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Medizin

Feinstaub fördert Entwicklung von Mundhöhlenkarzinomen bei Männern in Taiwan

Mittwoch, 10. Oktober 2018

/dpa

Taichung City/Taiwan – Auf der Suche nach den Ursachen für die Zunahme von Mundhöhlenkarzinomen bei Männern sind Epidemiologen aus Taiwan auf einen bisher unbekannten Risikofaktor gestoßen. Laut den im Journal of Investigative Medicine (2018; doi: 10.1136/jim-2016-000263) publizierten Daten korrelierte die Zahl der Erkrankungen mit der Feinstaubexposition.

Das Mundhöhlenkarzinom ist in Taiwan bei Männern häufig. Der wichtigste Grund ist die Gewohnheit, die unreife Frucht der Betelnuss zusammen mit gelöschtem Kalk in ein Blatt der Betelpflanze zu wickeln und dann einige Zeit darauf zu kauen. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft das Kauen von Betelnüssen als krebserregend ein, vor allem, wenn die Konsumenten nebenbei noch rauchen. Wenn auch noch ein Alkoholkonsum dazu kommt, steigt das Risiko auf ein Mundhöhlenkarzinom nach einer früheren Studie um den Faktor 123 (Journal of Oral Pathology & Medicine 1995; 24: 450–3).

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Demgegenüber dürfte das Krebsrisiko durch Feinstaub gering sein. Shou-Jen Lan von der Universität von Taichung City kann jetzt jedoch eine statistisch signifikante Assoziation nachweisen. Die Daten basieren auf einer Analyse der Gesundheitsdaten von 482.659 Männern im Alter ab 40 Jahren, die in den Jahren 2012–2013 an Vorsorgeuntersuchungen (Gesundheits-Check-up) teilnahmen, die in Taiwan kostenlos sind. Dabei machten sie auch Angaben zum Rauchen und zum Betelnuss-Kauen. Durch einen Abgleich mit dem Krebsregister des Landes ermittelte Lan, dass bei 1.617 Männern ein Mundbodenkarzinom diagnostiziert worden war.

Die weiteren Analysen ergaben, dass die Krebserkrankung nicht nur mit dem Betelnuss-Kauen und dem Rauchen assoziiert war, sondern auch mit der Feinstaubbelastung (PM 2,5). Sie ist in Taiwan relativ hoch. Ein Viertel der Männer waren täglich im Durchschnitt mit mehr als 40,37 µg/m3 exponiert. In dieser Gruppe waren Mundbodenkarzinome zu 43 % häufiger als im Viertel mit der geringsten Feinstaubexposition (26,74 µg/m3 oder weniger). Die Odds Ratio von 1,43 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,17 bis 1,74 statistisch signifikant. Für das Viertel mit der zweithöchsten Belastung (32,37 bis 40,37 µg/m3) und der dritthöchsten Belastung (26,74 bis 32,37 µg/m3) war kein erhöhtes Risiko mehr nachweisbar.

Da es sich um die erste Studie handelt und Querschnittsuntersuchungen eine geringe Beweiskraft haben, dürfte die Frage, ob Feinstaub in Taiwan (oder anderswo) ein Krebsrisiko darstellt, offen sein. Das Risiko dürfte in jedem Fall weniger von der Größe der Staubpartikel als von ihrer chemischen Zusammensetzung abhängen. Feinstaub kann Metalle wie Blei, Cadmium, Arsen, Chrom und Nickel enthalten, die in bestimmten chemischen Verbindungen krebserregend sind. Auch karzinogene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe können über den Feinstaub transportiert werden. © rme/aerzteblatt.de

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