NewsMedizinNahrungsergänzung mit Vitamin D hilft nicht gegen Osteoporose
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nahrungsergänzung mit Vitamin D hilft nicht gegen Osteoporose

Montag, 8. Oktober 2018

/dpa

Auckland – Die Nahrungsergänzung mit Vitamin D verhindert keine Frakturen oder Stürze, und sie verbessert auch die Knochenmineraldichte bei Erwachsenen nicht. Das berichten Wissenschaftler um Mark Bolland von der University of Auckland, Neusee­land, nach einer Metaanalyse mit Daten aus 81 randomisierten kontrollierten Studien.

Sie fanden keine Unterschiede in der Wirkung von höheren und niedrigeren Dosen von Vitamin D. Die Forscher haben ihre Auswertung in der Zeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30265-1).

Anzeige

Evidenzbasis verdoppelt

Vitamin-D-Ergänzungen werden seit Langem älteren Menschen zur Behandlung oder Vorbeugung von Osteoporose empfohlen. „Seit der letzten großen Überprüfung der Evidenz im Jahr 2014 wurden mehr als 30 randomisierte kontrollierte Studien zu Vitamin D und Knochengesundheit veröffentlicht, was die verfügbare Evidenzbasis fast verdoppelt hat. Unsere Metaanalyse zeigt, dass Vitamin D Frakturen, Stürze nicht verhindert, egal ob bei hoher oder niedriger Dosis“, so Bolland.

Er kommt daher zu dem Schluss, „dass es wenig Gründe gibt, Vitamin-D-Präparate zur Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit des Bewegungsapparates zu verwenden“. Eine Ausnahme gelte für die Prävention seltener Erkrankungen wie Rachitis und Osteomalazie in Hochrisikogruppen. 

Sturzdaten unterschiedlich erhoben

Die Autoren stellen fest, dass die Daten für Stürze in verschiedenen Studien unter­schiedlich erhoben wurden, was sich auf die Studienergebnisse auswirken könnte. Sie merken zum Beispiel an, dass kleinere Studien mit kürzerer Dauer tendenziell eine stärkere Wirkung von Vitamin D fanden als größere Studien mit längerer Dauer. 

In Analysen zur Knochendichte gab es laut der Arbeit kleine Unterschiede für die Lendenwirbelsäule, den Oberschenkelhals und den gesamten Körper, aber keine davon war laut den Autoren klinisch relevant. Darüber hinaus führten die Autoren mehr als 60 Untergruppenanalysen durch, um ihre Ergebnisse zu überprüfen.

Die Wissenschaftler fordern nun, klinische Richtlinien, die weiterhin eine Vitamin-D-Supplementierung für die Knochengesundheit empfehlen, zu ändern, „um die besten verfügbaren Erkenntnisse widerzuspiegeln“.

Vitamin D kein Allheilmittel

„Viele Patienten (und Ärzte) wurden von verschiedenen Studien und sozialen Medien überzeugt, dass Vitamin D ein Allheilmittel ist. Dieses Denken erinnert an den Eifer, der vor Jahren den weit verbreiteten Einsatz von Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E unterstützte“, schreibt Chris Gallagher vom Creighton University Medical Centre, Omaha, USA, in einem Kommentar zu der Metaanalyse in der gleichen Zeitschrift (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30269-9).

Zwar gebe es weiterhin offene Fragen „und schon jetzt kann ich die glühenden Unterstützer hören – was ist mit den extra-skelettalen Vorteilen von Vitamin D?“, schreibt Gallagher. Er weist darauf hin, dass es derzeit etwa 100.000 Teilnehmer gebe, die an randomisierten, placebokontrollierten Studien zur Vitamin-D-Ergänzung teilnähmen. „Ich freue mich auf diese Studien, die uns das letzte Wort über Vitamin D geben werden“, so der Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #755495
kapka
am Sonntag, 20. Januar 2019, 03:53

Rest von Verstand?

Haben diese Forscher noch einen Rest von Verstand? Eine Studie zu Vit. D OHNE K2 und Ca (und Mg)? Da kann man mal sehen, wie weit es in der Wissenschaft gekommen ist..
Avatar #753742
VitaminDjed
am Mittwoch, 10. Oktober 2018, 19:47

Metabolismus-Wissenslücken

Viele Studien sind zu isoliert ausgelegt, wenn ein Nährstoff in seiner Wirkung zu studieren. Nährstoffe wirken im Verbund mit anderen Nährstoffen besser, was man Synagie-Effekte nennt. Vitamin D hat einige Kofaktoren, die wichtig sind. Verabreicht man Vitamin D isoliert, kann dieses Hormon sein Wirkung nicht voll entfalten.

