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Politik

Große Koalition diskutiert über Reform der Hebammenausbildung

Mittwoch, 17. Oktober 2018

/Anatoly Tiplyashin, stock.adobe.com

Berlin – Hebammen und Entbindungshelfer sollen künftig in einem dualen Studium statt wie bisher an Hebammenschulen auf den Beruf vorbereitet werden. Das kündigte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) an. „Hebammen helfen beim Start ins Leben. Dafür brauchen sie die bestmögliche Ausbildung – theoretisch und praktisch“, sagte der Minister heute den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Spahn will damit nicht nur ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag, sondern auch eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) umsetzen, nach der die Ausbildung für das Berufsfeld bis zum 18. Januar 2020 reformiert sein muss. Vorgegeben von der EU sind zwölf Jahre Schulbildung und mehr Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten aus den Bereichen Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie. 

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Laut dem SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sollte das Studium für Hebammen aber nur Angebot und nicht Pflicht sein. Viel wichtiger seien eine bessere Bezahlung von Hebammen und Kliniken für Geburten, betonte der SPD-Gesundheitspolitiker.

„Wir müssen bis Januar 2020 eine EU-Richtlinie umsetzen. Viel Zeit haben wir nicht mehr, da die Vorgaben für die akademische Ausbildung dann auch noch in jeweiliges Landesrecht umgesetzt werden müssen“, betonte hingegen die gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar.

Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesund­heits­förder­ung, der Grünen erklärte, die Akademisierung der Hebammenausbildung sei überfällig. „Die Reform, die von der Bundesregierung jahrelang vertrödelt wurde, darf jetzt kein halbherziger Schnellschuss werden. Es muss sichergestellt sein, dass die Expertise erfahrener Hebammen in die akademische Ausbildung einfließt“, sagte sie. 

Der Deutsche Hebammenverband begrüßte die Äußerungen Spahns. Deutschland sei mittlerweile das letzte EU-Land, in dem Hebammen noch nicht an Hochschulen ausgebildet würden. Wichtig sei, bei der Ausgestaltung eines dualen Studiums auch eine bestmögliche praktische Ausbildung zu gewährleisten.

„Wir erhoffen uns durch die Akademisierung auch wieder mehr Hebammen in den Kreißsälen und eine bessere interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe in der Geburtshilfe“, sagte die Präsidentin des Verbandes, Ulrike Geppert-Orthofer. Präsidiumsmitglied Yvonne Bovermann drängt auf eine rasche Umsetzung und betonte: „Wir brauchen gute Übergangsregelungen. Die qualifizierten Lehrenden aus den Hebammenschulen sollten einbezogen werden.“

Bisher dauert die Hebammenausbildung drei Jahre. Sie umfasst theoretischen und praktischen Unterricht in staatlich anerkannten Hebammenschulen und an Krankenhäusern.

© hil/dpa/kna/aerzteblatt.de

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