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Medizin

Fettreiche Kost könnte sich als Sucht auf spätere Generationen vererben

Montag, 15. Oktober 2018

/dpa

Zürich – Eine fettreiche Ernährung vor, während und nach der Schwangerschaft hat sich in tierexperimentellen Studien in Translational Psychiatry (2018; 8: 195) bis auf die Urenkelgeneration ausgewirkt. Weitergegeben wurden nicht nur die metabolischen Störungen, sondern teilweise auch eine Neigung zum Drogenkonsum.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der adipösen Schwangeren deutlich zuge­nommen. Die Folge sind nicht nur häufigere Schwangerschaftskomplikationen und schwere Geburten. Nach einer von dem britischen Epidemiologen David Barker aufgestellten Hypothese schädigt eine Fehlernährung im Embryostadium die Gesundheit der Kinder langfristig.

Barker konnte zeigen, dass Kinder, die in den Jahren 1911 bis 1930 in der Grafschaft Hertfordshire das niedrigste Geburtsgewicht aufwiesen, im Erwachsenenalter häufiger an ischämischen Herzerkrankungen litten (Lancet 1989; 2: 577–80). Ähnliche Assoziationen fand Barker später auch für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Schlaganfälle.

Die Langzeitwirkung wird heute auf epigenetische Veränderungen zurückgeführt (DNA-Methylierung, Histon-Modifikationen oder nichtcodierende RNA), die den „Umwelteinfluss“ speichern und unter Umständen an die nächste Generation weitergeben. Ähnliche Phänomene werden derzeit auch für eine Adipositas während der Schwangerschaft diskutiert. 

Ein Team um Daria Peleg-Raibstein vom Labor für Translationale Ernährungsbiologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat die Auswirkungen einer fetthaltigen Ernährung an Mäusen untersucht. Die Tiere erhielten 9 Wochen lang – vor der Paarung, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit – ein fettreiches Futter.

Ihre männlichen Nachkommen wurden dann mit Weibchen gepaart, die eine Standard-Labornahrung erhalten hatten. Die männlichen Nachkommen dieser Mäuse wurden wiederum mit Weibchen gepaart, die eine Standard-Labornahrung erhalten hatten.

Die Forscher fanden heraus, dass die 2. Generation, also die Enkel der Mäuse, die sich fettreich ernährt hatten, nicht nur zu Übergewicht, Insulinresistenz und Fettstoff­wechselstörungen neigten (metabolischer Phänotyp). Die Enkel waren auch anfälliger für den Konsum von Alkohol und Amphetaminen, wenn diese angeboten wurden. Diese hedonistische Antwort war bei den weiblichen Nachfahren noch in der 3. Generation (Urenkel) nachweisbar, während die männlichen Tiere eher zum metabolischen Phänotyp neigten.

Die Untersuchung der Spermien der 1. und 2. Generation wies auf veränderte Methylierungsmuster hin, die die Weitergabe der Eigenschaften erklären könnten. Im Gehirn der Tiere fanden die Forscher neuroanatomische und neurochemische Veränderungen im dopaminergen System, die den vermehrten Drang zum Fressen und Drogenkonsum erklären könnten. 

Die Ergebnisse der Mausstudie könnten sicherlich nicht 1 zu 1 auf Menschen übertragen werden, gesteht Peleg-Raibstein ein. Es sei jedoch praktisch unmöglich, solche Langzeitfolgen von Überernährung beim Menschen zu untersuchen. Ob die derzeitige Adipositasepidemie Auswirkungen auf die Gesundheit späterer Generationen hat, wird sich erst nach einigen Generationen in zukünftigen epidemiologischen Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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