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Medizin

CAR-T-Zelltherapie erzeugte Leukämiezellen

Dienstag, 2. Oktober 2018

 Eine von mehreren T-Zellen erkennt eine Krebszelle. /Juan Gaertner stock.adobe.com
Erst nachdem die Tumorzellbindung die CAR-T-Zellen aktiviert hat, werden sie zu zytotoxischen T-Zellen, zerstören die Tumorzellen und beginnen zu proliferieren. /Juan Gaertner stock.adobe.com

Philadelphia – In einer Studie zur CAR-T-Zelltherapie ist es zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Bei einem Patienten wurde neben den gesunden Zellen versehentlich auch eine Leukämiezelle mit dem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet. Dies hatte laut dem Fallbericht in Nature Medicine ein tödliches Rezidiv zur Folge (2018: doi: 10.1038/s41591-018-0201-9).

Die CAR-T-Zelltherapie macht gesunde T-Zellen im Labor fit für den Angriff auf Krebszellen. Nach der Re-Infusion machen die genetisch modifizierten Zellen Jagd nach Tumorzellen, die sie dank des CAR schneller erkennen und effektiver bekämpfen. Doch was passiert, wenn aus Versehen die Tumorzellen mit dem CAR ausgestattet werden?

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Dies ist jetzt offenbar bei einem 20-jährigen Patienten passiert, der im Children's Hospital of Philadelphia behandelt wurde. Das dortige Team um Carl June hatte das neue Therapieverfahren entwickelt. Für die Behandlung werden dem Patienten zunächst per Apherese Abwehrzellen aus dem Blut entnommen. Diese werden dann im Labor mit Hilfe von Viren mit dem Gen für den CAR ausgestattet. Die CAR erkennen Tumorzellen an einem bestimmten Oberflächenmerkmal – bei der B-Zell-Leukämie ist dies der Rezeptor CD19 – und attackieren sie dann. 

Ursachen für das Rezidiv

Die Therapie kann bei mehrfach vorbehandelten Patienten eine Remission erzielen. Auch bei dem Patienten, dessen Fall die Forscher jetzt vorstellen, kam es zunächst zu einem Rückgang der Leukämiezellen. Vorübergehend waren keine CD19-Zellen mehr nachweisbar.

Doch dann vermehrten sich plötzlich CAR-Zellen im Blut. Es kam zu einem Rezidiv, das auf einen Rettungsversuch (Salvage Therapy) mit mehreren Zytostatika und dem Antikörper Moxetumomab nicht mehr ansprach. Der Patient verstarb kurze Zeit später an der Leukämie.

Marco Ruella und Mitarbeiter führen das Rezidiv auf ein Versehen bei der Produktion der CAR-T-Zellen zurück. Unter den aus dem Blut gefischten und im Labor separierten Zellen müsse sich eine Leukämiezelle befunden haben, vermuten sie. Diese wurde dann ebenfalls mit dem CAR ausgerüstet. Eigentlich hätte sie von den anderen CAR-T-Zellen angegriffen werden müssen, da sie wie alle Tumorzellen ein CD19-Antigen trägt. Doch dieses Merkmal ging nach der genetischen Modifikation verloren. Der Grund ist klar. Ruella vermutet jedoch, dass der CAR das CD19-Antigen verdeckt haben könnte. Was auch immer der Grund war, die Krebszellen wurden von den regulären CAR-T-Zellen nicht erkannt. Sie konnten sich im Knochenmark einnisten und andere Zellen verdrängen.

Laut Ruella ist es der erste Zwischenfall dieser Art bei insgesamt 369 weltweit behandelten Patienten. Die Forscher wollen versuchen, weitere Fälle zu vermeiden, indem sie die Zellen vor der Re-Infusion einer genaueren Kontrolle unterziehen.

Über Nebenwirkungen der zytotoxischen CAR-T-Zellen, wie etwa Off-tumor/On-target-Effekte oder Neurotoxizität und Tumorlysesyndrom berichtet das Deutsche Ärzteblatt.

CAR-T-Zelltherapie: Neuland: Wie man „lebende“ Arzneimittel bewertet

Die erste Immuntherapie, die sich genmanipulierter menschlicher T-Zellen bedient, ist nun in Europa verfügbar. Die innovative CAR-T-Zelltherapie stellte eine Herausforderung an die wissenschaftliche Bewertung der klinischen Studiendaten und die Nutzen-Risiko-Bewertung dar. Mit der Zulassung der CAR-T-Zellen Axicabtagene ciloleucel (Yescarta®) und Tisagenlecleucel (Kymriah®) geht die Behandlung von

© rme/aerzteblatt.de

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