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Medizin

PrEP-Programm führt zum raschen Rückgang von HIV in Australien

Donnerstag, 18. Oktober 2018

/dpa

Sydney – Die kostenlose Abgabe von Medikamenten zur Präexpositions­prophylaxe (PrEP) an eine Hochrisikogruppe von Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, hat im australischen Bundesstaat New South Wales innerhalb eines Jahres zu einem spürbaren Rückgang der Neuinfektionen mit dem HI-Virus geführt, wie die jetzt in Lancet HIV (2018; doi: 10.1016/S2352-3018(18)30215-7) veröffentlichten Zahlen zeigen.

Seit dem Jahr 2012 versuchen die Gesundheitsbehörden von New South Wales (NSW) die Zahl der Neuinfektionen zu begrenzen. Es gelang, die Zahl der HIV-Tests und der HIV-Infizierten, die antiretrovirale Medikamente erhalten, zu steigern. Doch die Neuerkrankungsrate blieb gleich.

Im März 2016 wurde begonnen, Medikamente zur PrEP kostenlos an HIV-negative MSM auszugeben, die ein deutlich erhöhtes HIV-Infektionsrisiko haben (rezeptiver Analverkehr mit Gelegenheitsbekanntschaften, Diagnose anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen). Die „Expanded PrEP Implementation in Communities–New South Wales“ (EPIC-NSW), die der größte Interessenverband der Schwulen und Lesben in NSW unterstützte, wurde von der Risikogruppe offenbar gut aufgenommen.

Innerhalb von acht Monaten bekundeten 3.700 MSM Interesse an dem Programm, das regelmäßige Kontrollen des Infektionsstatus vorsah. Insgesamt 3.069 Teilnehmer nahmen in den ersten 12 Monaten an wenigstens einem Termin teil. In dieser Zeit kam es nur zu zwei Neuinfektionen. Beide Teilnehmer hatten die Tabletten mit den beiden Wirkstoffen Tenofovir und Emtricitabin nicht regelmäßig eingenommen.

Sinkende Inzidenz

Andrew Grulich vom Kirby-Institut in Sydney und Mitarbeiter ermitteln eine Inzidenz von 0,048 pro 100 Personenjahre (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,012-0,195). Das sind weniger als zwei Neuinfektionen auf 1.000 Personen innerhalb eines Jahres.

Vor EPIC-NSW war es in der Risikogruppe zu zwei Neuerkrankungen auf 100 Personenjahre gekommen. Der Erfolg des PrEP-Programms war auch auf Landesebene nachweisbar: In den 12 Monaten vor der PrEP-Einführung war es noch zu 295 Neuinfektionen gekommen. Im ersten Jahr danach waren es noch 221 Neu-Infektionen.

Dies ist ein signifikanter Rückgang um 25,1 Prozent (10,5 bis 37,4 Prozent) und die niedrigste Zahl von Neuinfektionen in New South Wales seit Beginn der HIV-Surveillance im Jahr 1985. Den größten Rückgang gäbe es mit 31,5 Prozent (11,3 bis 47,3 Prozent) bei den kürzlich erworbenen Infektionen. Die übrigen HIV-Infektionen wurden nur tendenziell um 18,5 Prozent (-4,5 bis 36,6) gesenkt.

Damit hat sich die Präexpositions­prophylaxe in New South Wales als erfolgreich erwiesen, obwohl sie viele HIV-Infizierte zum Verzicht auf Kondome veranlasste, wie eine andere Studie kürzlich gezeigt hat (HIV Lancet 2018: 8: 448-E456).

In den USA, wo die PrEP seit dem Jahr 2012 zugelassen ist, schützen sich laut Grulich erst 83.672 von schätzungsweise 492.000 Männern mit hohem HIV-Risiko. In San Francisco soll der Anteil bei 9,2 Prozent liegen. Dort ist es nach aktuellen Zahlen zu einem Rückgang der Neuinfektionen um 50 Prozent gekommen (Clinical Infectious Diseases 2018; 66: 1027-34).

In England wird die PrEP seit September 2017 in ausgewählten Kliniken angeboten. Der National Health Service will die Behandlung von 10.000 Patienten finanzieren. Ein Rückgang der HIV-Infektionenen, der jüngst in London aufgetreten ist, könnte laut Grulich auf eine Kombination aus vermehrten HIV-Tests und einer PrEP zurückzuführen sein.

In Frankreich wird die PrEP bestimmten Personenkreisen seit Anfang 2016 angeboten. Laut einer Studie, deren Ergebnisse auf der Internationalen Aids-Tagung 2017 in Paris vorgestellt wurden, kam es bei vier von 2.805 Personen zu einer Infektion. Bevölkerungsbezogene Trends sind bisher nicht bekannt.

In Deutschland soll die PrEP demnächst in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung aufgenommen werden. Derzeit ist sie nur auf Privatrezept erhältlich. © rme/aerzteblatt.de

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