NewsVermischtesFachkräftemangel in den Therapieberufen laut Studie größer als angenommen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Fachkräftemangel in den Therapieberufen laut Studie größer als angenommen

Montag, 1. Oktober 2018

/dpa

Idstein – Der Fachkräftemangel bei Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen ist möglicherweise noch größer als angenommen. Das legt eine Studie nahe, welche die Hochschule Fresenius in Idstein jetzt vorgelegt hat. 

Die Bundesagentur für Arbeit gibt für Ende 2017 an, dass offene Stellen für Physiotherapeuten 150 Tage unbesetzt bleiben. Die Forscher der Hochschule Fresenius haben nun ermittelt, dass die durchschnittliche Vakanzzeit für alle Therapieberufe bei 250 Tagen liegt. „Es ist davon auszugehen, dass viele Arbeitgeber freie Stellen für Therapeuten nicht bei der Agentur für Arbeit melden“, erläuterte Sabine Hammer, Dekanin des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften an der Hochschule Fresenius und verantwortliche Leiterin des Studienprojekts. Der akute Fachkräftemangel spiegele sich auch in den Wartezeiten der Patienten wider, die im Schnitt 30 Tage auf einen Behandlungsplatz warten müssten – in der Spitze sogar 50 Tage.

Anzeige

An der Studie nahmen rund 1.800 Therapeuten teil, davon die Hälfte Physio­therapeuten, ein Viertel Ergotherapeuten, ein Fünftel Logopäden und fünf Prozent Podologen. Die der Studie zugrunde liegenden Umfragen wurden online durchgeführt.

Höhere Vergütung bei akademischem Abschluss

Therapeuten mit akademischem Abschluss verdienen laut der Studie brutto rund 250 Euro mehr im Monat als ihre Kollegen ohne einen solchen Abschluss. Seit April 2017 seien die Löhne der angestellten Therapeuten im Durchschnitt um drei bis dreieinhalb Prozent gestiegen, das Einkommen der Selbstständigen und Praxisinhaber um vier bis fünf Prozent. Dennoch leiden laut Hammer 85 Prozent der Therapeuten an einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. „Einsatz und Belohnung stehen für sie in einem Ungleichgewicht“, so die Dekanin. Neben dem Gehalt flössen hier noch weitere Faktoren ein, zum Beispiel die generelle Anerkennung von Beruf und Tätigkeit sowie Entwicklungsmöglichkeiten.

Neben der Akademisierung der Therapieberufe ist laut der Studie vor allem die Berufsautonomie ein Thema der Therapeuten. Lediglich knapp ein Drittel der im Rahmen der Studie Befragten hält eine ärztliche Diagnostik vor dem Therapiebeginn für unbedingt notwendig. Gut 90 Prozent fühlen sich in der Lage, Therapiebeginn, -art und -umfang selbst zu bestimmen und mit einer sogenannten Blankoverordnung zu arbeiten, die aktuell als Modell getestet wird.

Die befragten Therapeuten sind aber zurückhaltend, was ihre Erwartungen angeht: 40 Prozent denken, dass die Blankoverordnung tatsächlich regelhaft eingeführt wird. An den Direktzugang, das heißt den gänzlichen Verzicht auf den Arzt, glaubt rund ein Viertel der Therapeuten. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2020
Mainz − Der rheinland-pfälzische Landtag hat ein für die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung im Land nötiges Gesetz beschlossen. Dafür stimmten gestern die Fraktionen von SPD, CDU, FDP und
Pflegeberufereform passiert Landtag in Rheinland-Pfalz
28. Mai 2020
Schwerin – In vielen Gesundheitsberufen sind die Absolventenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahrzehnt deutlich gesunken. Beendeten etwa 2010 noch 418 Krankenpflegekräfte ihre
Gesundheitsberufe: Weniger Absolventen in Mecklenburg-Vorpommern
22. Mai 2020
Berlin – Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten oder Krankenhäusern, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind, können sich laut Kassenärztlicher
Krankenkassen zahlen zweimalige Masernimpfung bei Praxispersonal
22. Mai 2020
New York/Genf/ Ferney-Voltaire – Auch während der Coronapandemie reißt die Kette von gewaltsamen Angriffen gegen Ärzte, Pflegepersonal und andere Gesundheitsberufe nicht ab. Darauf weisen der
Gewalt gegen Gesundheitspersonal auch in der Coronakrise: Weltärztebund ruft zum Handeln auf
20. Mai 2020
Berlin − Beschäftigte von Charité und den Vivantes-Kliniken fordern vom Berliner Senat weiterhin mehr Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel im Kampf gegen die Coronapandemie. Außerdem gehe es
Beschäftigte an Berliner Kliniken wollen besseren Schutz
19. Mai 2020
Berlin – Fast sieben Prozent aller rund 175.000 in Deutschland erfassten Infektionen sind bei Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen aufgetreten (6,8 Prozent). Dem aktuellen Lagebericht des
Sieben Prozent aller SARS-CoV-2-Infizierten arbeiten in medizinischen Einrichtungen
14. Mai 2020
Schwerin − Mecklenburg-Vorpommern wird einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern gemäß Mitarbeitern in der Altenpflege eine Extrazahlung gewähren. Sie sei froh darüber, dass der Bund sich
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER