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Medizin

Schlagen von Kindern fördert Gewalt unter Teenagern

Mittwoch, 17. Oktober 2018

/ruigsantos, stock.adobe.com

Montreal - Die körperliche Züchtigung, der laut der UNICEF weltweit noch immer 17 Prozent aller Kinder ausgesetzt sind, schadet nicht nur der Psyche der Kinder. Sie fördert laut einer Untersuchung in BMJ Open (2018: doi: 10.1136/bmjopen-2018-021616) auch die Gewalt unter Jugendlichen.

In vielen Ländern ist das Schlagen der Kinder ein fester Bestandteil der Erziehung. Nur wenige Länder, darunter Schweden, Neuseeland und Deutschland, verbieten nicht nur den Lehrern, sondern auch den Eltern, Kinder körperlich zu züchtigen. Erziehungs­wissenschaftler sind sich einig, dass Schläge die Entwicklung der Persönlichkeit nicht fördern, und Familienpsychologen weisen darauf hin, dass Kinder, die zuhause geschlagen werden, ein niedrigeres Selbstbewusstsein haben. Sie leiden häufiger unter mentalen Problemen und neigen außerdem zu einem antisozialen Verhalten.

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Ein weiterer Aspekt, auf den Frank Elgar von der McGill Universität in Montreal jetzt hinweist, ist zunehmende Gewalt unter Teenagern. Die Forscher haben die Daten aus zwei Studien ausgewertet. Die HBSC-Studie („Health Behaviour in School-aged Children“) befragt alle vier Jahre Jugendliche in 48 Ländern Europas und Nordamerika. Die GSHS-Studie („Global School-based Health Survey“) interviewt Jungendliche in 55 Ländern mit niedrigem Einkommen und mittlerem Einkommen.

Zu den Fragen gehört, wie häufig die Jugendlichen in der Schule und in der Freizeit in Kämpfe mit anderen Jugendlichen verwickelt sind. Die Forscher setzen dies zu den Gesetzen des jeweiligen Landes in Beziehung. Zum Zeitpunkt der Umfrage hatten dreißig Länder ein vollständiges Verbot der körperlichen Züchtigung in der Schule und zu Hause eingeführt, in 38 Ländern war das Schlagen nur in Schulen verboten, die übrigen Länder kannten keine Verbote.

Kämpfe unter Jugendlichen sind international unterschiedlich weit verbreitet. Jungen prügeln sich drei Mal häufiger als Mädchen (9,92 versus 2,81 Prozent). Am seltensten bekämpfen sich Mädchen in Costa Rica (0,86 Prozent), Jungen sind laut der Studie auf Samoa (34,78 Prozent) am gewalttätigsten.

Das Vorbild der Eltern hat einen großen Einfluss. In den Ländern, in denen weder Eltern noch Lehrer Kinder schlagen dürfen, kommt es zu 31 Prozent seltener zu Rangeleien unter Jungen (Rate Ratio 0,69; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,49-0,99) und zu 58 Prozent seltener zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Mädchen (Rate Ratio 0,42; 0,25-0,70). Ein teilweises Verbot der körperlichen Züchtigung in Schulen milderte nur bei Mädchen (Rate Ratio 0,56; 0,33-0,95) die Gewaltbereitschaft untereinander. Bei Jungen (Rate Ratio 0,84; 0,59-1,20) war ein Einfluss nicht sicher nachweisbar.

© rme/aerzteblatt.de

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