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Medizin

HPV: Australien kann Zervixkarzinom bis 2035 als häufige Krebserkrankung „eliminieren“

Donnerstag, 4. Oktober 2018

/Iryna, stockadobecom

Sydney – In Australien, wo das Zervixscreening und die bereits 2007 eingeführte HPV-Impfung fest etabliert sind, könnte die Inzidenz des Zervixkarzinoms bis zum Jahr 2035 auf weniger als 4 Erkrankungen pro 100.000 Frauen sinken, was einer „Eliminierung“ der Krebserkrankung als Public Health-Problem gleichkäme. Dies zeigen Berechnungen der australischen Stiftung Cancer Council NSW, die dieser Tage auf der Fachtagung IPVC 2018 in Sydney vorgestellt und im Lancet (2018; doi: 10.1016/S2468-2667(18)30183-X) vorgestellt werden.

Schon heute hat Australien eine der weltweit niedrigsten Inzidenzen des Zervix­karzinoms. Der Grund ist das 1991 eingeführte intensive Papscreening, das allen erwachsenen Frauen in 2-jährigen Intervallen angeboten wird und zuletzt von mehr als 80 % der Frauen angenommen wurde. Die Inzidenz des Zervixkarzinoms bei Frauen über 25 Jahren ist seit Einführung des Screenings um mehr als die Hälfte gesunken.

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Seit Dezember 2017 wurde das Screening auf den Nachweis von humanen Papilloma­viren (HPV) im Zervixabstrich umgestellt. Der Test wird erstmals im Alter von 25 Jahren durchgeführt und muss danach, sofern keine Viren nachgewiesen werden, nur alle 5 Jahre wiederholt werden. Der Wechsel des Screenings wird nach Einschätzung von Cancer Council NSW die Zahl der Erkrankungen und der Todesfälle um weitere 20 % senken.

Die größte Auswirkung auf die Inzidenz wird jedoch von der Einführung der HPV-Impfung erwartet. Australien war 2007 das erste Land, das allen Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren eine HPV-Impfung anbot. Seit 2013 werden auch Jungen geimpft. Die Akzeptanz war zuletzt mit 78,6 % bei Mädchen und 72,9 % bei Jungen sehr hoch. Der quadrivalente Impfstoff wurde 2018 durch einen nonavalenten Impfstoff ersetzt, der 90 % aller onkogenen Viren erfasst. Dies könnte die Schutzwirkung noch einmal verstärken.

Sofern die heutige Akzeptanz erhalten bliebe, könnte Australien im Jahr 2028, spätestens aber im Jahr 2035 weltweit das erste Land mit weniger als 4 Neuer­krankungen am Zervixkarzinom auf 100.000 Frauen sein. Das Zervixkarzinom würde dann in Australien nicht mehr zu den häufigen Krebserkrankungen gehören. Der Tumor wäre dann als „Public Health“-Problem „eliminiert“, schreiben Michaela Hall und Mitarbeiter vom Cancer Council NSW aus Sydney.

Bis zum Jahr 2066 könnte die Inzidenz weiter auf unter 1 Erkrankung pro 100.000 Frauen fallen. Bis zum Jahr 2100 könnte die Inzidenz weiter auf 0,57 pro 100.000 sinken, das wären dann 91 % weniger als 2006 vor Einführung der Impfung und 96 % weniger als 1990 vor Einführung des Screenings.

Diese Zahlen gelten natürlich nur, wenn die Akzeptanz für das Screening und die Impfung nicht nachlassen. Auch die Zahl der Hysterektomien müsste gleich bleiben, da diese ebenfalls eine Erkrankung verhindern.

Denkbar ist, dass die Impfung die Frauen dazu verführt, sich nicht mehr am Screening zu beteiligen. In diesem Szenario würde die Inzidenz im Jahr 2100 nur auf 2,31 pro 100.000 Frauen sinken, was aber weiter unterhalb der Schwelle eines „Public Health“-Problems läge.

Frauen des Geburtsjahrgangs 2006, dem ersten, dem der nonavalente Impfstoff angeboten wird, haben nach den Berechnungen von Hall ein Lebenszeitrisiko von 0,07 %, an einem Zervixkarzinom zu erkranken, und ein Lebenszeitrisiko von 0,02 %, daran zu sterben. © rme/aerzteblatt.de

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