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Medizin

Kaiserschnitt verändert Hirnentwicklung bei Mäusen

Donnerstag, 18. Oktober 2018

/dpa

Atlanta – Ein Kaiserschnitt mag für die Mutter weniger stressig sein als eine vaginale Geburt. Für das Neugeborene gilt dies möglicherweise nicht. Eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2018; doi:10.1073/pnas.1811962115) kommt zu dem Ergebnis, dass die Schnittentbindung bei Mäusen in den ersten Lebenstagen zu einem vermehrten Nervenzellsterben in Hirnregionen führt, die für die Stressverarbeitung zuständig sind.

Das menschliche Gehirn hat in der Zeit vor und nach der Geburt seine größte Wachstumsphase. Störungen könnten deshalb langfristige Auswirkungen haben. Die größte Belastung in dieser Zeit ist zweifellos die Geburt. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Sectio-Entbindungen deutlich zugenommen. Der Entscheidung liegt nicht immer eine medizinische Notwendigkeit zugrunde.

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Die Auswirkungen, die ein geplanter Kaiserschnitt für die spätere Entwicklung des Kindes hat, wird derzeit kontrovers diskutiert. In epidemiologischen Studien wurden Assoziationen mit Autismus-Spektrum-Störungen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) beobachtet. Auch ein Einfluss auf kognitive Störungen wird vermutet.

Ein Team um Nancy Forger von der Georgia State University in Atlanta hat jetzt den Einfluss einer Sectio caesarea auf das Gehirn von neugeborenen Mäusen untersucht. Dabei konzentrierte sie sich auf den paraventrikulären Kern des Hypothalamus (PVN), der für die Stressantwort und auch für die hirnimmunologischen Interaktionen von zentraler Bedeutung ist.

Die erste Beobachtung war ein vermehrter Zelltod in der VPN-Region nach dem Kaiserschnitt. Ein Untergang von Nervenzellen ist während des Entwicklung des Gehirns nicht ungewöhnlich. Bei Mäusen sterben laut Forger in der ersten Woche nach der Geburt etwa 50 Prozent der neu gebildeten Neurone wieder ab. Eine erhöhte Dichte von abgestorbenen Zellen in den ersten Tagen nach der Geburt könnte jedoch negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns haben.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass vor allem Neuronen betroffen waren, die auf das Hormon Vasopressin reagieren. Vasopressin gehört neben Oxytocin zu den Hormonen, die bei einer Geburt vermehrt ausgeschüttet werden. Nach einem Kaiserschnitt ist die Vasopressin-Produktion auch beim Menschen im Vergleich zur vaginalen Geburt vermindert, berichtet Forger.

Welche Folgen dies hat, ist unklar. Bei den Mäusen war die Sectio-Geburt mit einem verminderten Piepen der Neugeborenen nach einer Trennung von der Mutter verbunden, außerdem kam es zu einer vermehrten Gewichtszunahme. Letzteres wird auch bei Kindern nach einem Kaiserschnitt beobachtet.

Auch wenn die Veränderungen im Gehirn der Mäuse insgesamt subtil  waren und ohne Auswirkung auf das Gehirngewicht blieben, ist Forger überzeugt, dass ein Kaiserschnitt einen Einfluss auf die Gehirnentwicklung hat. Ob dies tatsächlich dem Kind nennenswerten Schaden zufügt, kann nur in weiteren epidemiologischen oder auch klinischen Studien geklärt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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