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Medizin

Warum es beim Blinzeln nicht dunkel wird

Freitag, 5. Oktober 2018

Der mittlere präfrontale Kortex sorgt für ein stabiles Bild beim Blinzeln. /dpa

Göttingen – Ein Gehirngebiet, das für das Wahrnehmungsgedächtnis eine entschei­dende Rolle spielt, haben Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums und der Universitätsmedizin Göttingen identifiziert. Sie beschreiben ihre Arbeit in Current Biology (doi: 10.1016/j.cub.2018.07.066).

Ausgangspunkt der Forschung war die Überlegung, dass Menschen rund alle 5 Sekunden blinzeln, um die Augen zu befeuchten. In dieser Zeit fällt kein Licht auf die Netzhaut, trotzdem sehen Menschen weiterhin ein stabiles Bild der Umwelt. Das Gehirn scheint eine Art Gedächtnis für das gerade Gesehene zu haben. Die Neurowissenschaftler um Caspar Schwiedrzik hatten eine bestimmte Hirnregion, den mittleren präfrontalen Kortex, der vor allem für das Kurzzeitgedächtnis und die Entscheidungsfindung zuständig ist, in Verdacht, hier eine wichtige Rolle zu spielen. 

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Der mittlere präfrontale Kortex sorgt für ein stabiles Bild beim Blinzeln

An der Universität von New York untersuchten Wissenschaftler Epilepsie-Patienten, die zur Behandlung ihrer Krankheit vorübergehend Elektroden ins Gehirn implantiert bekommen hatten, diese Gehirnregion. Die Probanden sahen dazu auf einem Bildschirm ein Punkte­gitter und sollten angeben, in welcher Orientierung sie die dargestellten Punkte wahrnehmen, zum Beispiel horizontal oder vertikal.

Dann wurde ihnen ein zweites Punktegitter gezeigt und sie sollten wieder angeben, in welcher Orientierung sie die Punkte wahrnehmen. War es beides Mal die selbe Orientierung, so wurde dies als Hinweis darauf gewertet, dass die Probanden die Information aus dem ersten Durchgang genutzt haben, um auf den zweiten Durchgang zu schließen.

Während die Versuchspersonen die Aufgabe durchführten, wurde die Aktivität ihrer Nervenzellen im präfrontalen Kortex gemessen. Bei einer Patientin war diese Gehirnregion aufgrund ihrer Krankheit teilweise entfernt worden, sie konnte von der vorherigen Information nicht auf die aktuelle Aufgabe schließen, bei ihr gab es den Gedächtniseffekt also nicht.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass der mittlere präfrontale Kortex aktuelle Sehinformationen mit zuvor gewonnenen Informationen abgleicht und somit dazu beiträgt, dass wir die Welt stabil wahrnehmen, auch wenn wir die Augen beispiels­weise beim Blinzeln kurz schließen“, erläutert Schwiedrzik, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum und an der Universitätsmedizin Göttingen. Dies gelte aber nicht nur für das Blinzeln, sondern auch für höhere kognitive Leistungen. „Auch wenn wir einen Gesichtsausdruck sehen, beeinflusst diese Information die Wahrnehmung des nächsten Gesichtes, das wir anschauen“, so Schwiedrzik.

© hil/idw/aerzteblatt.de

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