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Politik

Drogenbeauftragte für mehr Prävention gegen Alkohol- und Tabakkonsum

Donnerstag, 18. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hat eine stärkere auch gesamtgesellschaftliche Prävention vor allem gegen den übermäßigen Konsum von Alkohol und Tabak angemahnt. Alkohol werde in Deutschland noch deutlich zu viel und „viel zu gedankenlos“ getrunken, sagte sie heute bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin.

Übermäßiger Alkoholkonsum habe Folgen für die gesamte Gesellschaft, nicht nur aufgrund der volkswirtschaftlichen Kosten in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro. „Die Diagnose ‚Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol‘ ist bei Männern inzwischen der häufigste Grund für eine Aufnahme im Krankenhaus“, stellte Mortler heraus.

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120.000 Tabaktote im Jahr sind zu viel

Auch bei der Reduzierung der Raucherquote dürfe man nicht „auf halber Strecke stehen bleiben“, betonte die Drogenbeauftragte. „Rund 120.000 Tabaktote im Jahr sind immer noch deutlich zu viel“, wenngleich der Anteil der Raucher bei Erwachsenen in den letzten 15 Jahren um rund 30 Prozent gesunken sei und der Anteil rauchender Jugendlicher sich in dieser Zeit um zwei Drittel verringert habe.

Mortler will sich deshalb weiter und verstärkt für ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakaten und im Kino einsetzen. Ein entsprechender Gesetzentwurf zum Verbot von Tabakaußenwerbung war 2016 unter anderem am Widerstand der Unionsfraktionsführung unter dem Vorsitz von Volker Kauder gescheitert, der diesen vor kurzem abgeben musste. „Diesen Gesetzentwurf wollen wir nun wieder herausholen“, sagte sie.

Aufwärtstrend beim Konsum von E-Zigaretten

Bei den neuen Rauchprodukten wie E-Zigaretten und IQOS gebe es einen „klaren Aufwärtstrend“ beim Konsum sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. „Von diesen Produkten geht ein gesundheitliches Risiko aus, auch wenn sie zum Teil weniger Schadstoffe als herkömmliche Tabakprodukte haben“, sagte Mortler. Man könne deshalb keine Entwarnung geben, auch nicht zu ihrem Einsatz zur Tabakentwöhnung.

Hinsichtlich der illegalen Drogen ist nach Angaben der Drogenbeauftragten seit längerem ein leichter Rückgang der Drogentoten festzustellen. Deren Zahl sank im vergangen Jahr auf 1272. Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. „In Bayern habe ich einen Modellversuch zur Abgabe von Naloxon (Opioid-Antagonist) durch geschulte Laien bei Überdosierung initiert“, berichte Mortler. Auf die Ergebnisse in eineinhalb Jahren sei sie gespannt.

Cannabiskonsum häufigster Grund für Suchtbehandlung

Besorgt zeigte sich die Drogenbeauftragte über den Anstieg des Cannabiskonsums bei Jugendlichen und Erwachsenen, vor allem auch weil der THC-Gehalt der Pflanze in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen sei.

„Die gesundheitlichen Folgen des Konsums sind immens und deshalb auch der häufigste Grund für eine Suchtbehandlung“, sagte Mortler. Hinsichtlich der Prävention verwies sie auf eine neue Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) zum Umgang mit Cannabis in der Schule.

Die landesweite Legalisierung von Marihuana in Kanada kritisierte Marlene Mortler ausdrücklich: „Das ist eine Kapitulation und ein Schritt in die falsche Richtung“, sagte sie. © PB/aerzteblatt.de

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