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Medizin

Neuer Impfstoff schützt vor Tollwut und Lassa-Fieber

Montag, 15. Oktober 2018

/dpa

Philadelphia – US-Forscher haben ein Gen des Lassa-Virus in das Tollwutvirus eingebaut. Nach einer chemischen Inaktivierung entstand ein Kombinationsimpfstoff, der gegen die beiden in Afrika verbreiteten tödlichen Erkrankungen schützen könnte, wie erste tierexperimentelle Studien in Nature Communications (2018; 9: 4223) vermuten lassen.

Das Lassa-Virus kann wie das Ebola-Virus ein hämorrhagisches Fieber auslösen, das dann ebenso häufig tödlich endet. Das Lassa-Fieber ist sogar weiter verbreitet als das Ebola-Fieber. In Westafrika sterben jedes Jahr 5.000 Menschen daran. Die Epidemien sind allerdings weniger spektakulär, auch wenn in diesem Jahr in Nigeria bei einem Ausbruch 134 von 514 bestätigte Fällen ums Leben kamen.

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Im Unterschied zu Ebola, das fast immer mit einem hämorrhagischen Fieber einhergeht, verlaufen die meisten der schätzungsweise 100.000 bis 300.000 Infektionen mit dem Lassa-Virus, zu denen es jährlich in Afrika kommt, milde oder unbemerkt.

Einen Impfstoff gegen Lassa-Infektionen gibt es bisher nicht. Die Bereitschaft zur Impfung dürfte gering sein, ganz im Gegensatz zur Tollwut, an der nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) jedes Jahr 22.000 Menschen in Afrika sterben (plus einer vermutlich hohen Dunkelziffer).

Gegen Tollwut gibt es seit längerem effektive Impfstoffe aus inaktivierten Viren. Die Tollwut-Impfung hat sich als sicher erwiesen und sie kann auch bei Schwangeren durchgeführt werden, bei denen Infektionen mit dem Lassa-Virus häufig zu Fehlgeburten führen. Der Impfstoff ist zudem ungekühlt lange haltbar. Dies ist für den Einsatz in abgelegenen Regionen wichtig, in denen das Lassa-Fieber am weitesten verbreitet ist.

Ein Team um Matthias Schnell von der Thomas Jefferson University in Philadelphia hat jetzt ein Gen des Lassa-Virus in das Genom des Tollwut-Virus eingebaut. Das Gen enthält den Bauplan für ein Protein, das auf der Oberfläche des Lassa-Virus vorkommt und deshalb vom Immunsystem leicht erkannt werden kann.

In ersten Experimenten hat der Impfstoff LASSARAB Mäuse und Meerschweinchen vor einer Infektion mit dem Lassa-Virus geschützt. Die Tiere überlebten eine Infektion, wenn sie 58 Tage nach der Impfung dem Virus ausgesetzt wurden.

Interessanterweise scheint der Immunschutz beim Lassa-Virus nicht durch neutralisierende Antikörper zustande zu kommen, wie dies bei den meisten anderen Viren der Fall ist. Die Antikörper markieren vielmehr die von den Viren befallenen Zellen, die dann von sogenannten natürlichen Killerzellen (antikörperabhängige zellvermittelte Toxizität, ADCC) oder Fresszellen (antikörperabhängige zellvermittelte Phagozytose, ADCP) zerstört werden.

Im nächsten Schritt soll der Impfstoff an Affen getestet werden. Danach könnte der Impfstoff eingeführt werden. Klinische Studien sind nicht vorgesehen. Sie wären wegen der hohen Letalität des Virus ethisch nicht vertretbar.

© rme/aerzteblatt.de

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