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Politik

Mehr Geld für Arznei- und Heilmittel

Freitag, 5. Oktober 2018

/Schlierner, stockadobecom

Berlin – Das Ausgabenvolumen für Arzneimittel steigt im kommenden Jahr um 3,7 Prozent. Das ist das Ergebnis der bundesweiten Rahmenvorgaben, auf die sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband verständigt haben.

Grund für die Steigerung sind vor allem Ausgaben für neue Arzneimittel, die beispielsweise in der Krebstherapie eingesetzt werden, wie die KBV mitteilte. Im Vergleich zu früher erfolge gerade die Behandlung von onkologischen Patienten vermehrt ambulant, was zu höheren Arzneimittelausgaben in den Praxen führe. Kostensteigernd wirke sich auch die Verordnungsfähigkeit von Cannabis aus.

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„Mit der Erhöhung des Ausgabenvolumens ist eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, dass Patienten mit neuen Therapieoptionen, wie sie sich insbesondere in der Onkologie zeigen, sinnvoll versorgt werden können“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Stephan Hofmeister. Gerade für schwer Kranke sei es wichtig, dass sie von Innovationen profitieren könnten.

Die Rahmenvorgaben bilden die Basis für die regionalen Verhandlungen zu den Ausgabenvolumina, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit den Krankenkassen vor Ort führen. Neben den auf Bundesebene unter anderem vereinbarten Anpassungsfaktoren wie Preisentwicklung und Einsatz innovativer Arzneimittel werden bei den Verhandlungen auf der regionalen Ebene weitere Faktoren wie Alter und Anzahl der Versicherten berücksichtigt.

Auch bei den Heilmitteln gehen KBV und GKV-Spitzenverband im kommenden Jahr von höheren Ausgaben aus. Die vereinbarte Steigerung beträgt gegenüber dem laufenden Jahr 0,8 Prozentpunkte, die in erster Linie auf Verlagerungen zwischen den Leistungsbereichen zurückzuführen sind.

Die Vertragspartner gehen nach wie vor davon aus, dass die Modellvorhaben zur sogenannten Blankoverordnung zu Mehrausgaben führen werden. Diese wurden 2017 mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz eingeführt. Die Bewertung für 2019 soll aber durch die regionalen Verhandlungspartner erfolgen.

Wie im Arzneimittelbereich gilt im Heilmittelbereich, dass zusätzliche Faktoren regional zwischen den KVen und den Krankenkassen verhandelt werden. Hierzu zählen insbesondere die Entwicklung der Zahl und Altersstruktur der Versicherten sowie die Veränderung der Heilmittelpreise. © EB/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 8. Oktober 2018, 09:11

Sozialgerichtsbarkeit - ein "Regler", der weltweit einzigartig ist

Die Exportnation Deutschland schafft es allerdings nicht, solche Produkte "Mad in Germany" weltweit geschweige denn EU-intern zu "vermarkten" ... waoran liegt das?
Existiert kein Markt für Planwirtschaft?
Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 7. Oktober 2018, 22:21

Lieber Kollege fjmvw

Im SGB V, wo diese Dinge geregel, werden. kommen Begriffe wie "Morbidität" oder "Demografie" gar nicht vor. Zumindest nicht, wenn es um Arzthonorare und Arzneiausgaben geht. Morbidität betrifft nur den Finanzausgeich der Kassen untereinander. Die Krankenkassen schwimmen so sehr im Geld, dass sie über 1000 Mio EUR für Unfug wie Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie und Beitragsrückerstattungen ausgeben können.
Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 6. Oktober 2018, 15:30

KBV unterstützt Arzneimittelregress!

Oder wie sonst ist die Info der KBV zu verstehen, dass man sich mit dem GKV-Spitzenverband auf Rahmenvorgaben geeinigt hat? Denn eine Rahmenvorgabe ist nichts anderes als ein Budget. Und wenn jemand ein Budget vereinbart, dann schafft er damit die notwenige Voraussetzung für Regresse. Ohne Budget gibt es keine Budgetüberschreitung und ohne Budgetüberschreitung gibt es keinen Regress.

So einfach ist es.

Im Übrigen sollte jeder Arzt bitte der KBV mit allerhöchstem Respekt begegnen. Denn die KBV kann Dinge, die der Arzt nicht kann. Würde man die KBV mit 1 Mio in ein Spielkasino schicken, sie käme mit 100 Mio wieder zurück. Denn die KBV kann die Zukunft vorhersagen! Denn nur wenn man die Zukunft vorhersagen kann, kann man auch Vereinbarungen für ein Ausgabenvolumen der Zukungt verbindlich unterschreiben.

