NewsMedizinDurvalumab, Atezolizumab und Brigatinib: Neue Optionen für NSCLC in klinischen Studien erfolgreich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Durvalumab, Atezolizumab und Brigatinib: Neue Optionen für NSCLC in klinischen Studien erfolgreich

Freitag, 28. September 2018

/psdesign1, stockadobecom

Tampa/Florida, Nashville/Tennessee und Aurora/Colorado – Das nichtkleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC), die häufigste Lungenkrebsform, wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, in dem eine Heilung nicht mehr möglich ist. Die Hoffnungen ruhen derzeit auf der Immuntherapie, die mit Durvalumab in einer Phase-3-Studie das Leben von Patienten mit nichtresektablen Tumoren verlängert hat.

Bei einer extensiven Erkrankung hat Atezolizumab die Überlebenszeiten des derzeitigen Chemotherapie-Standards verlängert. Bei Patienten, die Mutationen im ALK-Gen aufwiesen, konnte Brigatinib in einer weiteren Studie überzeugen. Die zulassungsrelevanten Ergebnisse wurden auf der der 19. World Conference on Lung Cancer in Toronto vorgestellt und im New England Journal of Medicine (NEJM) publiziert.

Anzeige

Die Behandlung von Patienten mit einem nicht mehr resezierbaren NSCLC besteht heute in einer platinbasierten Chemotherapie mit gleichzeitiger Strahlentherapie. Eine erneute Tumorprogression wird allerdings nur in den wenigstens Fällen erreicht. Es wird deshalb nach Mitteln gesucht, um das unvermeidlich erscheinende erneute Tumorwachstum hinauszuzögern.

Zu den neuen Ansätzen zählt die Immuntherapie, die die körpereigene Krebsabwehr stimulieren soll. Dies ist mit dem Checkpoint-Inhibitor Durvalumab möglich. Der Antikörper verhindert, dass die Tumorzellen über den Rezeptor PD-1 die Aktivität von T-Zellen blockieren. Der Hersteller hat die Wirksamkeit von Durvalumab in einer Phase-3-Studie untersucht. An der PACIFIC-Studie nahmen an 235 Zentren in 26 Ländern (mit deutscher Beteiligung) insgesamt 709 Patienten teil.

Sie waren nach dem Ende der Radiochemotherapie entweder auf eine Konsolidierungs­therapie mit Durvalumab oder auf Placebo randomisiert worden. Erste Ergebnisse waren bereits vor einem Jahr vorgestellt worden. Damals konnten Scott Antonia vom Moffitt Cancer Center in Tampa/Florida zeigen, dass Durvalumab das progressionsfreie Überleben im Stadium 3 des NSCLC fast verdreifacht (NEJM 2017; 377: 1919–1929). 

Jetzt liegen Ergebnisse zum Gesamtüberleben vor. In der Durvalumab-Gruppe waren nach 2 Jahren noch 66,3 % der Patienten am Leben gegenüber 55,6 % in der Placebo-Gruppe. Antonia und Mitarbeiter errechnen eine Hazard Ratio von 0,68, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,47 bis 0,997 signifikant war (NEJM 2018; doi: 10.1056/NEJMoa1810171). Das progressionsfreie Leben wurde von 5,6 auf 17,2 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,51; 0,41–0,63) und die mittlere Zeit bis zum Auftreten von Fernmetastasen oder einem Tod stieg von 16,2 auf 28,3 Monate (Hazard Ratio 0,53; 0,41–0,68).

Durvalumab wurde aufgrund der Ergebnisse der PACIFIC-Studie in den USA im Februar und in Europa im September diesen Jahres zugelassen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Durvalumab bei Patienten mit inoperablem NSCLC im Stadium 3 waren Husten, Müdigkeit und Dyspnoe. Die Behandlung steigerte auch das Risiko, dass die Patienten infolge der Bestrahlungen eine Pneumonitis entwickelten.

Ein weiterer bereits zur Behandlung des NSCLC zugelassener Checkpointinhibitor ist Atezolizumab. Sein Einsatz ist derzeit auf Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC beschränkt, die bereits eine Chemotherapie erhalten haben. Die IMpower133-Studie hat untersucht, ob Atezolizumab bereits zusammen mit der Chemotherapie gegeben werden kann. Dieser Ansatz war zuvor mit dem Checkpoint­inhibitor Ipilimumab, der allerdings einen anderen Angriffspunkt hat, in einer Phase-3-Studie gescheitert. 

