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Medizin

WHO empfiehlt erstmals Richtwerte für Windturbinen und Freizeitlärm

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Onshore-Windpark in Nordfriesland, Schleswig-Holstein /dpa
Onshore-Windpark in Nordfriesland, Schleswig-Holstein /dpa

Genf – Windturbinen machen Lärm, und der sollte nach einer neuen Richtlinie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) durchschnittlich 45 Dezibel tagsüber nicht überschreiten. „Lärm von Windenergieanlagen oberhalb dieses Wertes ist mit schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen verbunden“, heißt es in dem Bericht, der kritische Auswirkungen auf kardiovaskuläre Krankheiten, Schlaf- und kognitive Störungen sowie Hörverlust, Tinnitus, Schäden bei der Geburt, Lebensqualität und metabolische Beeinträchtigungen untersucht hatte.

Im Gegensatz zu den Dezibel-Empfehlungen für Straßen-, Schienen- und Flugverkehr werden die Empfehlungen für Windturbinen jedoch nicht als stark, sondern nur als bedingt empfohlen eingestuft. Denn Evidenz aus Studien liegt für gesundheitliche Schäden bisher nicht vor. Einzig für Schlafstörungen konnte die WHO 6 Studien auswerten, die jedoch kein einheitliches Ergebnis brachten. Den Grenzwert von 45 Dezibel leitet die WHO vor allem aus 4 Studien ab, in denen die Bevölkerung Windturbinen als Störfaktoren oder Ärgernis bewertet hat (Bericht Seite 77). Für die nächtliche Höchstbelastung durch Windparks spricht die WHO keine Empfehlung aus. Dafür gebe es noch nicht genügend aussagefähige Studien.

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Dezibel-Vergleich

  • Flüstern hat etwa 30 Dezibel (db),
  • leise Radiomusik 50 db,
  • ein Haartrockner 70 db,
  • eine Kreissäge 100 db.

WHO-Maximalwerte am Tag

  • Windpark: 45 db
  • Straßenverkehr: 53 db
  • Schienenverkehr: 54 db
  • Flugverkehr: 45 db
  • Freizeit: 70 db (Jahresdurchschnitt)

Für genehmigungspflichtige Anlagen in allgemeinen Wohngebieten gilt laut deutschem Umweltbundesamt bei der Lärmbelastung zur Zeit ein Richtwert von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts. An diese Richtlinie müssten sich auch Windparks halten.

Für Straßen-, Schienen- und Luftverkehr empfiehlt die WHO folgende Grenzen: Für die durchschnittliche Lärmbelastung durch Straßenverkehr tagsüber nicht mehr als 53 Dezibel, bei Schienen­verkehr nicht mehr als 54 Dezibel und für Flugverkehr nicht mehr als 45 Dezibel. Die nächtlichen Richtwerte sind 45 Dezibel für Straßenverkehr, 44 für Schienen- und 40 Dezibel für Luftverkehr.

Deutsche Richtwerte anpassen

„Das ist ambitioniert“, sagte Thomas Myck, Umweltbundesamt-Fachgebietsleiter Lärmminderung bei Anlagen und Produkten, Lärmwirkungen. In Deutschland lägen die entsprechenden Richtwerte derzeit noch wesentlich höher. „Da besteht deutlicher Handlungsbedarf.“ Die WHO-Analyse sei ein wichtiger und fundierter Meilenstein dafür, die gesetzlichen Vorgaben entsprechend zu bearbeiten.

Die Leitlinien sind Empfehlungen, um Verbraucher vor Lärm zu schützen. Damit sollen Politiker Richtwerte festlegen und bauliche Maßnahmen veranlassen oder einfordern, damit die Richtwerte eingehalten werden. „Übermäßige Lärmbelastung ist mehr als ein Ärgernis, sie ist ein echtes Gesundheitsrisiko, das beispielsweise zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt“, sagte Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Die Werte für Straßen-, Schienen- und Luftverkehr weichen voneinander ab, weil unterschiedlicher Lärm unterschiedliche gesundheitliche Folgen hat. So liefere eine Autobahn eine ständige Geräuschkulisse, so die WHO. Ein vorbeifahrender Zug mache kurzfristig Lärm, worauf eine längere Ruhephase folge.

WHO will Freitzeitlärm auf maximal 70 Dezibel begrenzen

Neue Richtlinien hat die WHO auch für Freizeitlärm. Dazu zählen Besuche von Nachtclubs, Kneipen, Live-Sportveranstaltungen, Fitnesskursen, Konzerten und das Hören von lauter Musik über persönliche Abhörgeräte. Die WHO empfiehlt, die Lärmbelastung im Jahresdurchschnitt von allen Quellen zusammen auf weniger als 70 Dezibel zu begrenzen, „weil Freizeitlärm oberhalb dieses Wertes mit schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen verbunden ist“. © dpa/gie/aerzteblatt.de

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