Wie schon Ferdinand Wolfbeißer richtig erkannt hat, ist Vitamin K, insbesonders Vitamin K2 wichtig, um das vermehrt durch Vitamin D im Dünndarm aufgenommene Calzium nicht in den Weichteilen des Körpers zu belassen, sondern in die Knochen einzulagern. Magnesium ist auch sehr wichtig um Calcitriol in den Nieren zu erzeugen aus Vitamin D. Über 2.000 Zellrezeptoren können Calcitriol andocken und positiv verwerten.

Auch werden in größerer Geschwindigkeit Osteoblasten und Osteoklasten aktiviert, was den Knochenstoffwechsel beschleunigt. Schöm und gut, doch da liegt wohl der Hase begraben bei dieser Metastudie: ohne das andere "Baumaterial" kein vernüftiger Knochenaufbau.

Diese Metastudie kann man treffend wie folgt beschreiben: bei einem Bauprojekt wird durch mehr Personal schneller gearbeitet (Vitamin D), jedoch wird versäumt, Material nachzuliefern. Nun sagt die Metastudie: Vitamin D (Personal) funktioniert nicht, der Bau wird nicht fertig (Knochenaufbau) ohne Material (was die Metastudie nicht hergibt?)

Ich nehme täglich Vitamin D3, K2, Magenium und vieles andere extra und habe viele Krankheiten bei mir vernichtet, das ist Realität, kann ch gerne belegen lassen! Auch der Hinweis der Initiatoren auf Social Medien sollte nicht unterschätzt werden, es ist nicht alles Fake, was dort geschrieben wird.

In diesem Sinne
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 8. Oktober 2018, 19:32

Falsches Studiendesing

Ich bin etwas erstaunt über den Inhalt dieses Artikels. Keine Rede vom Vitamin K. In vielen Publikationen wird darauf hingewiesen, dass Vitamin D nicht allein ergänzt werden dürfe. Es gibt sogar schon Produkte, die beide Vitamine erhalten. Unlängst habe ich gelesen, dass auch Bor für die Knochengesundheit erforderlich sei.
LNS

Nachrichten zum Thema

11. Juni 2019
Boston – Wegen der fehlenden Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln kommt es in den USA immer wieder zu schweren Zwischenfällen. Betroffen sind laut einer Studie im Journal of Adolescent Health
US-Studie: Nahrungsergänzungsmittel schaden Jugendlichen
30. Mai 2019
Oslo – Eine Zufuhr der Vitamine B6 und B12 weit über den Bedarf hinaus hat bei den postmenopausalen Teilnehmerinnen der Nurses' Health Study das Risiko auf eine Hüftfraktur erhöht, wie eine Auswertung
Studie: Vitamine B6 und B12 über Bedarf erhöhen Risiko auf Hüftfrakturen nach der Menopause
17. April 2019
Vancouver – Ein absoluter Mangel an Vitamin D ist eigentlich nicht mit dem Leben vereinbar. Bei einer 58-jährigen Frau mit Spondylitis ankylosans lag die Vitamin-D-Konzentration jedoch über viele
Frau lebt seit Jahrzehnten ohne (nachweisbares) Vitamin D im Blut
10. April 2019
Boston/Tokio – Kann Vitamin D ein Krebswachstum verlangsamen? Nachdem in den letzten Jahrzehnten andere Vitamine und Spurenelemente reihenweise in klinischen Studien enttäuscht haben, ruhen die
Vitamin D könnte vielleicht gegen Darmkrebs wirksam sein
4. April 2019
Frankfurt am Main – Der Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln aus Apotheken ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr gestiegen und erreichte 2018 einen Wert von 2,1
Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst jährlich um sechs Prozent
21. März 2019
Göttingen – Ärzte sollten bei Patienten mit einer längerfristigen Glukokortikoid-Therapie stets an das Risiko einer sekundären Osteoporose denken und eine entsprechende Prävention vorsehen. Das rät
Endokrinologen raten bei Glukokortikoidtherapie zur Osteoporoseprävention
28. Februar 2019
Davis – Pränatale Multivitaminpräparate im ersten Monat der Schwangerschaft könnten von Vorteil sein. Denn Kinder von Müttern, die in diesem Zeitraum keine Vitamine eingenommen haben, erhielten später
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER