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Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer engagiert sich gegen Stigmatisierung bei Depressionen

Montag, 1. Oktober 2018

/highwaystarz, stockadobecom

Berlin - Gegen eine Stigmatisierung depressiver Erkrankungen setzt die Bundesärzte­kammer (BÄK) sachliche und fundierte Informationen zu dem Krankheitsbild. „Wir müssen diesen Menschen die Angst vor einem Arztbesuch nehmen und gesellschaft­licher Stigmatisierung entgegentreten“, sagte Ulrich Clever, Präsident der Landesärzte­kammer Baden-Württemberg und Vorstandsbeauftragter der BÄK für ärztliche Psychotherapie, zum 15. Europäischen Depressionstag. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Depression und Vorurteile“.

Patienten sowie ihr soziales Umfeld müssten wissen, dass eine Depression genau wie eine körperliche Erkrankung keine Frage von Schuld ist, betonte Clever. „Depressionen lassen sich meist erfolgreich behandeln. Voraussetzung ist aber, dass den Betroffenen die Angst vor einem Arztbesuch genommen wird“, sagte er.

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Drei Broschüren erhältlich

Die BÄK hat dazu drei Broschüren herausgegeben - eine mit allgemeinen Informa­tionen, eine weitere für Angehörige und Freunde und eine dritte Information zum Thema Depression bei Schwangerschaft und Geburt.

Der BÄK-Vorstandsbeauftragte wies aber auch daraufhin, dass notwendige Versorgungsangebote zur Verfügung stehen müssten, wenn sich Betroffene für professionelle Unterstützung entschieden. Die Politik sollte den Ausbau der sprechenden Medizin durch Haus- und Fachärzte daher „nicht nur fordern, sondern auch fördern“, so Clever. „Die meisten psychischen Erkrankungen sind gut behandelbar – aber sie müssen auch behandelt werden. Andernfalls drohen Chronifizierungen und schwere Verläufe“, warnte er.

Der Europäische Depressionstag findet seit 2004 statt. Initiator ist die European Depression Association (EDA), eine Allianz aus Experten und Erfahrenen sowie medizinischen Fachkräften und Organisationen aus 17 europäischen Ländern. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Dienstag, 2. Oktober 2018, 00:04

Psychiater und Eigenstigma

Seit 2008 wissen wir durch Maxi BRAUN, dass die Lebenszeitprävalenz der Depression bei Psychiatern über 42% liegt und damit mehr als doppelt so hoch als in der sog. Normalbevölkerung. Aber wo sind die depressionserfahrenen Psychiater, die mit ihrer Erkrankung so offen umgehen können, wie sie es sehr häufig ihren Patienten empfehlen? Als selbst betroffener Psychiater suche ich sie seit 2004 - bisher nahezu vergeblich. Ein kranker Arzt ist schon ziemlich schlimm, aber ein depressionserfahrener Psychiater geht offenbar gar nicht! Und das scheint mir mehr im Eigen-Stigma begründet als im Public-Stigma. Ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt stigmatisiert, weder durch Kollegen, noch im Patienten-, oder im Freundeskreis. Ich habe mich aber auch zu keinem Zeitpunkt (außerhalb der Depression) selbst stigmatisiert gefühlt! Ein Chirurg, der sich ein Bein bricht, ein Zahnarzt mit dicker Backe - sie haben eben Pech gehabt. Aber selbst Psychiater sind gegen Depression nicht geimpft. Warum sollten sie denn dann nicht auch offen umgehen können mit ihrer Erkrankung? Ich persönlich habe in den vergangenen 14 Jahren jedenfalls nur positive Erfahrungen im offenen Umgang mit meiner Erkrankung gemacht! Wir sollten uns im Falle einer eigenen Erkrankung (und nach Remission!) nicht anders verhalten, als wir es unseren Patienten empfehlen. Das hat auch etwas mit Offenheit und Authentizität zu tun (und die wird von Betroffenen zumeist anerkannt!).
Wir werden das Stigma nicht abschaffen, solange wir es durch unser eigenes Verhalten eher stärken!

Michael Freudenberg
(ich.freumich@gmx.de)

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