Als Volkswirt hätte man sich zur Höhe der Ausgaben des nächsten Jahres gefragt, wovon die denn abhängen können. Da wäre man u. a. zu folgenden Punkten gekommen. Die Ausgaben hängen ab von
- der Preispolitik der Hersteller
- Morbidität der Patienten
- von der Anzahl der Patienten (mehr Migration steht für mehr Patienten)
- den neu auf den Markt kommenden Pharmaprodukte
- der Anspruchshaltung der Patienten, die von Politikern rund um die Uhr befeuert wird
- den Möglichkeiten der Diagnostik
- ...

Verfüge ich über gesicherte Informationen, wie sich die o. g. Parameter entwickeln werden?
Die Preispolitik der Hersteller - die kennen nur die Hersteller und die teilen es nicht einmal dem Wettbewerber mit, wie sie ihre Preise gestalten.
Morbidität der Patienten - nun ja, irgendwie wird die Bevölkerung älter, es gibt mehr und bessere Behandlungsmethoden und auch Medikamente. Also irgendwie wird die Morbidität zunehmen. Aber um wie viel genau?
Anzahl der Patienten - das wird ganz schwierig. Gesundheitspolitiker und Presse versorgen die Patienten rund um die Uhr mit Informationen, welchen Anspruch die Patienten gegenüber dem Gesundheitssystem haben. Man möge sich doch Zweitmeinungen einholen, bevor man sich operieren lässt. Zusätzlich erzwingt die Politik mit dem TSVG ein Patientenhopping, weil Praxen 20% ihrer Stamm-Patienten vor die Tür setzen müssen um Platz für die Patienten der offenen Sprechstunde zu machen. Nicht zu vergessen, sollte sich die humanitäre Situation in Schwarzafrika weiter verschlechtern werden wir mehr Migranten in Deutschland haben.
Neue Pharmaprodukte - gibt es bestimmt. Ob dabei ein Blockbuster ist, der ganz alleine für einen Umsatz von zusätzlich mehreren hundert Millionen Euro sorgt, sagt die Pharmaindustrie bestimmt nicht schon Jahre vorher.
Anspruchshaltung der Patienten - jede kleinste Befindlichkeitsstörung muss von einem Arzt begutachtet werden. Und ein Arztbesuch ohne Rezept, das zählt nicht. Also gleich den nächsten Arzt zur selben Sache aufgesucht und irgendeiner gibt mir dann schon ein Rezept, weil er die Nase von solchen Patienten gestrichen voll hat und Rezept ausstellen weniger Ressourcen als ein ernsthaftes Gespräch verbraucht.
Möglichkeiten der Diagnostik - ein Beispiel dafür ist die apple watch. Es wird zu vermehrten Arztbesuchen auf Grund der diagnostischen Möglichkeiten und der so erfassten Daten kommen. Es werden zusätzlich Patienten in die Praxis kommen, die früher entweder nie oder viel später in die Praxen geströmt werden. Mehr Patienten, das bedeutet auch Zunahme an Verordnungen. Denn es gibt nicht nur die Über- sondern auch eine Unterversorgung. Patienten, die ohne die apple watch nie zum Hausarzt gegangen werden und wo der Arzt sagt "und da kommen sie erst jetzt", werden nicht die Regel sein. Aber es wird auch solche Patienten geben.

Als Volkswirt hätte ich am Ende eine Prognose abgegeben, die mit den Worten "unter der Voraussetzung, dass erstens, zweiten, ....n-tens eintreten werden, wird das Ausgabenvolumen um x Prozent steigen". Da die genannten Voraussetzungen sicherlich nicht eingehalten werden, ist die Prognose hinfällig. Mit anderen Worten: Man kann die Entwicklung nicht präzise prognostizieren.

Nur die KBV, die kann so etwas. Die KBV ist sich sogar so sicher, dass sie für die Ärzteschaft Regresse vereinbart, sollte das prognostizierte Ausgabenvolumen überschritten werden.
Für die Kassen ist der Deal gut. Denn die Kasse kann mit der Vereinbarung bestens planen. Trifft die Prognose ein, alles paletti. Denn so haben die Kassen ja kalkuliert. Wird weniger verordnet, super. Dann haben die Kassen unerwartet weniger ausgegeben als geplant. Wird mehr als prognostiziert verordnet, auch kein Problem für die Kassen. Denn jeden Euro, der mehr als vereinbart ausgegeben wird, holen sich die Kassen über die Regresse bei den Ärzten wieder.

Es mag Ärzte geben, die das gut finden. Entsprechende Ärzte findet man bei der KV, bei der KBV, in den Funktionärsriegen der Berufsverbände, beim MDK, bei den Kassen, beim öffentlichen Gesundheitsdienst, bei den Laborärzten, bei den Pathologen, bei den Radiologen, .... bei all den Ärzten, die selbst nichts verordnen also.

Für alle anderen ist eine solche Vereinbarung ein Schlag ins Gesicht.
LNS

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