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Hypogonadismus: Testosteron-Injek­tionen helfen bei Erektionsstörungen

Donnerstag, 18. Oktober 2018

/pictoores, stock.adobe.com

Bremerhaven – Bei hypogonadalen Männern mit Erektionsstörungen kann eine Behandlung mit Testosteron die erektile Funktion verbessern. Das zeigen die 10-Jahresdaten einer Registerstudie, die beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vorgestellt wurden (Abstract V17.8).

Bei unbehandelten hypogonadalen Männern kam es hingegen zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der erektilen Funktion. Ahmad Haider und Karim Sultan Haider von der Urologischen Praxis in Bremerhaven hatten die Daten von 478 Männern mit einer mittel- bis hochgradigen erektilen Dysfunktion mit einem IIEF-EF Score <22 Punkte (International Index of Erectile Function) ausgewertet. Die Studie wurde vom Hersteller (Bayer AG) mitfinanziert.

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Nach einer Beratung entschied sich etwa die Hälfte für die Testosteron-Injektion, die anfänglich im 6-Wochen-Intervall erfolgt, später alle 3 Monate. Sowohl in der Interventionsgruppe, als auch in der Kontrollgruppe, die keine Testosteron-Injektionen erhielt, nahmen 20 bis 25 % der Patienten zusätzlich PDE5-Inhibitoren (z. B. Viagra, Levitra, Cialis oder entsprechende Generika).

In der Testosteron-Gruppe stieg der IIEF-EF von 15,2±3,7 auf 25,7±2,2 nach 10 Jahren (p<0,0001) um 11,5 Punkte. In der Kontrollgruppe verschlechterte sich der IIEF-EF von 18,2±2,6 auf 9,6±1,8 (p<0,0001) um 9,8 Punkte – dabei handelt es sich um nicht adjustierte Werte. Die nach Alter, Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck, Glukose und Lipiden adjustierte Differenz zwischen den Gruppen geben die Forscher mit 19,7 (p<0,0001) an. Nicht berücksichtigt wurde dabei Diabetes Typ 2, worunter die Männer der Kontrollgruppe deutlich häufiger litten (48% versus 35%). Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

DGE kritisiert methodische Mängel

Auch die europäischen Leitlinien plädieren für eine Testosteronsubstitution bei Männern mit einem nachgewiesenen Hypogonadismus. Die Daten der Registerstudie überzeugen den Endokrinologen Martin Reincke dennoch nicht: „Die Studie weist gravierende methodologische Mängel auf. Beispielsweise war das Patientenkollektiv inhomogen, neben Late-onset Hypogonadismus Patienten nahmen auch solche mit primären Hypogonadismus und chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ung teil.“ Als weitere Kritikpunkte nennt er das nicht-randomisierte Studiendesign, das Fehlen von Angaben über Drop-outs, und das Fehlen von Informationen, warum sich die Studienteilnehmer gegen oder für eine Testosterongabe entschieden.

Zudem zweifelt der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) an den Ergebnissen, da das zugrundeliegende Register in der Vergangenheit von einem Testosteronhersteller gesponsert wurde, dies aber in der vorliegenden Publikation nicht angegeben wird. „Vor diesem Hintergrund sind keine Schlussfolgerungen aus den Studiendaten hinsichtlich der Fragestellung möglich“, so der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV, Klinikum der Universität München.

Injektion versus orale Testosteroneinnahme

Schon Anfang 2018 hatten die Urologen aus Bremerhaven Langzeitdaten im Journal of Urology mit mehr als 600 hypogonadalen Männern publiziert, in denen die hier analysierte Subgruppe größtenteils enthalten war (2018; doi: 10.1016/j.juro.2017.07.039). Nach bis zu 10 Jahren konnten die Forscher in der Testosterongruppe eine Verbesserung des I-PSS (International Prostate Symptome Score), des Blasenvolumens nach der Entleerung und des IIEF-EF Scores beobachten.

Die Injektion ist laut Studienautoren im Vorteil gegenüber der oralen Testosteroneinnahme. „Das liegt daran, dass Testosteron über den Magen-Darmtrakt nur ungenügend resorbiert wird und nur ein sehr geringer Anteil in der allgemeinen Zirkulation ankommt“, erklärt A. Haider. Den direkten Vergleich hat bisher aber nur eine Studie untersucht (Journal of Endocrinol Investigation 2010).

Die jährlichen Medikamentenkosten betragen etwa 560 Euro. „Die Kasse übernimmt prinzipiell die Kosten, wenn ein Hypogonadismus nachweisbar ist, das heißt wenn Testosteronwerte gemessen worden sind, die unterhalb des Normalbereiches liegen“, sagt Farid Saad von der Bayer AG. Zusätzlich sei es sinnvoll, auch die Symptomatik zu dokumentieren.

© gie/aerzteblatt.de

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