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Ärzteschaft

Fachärzte betonen ihre wirtschaftliche Bedeutung

Freitag, 19. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Im Gesundheitswesen wurde 2017 rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Es ist Arbeitgeber für mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland. Mit deutlich höheren Wachstumsraten als andere Branchen gewinnt das Gesundheitswesen eine immer größere Bedeutung in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Einen großen Anteil davon haben auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte – die Bruttowertschöpfung in Facharztpraxen liegt 2017 bei 28,6 Milliarden Euro. Im stationären Bereich liegt sie bei 97 Milliarden Euro.

„Da die stationäre Versorgung ohne die dort arbeitenden Fachärzte nicht denkbar wäre, tragen die Fachärzte insgesamt mit rund 125 Milliarden Euro jährlich zu mehr als einem Drittel zur Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft bei“, heißt es in einer Studie zum Medizinisch-Ökonomischen Fußabdruck der Fachärzte, die deren Spitzenverband heute in Berlin vorstellte.

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Anlässlich des vierten Fachärztetages des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschland (SpiFa) betonte Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, den ökonomischen Stellenwert von Arztpraxen. Zwar sei der Kern des Arztberufes nicht auf ökonomische Überlegungen angelegt, dennoch sollten Ärzte auch als Unternehmer betrachtet werden.

„Sie haben viel Verantwortung, nicht nur für Ihre Patienten sondern auch als Arbeitgeber“, sagte Hirte. Laut seiner Aufzählung sollte beachtet werden, dass bei niedergelassenen Ärzte Arbeitsplätze geschaffen werden. In den Praxen werden in unterschiedlicher Weise Medizintechnik und Medizinprodukte gekauft und verwendet. „Außerdem müssen sie Räumlichkeiten mieten oder kaufen. Dazu setzen sie zusätzlich eine weitere Wertschöpfungskette in Gang, wenn Sie Medikamente verordnen“, so Hirte.

Praxen sind Wirtschaftsfaktor

Laut der dem ökonomischen Fußabdruck, den der Spifa herausgegeben hat, investieren die niedergelassenen Fachärzte pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro in den Aufbau von Arbeitsplätzen und in effektive Versorgungsstrukturen. Dazu gehört, dass in den Praxen rund 700.000 sozial­ver­sicherungs­pflichtige Arbeitsplätze geschaffen werden. Die niedergelassenen Fachärzte leisten insgesamt laut Ärztemonitor der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2016 durchschnittlich 202 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr, was etwa 53 Stunden pro Woche bedeutet.

Diese auch ökonomische Perspektive für niedergelassene Ärzte einzunehmen, dafür warb der Spifa bei den Gesundheitspolitikerinnen und einem Gesundheitspolitiker von fünf der sechs Bundestagsfraktionen. „Sie sehen an den Zahlen, dass bereits 98 Prozent der niedergelassenen Ärzte deutlich mehr arbeiten, als von dem aktuellen Gesetz vorgesehen“, sagte Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spifa, bei einer Podiumsdiskussion mit Blick auf die Diskussion um das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Aus seiner Sicht müssten mehr Anreize gesetzt werden, damit Ärzte sich auch weiterhin niederlassen. Dazu gehöre das Ende der Budgetierung.

Dagegen sprachen sich vor allem die Gesundheitspolitikerinnen aus der Großen Koalition aus. Vor einer Entbudgetierung müsse eine bessere Steuerung und Bedarfsplanung kommen, forderte Bettina Müller aus der SPD-Bundestagsfraktion. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass im Gesundheitswesen kein üblicher Markt wie in anderen Branchen vorhanden sei. „Wir brauchen eine Balance bei der Verantwortung für die Versorgung und Sicherstellung sowie für die, die auch mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen“, so Müller.

Für Karin Maag, Sprecherin der Unions-Fraktion, ist das Budget eine Verhandlungssache der gemeinsamen Selbstverwaltung, bei der die Politik nicht eingreifen solle. „Es kann alles so verhandelt werden, dass es passt. Und dass es passt, sehen wir ja bei Hausärzten in Bayern und Baden-Württemberg, die 100 Prozent ihrer Leistungen bezahlt bekommen“, so Maag. Sie machte auch deutlich, dass mit dem TSVG besonders die sprechende Medizin gestärkt werden sollte, damit diese Facharztgruppen nicht mehr am unteren Ende der Gehaltsskala unter den Ärzten stehen.

Die Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, stellte sich klar auf die Seite der Fachärzte: „Die Budgets müssen weg. Wir sehen ja, dass es bei den Zahnärzten funktioniert. Die lassen sich auch in kleinen Orten an der Ostsee oder im Bayerischen Wald nieder.“ Unterstützt wurde sie von Axel Gehrke von der AfD, der ebenfalls ein Ende der Budgets, weniger Bürokratie und mehr freien Markt im Gesundheitswesen forderte.

Für Kirstin Kappert-Gonther, Gesundheitspolitikerin der Grünen, ist der Gesundheitsmarkt durch das finanzielle Volumen nicht vergleichbar mit anderen Märkten. „Wir haben hier so viel Geld im Spiel wie im gesamten Bundeshaushalt.“ Sie appellierte, dass Gelder viel besser verteilt werden müssten, gerade auch auf die Assistenzberufe. © bee/aerzteblatt.de

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