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Ärzteschaft

Forschungsprojekt nimmt Rolle der Ärzteschaft im NS-Regime unter die Lupe

Freitag, 5. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin hat ein Pilotprojekt gestartet, um die Geschichte der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD) im Nationalsozialismus zu erforschen. Finanziert wird das Forschungsprojekt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die die Rechtsnachfolgerin der KVD ist. Neben der Finanzierung des Projektes ermöglicht die KBV auch erstmals Wissenschaftlern einen Zugang zum Aktenbestand der KVD, der sich heute im KBV-Besitz befindet.

„Mit dem Projekt wollen wir die Vergangenheit unserer Vorgängerorganisation mit wissenschaftlicher Expertise systematisch aufarbeiten. Denn genau darum geht es: Sich der historischen Verantwortung zu stellen, die bis heute und für alle Zeit aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes erwächst“, sagte KVB-Vorstands­vorsitzender Andreas Gassen. Jüdische Ärzte seien damals die Opfer gewesen, aber Ärzte auch Täter, die sich gegenüber ihren Kollegen sowie anderen Menschen schuldig gemacht hätten. „Das ist nicht nur ein ‚Teil‘ unserer Geschichte, sondern es ist eine Wunde, die niemals heilt“, so Gassen.

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Die KVD war ein Zusammenschluss der 1932 vom Verband der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund) gebildeten regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen, welche die Sicherstellung der ambulanten Versorgung gewährten und die medizinischen Leistungen zwischen Kassenärzten und Krankenkassen abrechneten.

Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 stand die KVD unter der Aufsicht des Reichsarbeitsministers, führte das Reichsarztregister und regelte die Kassenzulassungen, wodurch es möglich war, sowohl politisch oppositionellen als auch jüdischen Kassenärzten die Zulassung zu entziehen. Mit der Entrechtung der größtenteils hoch qualifizierten Mediziner verstieß die KVD nicht nur gegen das ethische Gebot der Kollegialität, sondern gefährdete damit auch die Gewährleistung einer ausreichenden ärztlichen Versorgung der Versicherten.

„Wir rechnen damit, auf Basis bisher unzugänglicher Quellen in erheblichem Maße neue Erkenntnisse über die Rolle der Ärzteschaft im Nationalsozialismus zu erlangen, etwa was die Formulierung von rassistischen und antisemitischen Kategorien auf pseudowissenschaftlicher Grundlage angeht – oder die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigung beim Berufsausschluss jüdischer Kolleginnen und Kollegen“, sagte Projektleiter Samuel Salzborn. © hil/sb/aerzteblatt.de

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