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Politik

Verbände kritisieren Unter- und Fehlversorgung psychischer Erkrankungen

Dienstag, 9. Oktober 2018

/dpa

Köln/Berlin/Wiesbaden – Bei der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt es eine Reihe von Defiziten. Darauf haben Fachgesellschaften, Krankenkassen und Psychotherapeuten anlässlich des Welttags der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober aufmerksam gemacht.

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) zufolge erhalten circa 50 Prozent aller Betroffenen keinerlei fachliche Behandlung. Psychisch Kranke seien gegenüber körperlich Erkrankten generell immer noch deutlich benachteiligt, sagte der DGSP-Experte Hans Joachim Salize, Leiter der Arbeitsgruppe Versorgungsforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

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„Wenn es beispielsweise in ländlichen Regionen keine erreichbaren psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch erkrankte Menschen gibt, sind diese ganz anders auf sich allein gestellt als Menschen in größeren Städten, die teilweise eine Vielzahl von Versorgungsangeboten in der Nähe haben“, ergänzte DGSP-Geschäftsführer Richard Suhre.

Auf die auch volkswirtschaftliche Belastung durch psychische Erkrankungen weisen die Betriebskrankenkassen (BKK) hin. Von den 17,7 Arbeitsunfähigkeitstagen, die beschäftigte BKK Mitglieder 2017 im Durchschnitt krankheitsbedingt nicht arbeiten konnten, gingen 2,8 Tage auf das Konto der psychischen Störungen. Damit ist diese Krankheitsart mit einem Anteil von 15,6 Prozent an allen Fehltagen bei BKK-Versicherten die zweitwichtigste Ursache nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 24,7 Prozent.

Den zu häufigen Einsatz von Pharmako- und zu wenig Psychotherapie bei der Betreuung von Menschen mit Depressionen bemängelt die Psychotherapeutenkammer Hessen. „Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen und bekommen keine langfristig wirksame Therapie, sondern lediglich Psychopharmaka verschrieben“, kritisiert die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, Heike Winter. Nach ihrer Überzeugung sollte diese Entwicklung gestoppt und nicht durch eine „gestufte und gesteuerte Versorgung“ über Hausärzte und Allgemeinmediziner weiter beschleunigt werden.

Für die Patienten sei vielmehr eine engere Zusammenarbeit von Hausärzten und Psychotherapeuten wichtig, damit die Behandlung von Depressionen künftig nicht mehr durch Medikamente dominiert werde, sondern leitliniengerecht erfolge. Für ein optimales Behandlungsergebnis bei psychischen und psychosomatischen Störungen sei deshalb wichtig, möglichst früh einen Psychotherapeuten oder einen Facharzt für Psychotherapie hinzuzuziehen, so die Psychotherapeutenkammer.

© hil/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 10. Oktober 2018, 18:31

Zu viel Humanistisches Denken bei der Psychotherapeutenkammer

Gemäß den Ansichten verschiedener Psychotherapeutenkammer in Deutschland gibt es hierzulande zu viel Medikation und zu wenig Psychotherapie . Bei aller berechtigter Kritik an der Sekundenmedizin und dem schnellen Abspeisen von "quengelnden" Patienten mit Antidepressiva darf man doch hier den Finger auch in die Wunde der Psychotherapie legen. Wieviel Schindluder und manipulatives , den Patienten schädigendes Geschwätz in Deutschland durch Psychotherapueten bisher betrieben wurde und betrieben wird ? wohl in gigantischem Ausmaß... Wie sonst erklärt es sich, dass eine im Wesentlichen medizinhistorische , in ihrer Wirksamkeit nicht belegte Psychotherapieform immer noch massenhaft angewendet und beworben wird, nämlich die Psychoanalyse ! Ödipuskomplex, Phallusangst und diverser sonstiger heute esoterisch anmutender Unsinn hält sich immer noch und wird von entsprechenden zugelassenen Therapeuten als das Nirvana und als anderen Therapiemethoden , eben auch Antidepressiva, überlegen behandlungsmethode gepriesen - wider jeglicher wissenschaftlicher Evidenz !

Was die Fehlversorgung psychischer Erkrankungen im Verlauf der modernen Geschichte der Psychiatrie angeht, dazu hier:

Prof. Arno Deister (Präsident der DGPPN und damit ein absolutes Schwergewicht) als Co-Autor http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Ergebnis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Psychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechenden Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebenfalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.

Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd
das Ergebnis war für viele Leute in der ADHS-Community nicht mal überraschend, von selbst betroffenen Fachleuten wird seit über 30 Jahren auf die extrem hohe Dichte an verkapptem ADHS in der Psychiatrie hingewiesen , und wenn dann mehr und mehr prominente Fälle von ADHS wie “Naddel” , Hirschhausen https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/eckart-von-hirschhausen/eckart-von-hirschhausen–humor-ist–wenn-man-spaeter-kommt-3808736.html und viele bisher nicht öffentliche Fälle (einer macht gerade Schlagzeilen mit seiner Privatinsolvenz) an die Oberfläche treten, dann lässt das erahnen, dass da quantitativ noch viel mehr sein muss. 10% in Deutschland bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 (die betroffenen PatientINNEN kommen dann zum Psychiater wegen Depression, Angststörungen, Borderline, Essstörungen usw. nach dem zugrunde liegenden ADHS , das hat der Psychiater meist nicht auf dem Schirm) https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs
https://www.youtube.com/watch?v=HJ8BBUiwjVc
und die leichtgradigen Fälle miteinbezogen bei einer Persistenz einer zumindest Restsymptomatik von quasi 100% an der Gesamtbevölkerung , das ist auch ein “Markt” , den auch seit einiger Zeit der Journalismus entdeckt hat.



http://news.doccheck.com/de/198021/adhs-bleibt-selten-allein/

Borderline oder BPS kann sehr oft als Komorbidität bei ADHS vorliegen. Wie sehr kausal ADHS für Borderline oder BPS im jeweiligen Fall ist, oder ob da überwiegend andere Faktoren (Gewalterfahrungen, Missbrauch, andere reine Sozialisations-Faktoren) eine Rolle spielen, da muss man wohl auf den jeweiligen Einzelfall schauen. Aber natürlich hat nur ein Teil der Bordis zusätzlich ADHS.



https://web4health.info/de/answers/adhd-borderline.htm

“Zwischenzeitlich haben weitere Forschungsgruppen einen Zusammenhang zwischen einer ADHS-Konstitution und der Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus untersucht. So stellte Prof. Bohus (ZI Mannheim) fest, dass etwa 50 Prozent der Betroffenen rückblickend ein manifestes Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (mit oder ohne Hyperaktivität) in der Kindheit berichten. “



Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS
An die lieben Psychotherapeuten : Es sind eben nicht immer nur die biographischen Faktoren , sondern es ist eben oftmals tatsächlich AUCH die Biologie , die bei psychischen Erkrankungen eine Rolle spielt ... da hilft dann BlaBla mit Psychotherapeut Dr. Schlaumeier oftmals auch nur eingeschränkt ... wie lautet doch ein treffender Satz: "Your analyst will cure you until you really feel inferior."
LNS

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