Atezolizumab scheint hier jedoch die bessere Wahl zu sein. In der IMpower133-Studie wurde Atezolizumab (oder Placebo) in der Induktionsphase mit 4 Zyklen von Carboplatin plus Etoposid kombiniert. Danach wurde die Immuntherapie (oder Placebo) fortgesetzt, solange die Patienten dies tolerierten. Bei den Patienten war es bereits zu ausgedehnten Metastasen gekommen oder es waren Tumorzellen im Blut nachweisbar.

Wie Leora Horn vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville/Tennessee und Mitarbeiter jetzt berichten, konnte Atezolizumab die Überlebenszeiten der Patienten von 10,3 auf 12,3 Monate verlängern (NEJM 2018; doi: 10.1056/NEJMoa1809697). Die Hazard Ratio von 0,70 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,54 bis 0,91 signifikant. Einer Erweiterung der Zulassung auf die First-Line-Therapie dürfte damit nichts im Wege stehen.

Für die 3 bis 5 % der NSCLC-Patienten, die Mutationen im ALK-Gen aufweisen, dürfte demnächst mit Brigatinib ein weiterer ALK-Inhibitor zur First-Line-Therapie zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse der ALTA-1L-Studie, die Ross Camidge vom University of Colorado Cancer Center in Aurora/Colorado vorstellen, zeigen, dass mehr Patienten nach 12 Monaten noch ohne Tumorprogression waren als unter Crizotinib, einem ALK-Inhibitor der ersten Generation (67 versus 43 %; Hazard Ratio 0,49; 95-%-Konfidenzintervall 0,33 bis 0,74). Die Ansprechrate war mit 71 gegenüber 60 % leicht erhöht. Ein besonderer Vorteil könnte sein, dass die Hirnmetastasen häufiger auf Brigatinib ansprachen als auf Crizotinib (78 versus 29 %). Bei der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Wirkstoffen (NEJM 2018; doi: 10.1056/NEJMoa1809064). 

Die Ergebnisse entsprechen nach Einschätzung von Camidge in etwa denen von Alectinib in der ALEX-Studie (NEJM 2017; 377: 829–38). Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Brigatinib bereits Ende April zugelassen. Ausschlaggebend waren die Ergebnisse der offenen ALTA-Studie. Die häufigsten Nebenwirkungen von Brigatinib sind laut FDA Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Husten und Kopfschmerzen. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen sind Pneumonie und eine Interstitielle Lungenerkrankung/Pneumonitis. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. November 2018
Düsseldorf – Eine Ende Oktober im British Medical Journal erschienene Studie berichtet über einen möglichen Zusammenhang von ACE-Hemmern und Lungenkrebs (BMJ 2018; 363: k4209). Experten der Deutschen
Kardiologen warnen vor Absetzen von ACE-Hemmern
5. November 2018
Paris – Rund anderthalb Jahre, nachdem sie die Lunge einer langjährigen Raucherin erhalten hatte, ist eine Französin an Lungenkrebs gestorben. Eine jetzt in der Fachzeitschrift Lung Cancer
Empfängerin von Spenderlunge einer Raucherin stirbt an Lungenkrebs
25. Oktober 2018
Montreal – Britische Hausarztpatienten, denen dauerhaft ein ACE-Hemmer verordnet wurde, erkrankten in der Folge häufiger an Lungenkrebs. Nach den im britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 363: k4209)
Erhöhen ACE-Hemmer das Lungenkrebsrisiko?
18. Oktober 2018
Berlin – Im Leitlienprogramm Onkologie ist eine neue Fassung der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus erschienen. Experten, Betroffene
Neufassung der S3-Leitlinie zum Oesophaguskarzinom zur Kommentierung freigegeben
16. Oktober 2018
Köln – Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) können von
Lungenkrebspatienten können von Therapie mit Osimertinib profitieren
8. Oktober 2018
Los Angeles – US-Forscher haben im Labor aus gesunden Epithelien kleinzellige Karzinome der Prostata und der Lunge erzeugt. Laut ihrem Bericht in Science (2018; 362: 91–95) waren nur 5 genetische
Krebsforschung: Fünf Gene erzeugen kleinzellige Karzinome in Prostata und Lunge
12. September 2018
Lyon – In diesem Jahr werden weltweit 18,1 Millionen Menschen an Krebs erkranken und 9,6 Millionen daran sterben. Dies ergeben Schätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer
LNS
NEWSLETTER