krank
1. Oktober 2018
Berlin - Gegen eine Stigmatisierung depressiver Erkrankungen setzt die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sachliche und fundierte Informationen zu dem Krankheitsbild. „Wir müssen diesen Menschen die Angst vor
Bundesärztekammer engagiert sich gegen Stigmatisierung bei Depressionen
24. September 2018
Die psychologische Psychotherapeutin und stellvertretende Vorsitzende von EMDRIA Deutschland Susanne Leutner führt eine EMDR durch. Die Patientin folgt mit den Augen ihren Fingern, die sich schnell
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER