NewsPolitikBundestag debattiert kontrovers über neuen Geschlechtseintrag
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundestag debattiert kontrovers über neuen Geschlechtseintrag

Freitag, 12. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Der Bundestag hat gestern kontrovers über die Reform der Geschlechtsein­tragung in das Personenstandsregister debattiert. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung will für Menschen ohne eindeutiges biologisches Geschlecht den zusätzlichen Eintrag „divers“ ermöglichen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte dem Bundestag vor einem Jahr eine Frist bis Ende Dezember gesetzt, um für Menschen, die weder eindeutig männlich noch weiblich sind, eine positive Geschlechtsbezeichnung einzuführen. Nach der Ersten Lesung wurde die Vorlage an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Innenausschuss.

Anzeige

Der Regierungsentwurf sieht vor, dass der Eintrag „divers“ sowohl bei der Beurkundung der Geburt als auch später möglich sein soll. Eine spätere Änderung – auch des Vornamens – ist demnach durch eine Erklärung gegenüber dem Standesamt möglich; Voraussetzung ist ein ärztliches Attest.

Marc Henrichmann (CDU) begründete die Forderung nach einem Attest damit, dass eine „objektive“ Geschlechtsfeststellung nötig sei. Ein Beratungsgespräch reiche nicht aus. Volker Ullrich (CSU) zeigte sich hingegen offen gegenüber Forderungen von der SPD, den Grünen und Linken, die Attestpflicht zu streichen. Es gehe nicht um ein „drittes Geschlecht“, so der CSU-Politiker, sondern um „die Anerkennung von Vielfalt“. Man müsse auch über weitere Schritte sprechen.

Elisabeth Kaiser (SPD) verlangte wie Redner der Linken und der FDP eine Orientierung an der Selbstwahrnehmung des Menschen. Geschlechtsidentität fuße auf der „individuellen Selbstwahrnehmung“. Statt eines Attests reiche etwa eine „eidesstattliche Erklärung“ aus.

Die AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch, hielt hingegen an der biologischen Bestimmung des Geschlechts fest; es sei angeboren, keine Wahl. Deshalb sei auch die Bezeichnung „intersexuell“ statt „divers“ angemessen. Sie warf den anderen Parteien vor, mit dem Gesetzentwurf die Genderideologie durchsetzen zu wollen. Ziel sei die Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit.

Nach den Worten von Doris Achelwilm (Die Linke) ist es nicht zumutbar, dass man sich das Geschlecht durch andere zuschreiben lassen müsse. Wie die Grünen forderte sie ein Verbot von entsprechenden Operationen an Minderjährigen. Sven Lehmann (Grüne) betonte, jeder müsse über sein eigenes Geschlecht frei bestimmen können. Eine medizinische Feststellung führe zur Pathologisierung. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. März 2019
Berlin – Die Versorgung von Mädchen und Frauen mit einem Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) wollen die Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) und die Deutsche Gesellschaft
Versorgung von Patienten mit Turner-Syndrom soll verbessert werden
26. November 2018
Berlin – Für Menschen, die nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können, soll künftig für Eintragungen im Personenstandsregister der Eintrag „divers“ möglich
Kritik an Attestpflicht für drittes Geschlecht
21. November 2018
Berlin – Ärzte und Psychologen registrieren mehr Fälle von Kindern und Jugendlichen, die sich fremd in ihrem Körper fühlen und ihr Geburtsgeschlecht ändern wollen. Die Behandlungszahlen hätten sich
Zahl transsexueller Kinder gestiegen
9. November 2018
Birmingham/Alabama – Die Einmalgabe von Zoliflodacin, einem neuen oral verfügbaren Antibiotikum mit einem von Fluorchinolonen abweichenden Wirkungsmechanismus, hat in einer Phase-2-Studie im New
Neues Antibiotikum kuriert unkomplizierte Gonorrhö mit einer Tablette
7. November 2018
Erlangen, Nürnberg – Frauenärzte veschreiben weiblichen Teenagern zur Empfängnisverhütung überwiegend die Antibabypille. Seltener empfehlen sie alternative Möglichkeiten, obwohl sich die jungen
Weibliche Teenager sind offen für Alternativen zur Antibabypille
5. November 2018
Köln – Es geht um Erfahrungen in der Liebe, Sexpraktiken und sexuell übertragbare Krankheiten: Mit einer großangelegten wissenschaftlichen Studie wollen Hamburger Forscher das Thema Gesundheit und
Erste bundesweite Studie zu Sexualität und Gesundheit
18. Oktober 2018
Bremerhaven – Bei hypogonadalen Männern mit Erektionsstörungen kann eine Behandlung mit Testosteron die erektile Funktion verbessern. Das zeigen die 10-Jahresdaten einer Registerstudie, die beim
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER