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Politik

Verunreinigte Gewässer: Ruf nach Arzneimittelabgabe und neuer Strategie

Montag, 22. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat angesichts der Belastung der Gewässer in Deutschland eine zusätzliche Abgabe auf Arzneimittel gefordert. Nötig seien rund 2,5 Cent bezogen auf die mittlere Tagesdosis auf rezeptpflichtige Medikamente, erklärte der BDEW heute. Bezogen auf die Einnahme eines Arzneimittels beispielsweise über 30 Tage hinweg ergäbe sich so eine Belastung von 0,75 Euro.

Der Verband beruft sich auf eine aktuelle Untersuchung, wonach die teure Finan­zierung der Abwasserreinigung durch eine vierte Klärstufe über Medikamente „verursachungsgerecht“ wäre. Dies würde die Kosten auf alle Beteiligten, nämlich Hersteller, Handel, Apotheken, Krankenkassen und gegebenenfalls auch Patienten verteilen, heißt es darin.

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Zugleich warnte der Verband davor, dass auch die Filtertechniken einer neuen Klärstufe „nicht in der Lage sind, alle unerwünschten Stoffe vollständig aus dem Wasser zu entfernen“. Zudem könnten durch die Filterung neue Abbauprodukte entstehen, die dann in die Gewässer gelangten. Nötig sei deshalb eine „neue Arzneimittelstrategie für Deutschland vom Hersteller bis zum Verbraucher“, forderte der BDEW. Die verant­wortlichen Stellen müssten zudem bei der Zulassung verstärkt auf die Umwelt­verträglichkeit der Medikamente achten.

Die Grünen-Politikerin Bettina Hoffmann erklärte dazu, es sei „alarmierend“, dass die Belastung der Gewässer mit Arzneimittelrückständen immer weiter zunehme. Die Bundesregierung müsse das Vorsorgeprinzip ernst nehmen und Gewässer­verun­reinigungen mit Spurenstoffen „schon an der Quelle unterbinden", forderte sie. Zudem müsse sich auch die Pharmaindustrie an den Kosten der Wasserwiederaufbereitung beteiligen.

Laut Verband hätte die bundesweite Einführung einer vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen eine „Erhöhung der Abwassergebühren um 17 Prozent und mehr für einen Vier-Personen-Haushalt zur Folge“. Die Techniken einer weiteren Klärstufe bezifferte der BDEW  auf 1,2 Milliarden Euro jährlich. © afp/aerzteblatt.de

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