NewsMedizinGentest zur Stammbaum-Analyse ermittelt Straftäter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gentest zur Stammbaum-Analyse ermittelt Straftäter

Montag, 15. Oktober 2018

/dpa

New York – Die genetische Genealogie, die Privatpersonen bei der Erstellung eines Familienstammbaums hilft, wird in den USA zunehmend zur Ermittlung von Straftätern genutzt. Laut einer Studie in Science (2018: doi: 10.1126/science.aau4832) liegt die Chance, die am Tatort vorgefundene DNA einem Cousin oder einer Cousine dritten Grades zuzuordnen, mittlerweile bei 60 Prozent – sofern der Täter europäischer Herkunft ist.

Genomanalysen für Verbraucher sind in den USA in Mode gekommen. Mehr als 15 Millionen sollen bereits die Dienste von „23andMe“ und anderen Anbietern in Anspruch genommen haben. Allein im vergangenen Jahr wurden 7 Millionen Testansätze verkauft.

Die Verbraucher führen zuhause einen Schleimhautabstrich durch (was die meisten aus Krimis in Film und Fernsehen kennen), den sie dann einschicken. Sie erhalten eine Datei mit ihren Gendaten sowie Hinweise auf mögliche Gendefekte. Sie können ihre Gendaten auch an eine Reihe von Drittanbietern wie „DNA.Land“ oder „GED-Match“ weiterleiten. Diese nutzen die Daten zur Aufstellung eines Stammbaums und zur Suche nach entfernten Verwandten.

Einem Detektiv aus Kalifornien, der sich auf ungeklärte Straffälle spezialisiert hat, ist es mithilfe der Daten von „GED-Match“ Anfang des Jahres gelungen, einen spekta­kulären Serientäter zu überführen, der zwischen 1976 und 1986 als „Golden State Killer“ mindestens zwölf Morde, 45 Vergewaltigungen und mehr als 120 Einbrüche im US-Bundesstaat Kalifornien begangen haben soll.

Der Detektiv, ein ehemaliger Forensiker der kalifornischen Polizei, schickte DNA-Spuren, die der Täter an Tatorten hinterlassen hatte, an „GED-Match“. Er erhielt den Hinweis auf einen Cousin dritten Grades. Die Stammbaum-Analyse dieses Cousins führte dann auf die Spur des Täters, einem heute 72 Jahre alten ehemaligen Soldaten und Polizisten, der rasch anhand eines Genomabgleichs überführt und im Frühjahr verurteilt wurde.

Die Überführung des Täters war nicht einfach, da die Stammbaum-Analyse aufwendig ist und die meisten Menschen mehrere hundert Cousin/Cousins dritten Grades haben. In den USA ist es der Polizei allerdings mit der gleichen Methode in diesem Jahr in mindestens 13 weiteren Fällen gelungen, ungelöste Verbrechen aufzuklären.

Die Chancen der Polizei sind mittlerweile sehr hoch, wenn der Täter zu den US-Amerikanern europäischer Herkunft gehört. Diese Gruppe ist besonders stark an Stammbaum-Analysen interessiert, und die meisten der 1,28 Millionen US-Amerikaner, die ihre Daten an „GED-Match“ geschickt haben, gehören dieser Ethnie an.

Ein Forscherteam um Yaniv Erlich von der Columbia Universität in New York (der mittlerweile für einen anderen Genealogie-Anbieter tätig ist) kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass bei etwa 60 Prozent der Einsender ein/e Cousin/Cousine dritten Grades gefunden werden kann. Bei 15 Prozent der Einsender war sogar ein/e Cousin/Cousine zweiten Grades vorhanden.

Nach den Berechnungen von Erlich müssen nur 2 Prozent einer Bevölkerungsgruppe erfasst werden, um mit über 90-prozentiger Sicherheit einen/e ein/e Cousin/Cousine dritten Grades und mit 40-prozentiger Sicherheit einen/e ein/e Cousin/Cousine zweiten Grades zu ermitteln.

Die Forscher haben eine Probe aufs Exempel durchgeführt. Sie schickten die Gen-Daten einer anonymen Teilnehmerin des 1.000-Genom-Projekts an den Anbieter. Prompt wurden zwei Verwandte ermittelt. Mit Hilfe öffentlich zugänglicher genealogischer Daten ermittelten Erlich und Mitarbeiter innerhalb einer Stunde einen gemeinsamen Vorfahren, der vor vier bis sechs Generationen gelebt hat. Obwohl dieses Paar zehn Kinder und Hunderte von Nachfahren hatte, konnten die Forscher die Identität der Teilnehmerin des 1.000-Genom-Projekts innerhalb eines Tages verifizieren.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. September 2020
Washington – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat ihre umstrittenen neuen Richtlinien für Coronatests laut einem Zeitungsbericht gegen den ausdrücklichen Rat von Experten veröffentlicht.
US-Regierung lockerte Coronatestregeln gegen Widerstand von Experten
10. September 2020
Washington – Seit Beginn der Coronapandemie sind Wissenschaftlern zufolge allein in den USA mehr als 190.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus Daten der Universität
Mehr als 190.000 Coronatote in den USA und hohe Dunkelziffer bei Infizierten
4. September 2020
Berlin – Die Bundesregierung ist nicht bereit, die durch einen Austritt der USA aus der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) verursachten Beitragsausfälle auszugleichen. Das geht aus einer Antwort der
Berlin übernimmt Beitragsausfälle für WHO-Austritt der USA nicht
3. September 2020
Washington – Die US-Gesundheitsbehörde CDC trifft Vorbereitungen für die Verteilung eines potenziellen Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 bereits ab Ende Oktober. Zugleich räumte sie ein, dass es sich dabei
US-Behörde bereitet Verteilung von Coronaimpfstoff vor
2. September 2020
Washington – Die US-Regierung lehnt eine Teilnahme an der internationalen Initiative Covax ab, die einen fairen weltweiten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen garantieren soll. Die USA ließen sich nicht
USA lehnen Teilnahme an weltweiter Initiative für Coronaimpfstoff ab
31. August 2020
Berlin/Boston – Der US-Telemedizinanbieter Amwell hat sich mit Google Cloud verbündet. Durch die langfristig angelegte Partnerschaft wolle man weltweit digitale Medizin anbieten, verkündeten beide
Telemedizin: Google hat einen neuen strategischen Partner
31. August 2020
Washington – Angesichts der weiterhin starken Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 schließt die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA die Zulassung eines Impfstoffs in den Vereinigten Staaten noch vor
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER