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Suchtkongress: Gesundheitsökonom fordert deutlich mehr Präventionsmaßnahmen zur Tabakkontrolle

Donnerstag, 11. Oktober 2018

/Sondem, stock.adobe.com

Berlin – Die Zahl der Raucher ist nach Angaben des Gesundheitsökonomen Tobias Effertz 2018 mit 20,53 Millionen Menschen im Vergleich zum Jahr 2009, als 20,38  Millionen in Deutschland rauchten, konstant geblieben. Zwar zeigten Studien der letzten Jahre eine mehr oder weniger stark abnehmende Raucherprävalenz, aber in Verbindung mit Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung ergäbe sich die nach wie vor hohe absolute Raucheranzahl. „In den letzten Jahren sind keine wirkungsvollen verhältnispräventiven Maßnahmen zur Tabakkontrolle ein- oder umgesetzt worden. Die Umsätze der Tabakindustrie waren nie so hoch wie zurzeit“, sagte der Wissenschaftler von der Universität Hamburg, beim gemeinsamen Fachkongress der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen und des Verbands der Drogen- und Suchthilfe (fdr) in Berlin, der gestern zu Ende ging.

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Raucherentwöhnungsmaßnahmen sollten von der GKV finanziert werden

Allein schon die hohen Krankheitskosten, die Raucher verursachten, rechtfertigten es, erfolgreiche Raucherentwöhnungsmaßnahmen von der Gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) finanzieren zu lassen, erklärte Effertz. Die direkten Kosten des Rauchens belaufen sich nach seinen Berechnungen für 2018 auf insgesamt 30,23 Milliarden Euro beziehungsweise 1.472 Euro pro Raucher und Jahr. Der größte Teil davon, nämlich 27,31 Milliarden, sind Krankheitskosten. Die indirekten Krankheits­kosten, die die verlorene Lebensproduktivität durch Rauchen beziffern, belaufen sich zusätzlich auf 66,92 Milliarden Euro pro Jahr.

Im Vergleich dazu beliefen sich die Kosten des Rauchens in den Jahren 2008 bis 2012 auf jährlich je 78,25 Milliarden Euro, also deutlich weniger. Als Gründe hierfür nannte Gesundheitsökonom Effertz die Preisentwicklung im Gesundheitssektor, die veränderte Altersstruktur der Raucher sowie eben ausgebliebene oder ineffektive Präventions­maßnahmen zur Tabakkontrolle. Diese hätten zwar für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche gegriffen, den die rauchten deutlich weniger als vor zehn Jahren. Menschen höheren Alters indes rauchten aber deutlich mehr.  Die Krankheitslast der Betroffenen werde größer je älter sie werden; ebenso nähmen die Schmerzdiagnosen zu.

„Es ist beschämend, dass Deutschland bei der Tabakkontrolle im Vergleich zu anderen Ländern so weit hinterherhinkt“, sagte der Gesundheitsökonom zum Abschluss seines Vortrags. © PB/aerzteblatt.de

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cis2000
am Samstag, 13. Oktober 2018, 01:39

Raucherentwöhnungsmaßnahmen sollten von der GKV finanziert werden

Sollten nicht auch andere Lebensgewohnheiten sanktioniert bzw. bestraft werden? Übermäßiger Genuss von Fastfoot? Genuss vom Schwein und anderen Fleisch? Rind mit Wahnsinn im Gepäck? Zucker geht überhaupt nicht!
MfG
LNS

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