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Medizin

Triple-negatives Mammakarzinom: Atezolizumab kann Überlebenszeit teilweise deutlich verlängern

Montag, 22. Oktober 2018

/freshidea, stockadobecom

Pittsburgh – Die Immuntherapie, die den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf Krebszellen stimuliert, hat sich erstmals in einer größeren Studie in der Brustkrebs­behandlung als effektiv erwiesen. In einer Studie zur Ersttherapie von Frauen mit fortgeschrittenem triple-negativem Mammakarzinom verlängerte die Kombination mit dem PD-L1-Inhibitor Atezolizumab die Überlebenszeiten unter einer Chemotherapie deutlich, wenn im Tumor eine Expression von PD-L1 nachweisbar war. Die Ergebnisse wurden auf dem Europäischen Krebskongress in München vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1809615) veröffentlicht.

Als triple-negativ werden Mammakarzinome bezeichnet, deren Zellen weder Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren noch den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2) exprimieren, was die Behandlungsmöglichkeiten deutlich einschränkt. Die Überlebenszeiten bei einem metastasierten Karzinom betragen oft nur 12 bis 15 Monate. Die Behandlung erfolgt heute mit Zytostatika, wobei die Leitlinien in der Erstlinientherapie die Behandlung mit einem Taxan oder einem Anthrazyklin den Vorzug geben.

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Die IMpassion130-Studie hat untersucht, ob die Therapie durch das Immun­therapeutikum Atezolizumab verbessert werden kann. Atezolizumab bindet im Tumor an PD-L1 (Programmed Cell Death Ligand 1) und verhindert dadurch, dass die Tumorzellen das Immunsystem ausbremsen.

An der Studie nahmen 451 Patientinnen mit metastasiertem oder lokal fortge­schrittenem (und damit inoperablem) triple-negativem Mammakarzinom teil, die bisher noch keine Chemotherapie erhalten hatten. An weltweit 246 Zentren (darunter etliche aus Deutschland) wurden die Patienten auf eine Behandlung mit nab-Paclitaxel plus Atezolizumab oder auf eine alleinige Chemotherapie mit nab-Paclitaxel randomisiert.

Das Nanopartikel-Albumin-gebundene (nab) Paclitaxel wurde verwendet, da zum Zeitpunkt der Studienplanung eine Prämedikation mit einem Glukokortikoid für notwendig angesehen wurde. Es wurde befürchtet, dass die Immunsuppression durch das Steroid die Wirksamkeit von Atezolizumab herabsetzt.

Die primären Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamt­überleben, wobei vor Studienbeginn eine Subgruppenanalyse nach der Expression von PD-L1 im Tumorgewebe vorgesehen war.

In dieser Untergruppe – auf die 41 Prozent aller Patientinnen entfielen – wurden erwartungsgemäß die besten Ergebnisse erzielt. Wie das Team um Leisha Emens von der University of Pittsburgh School of Medicine berichtet, betrug das mediane progressionsfreie Überleben in der Gruppe mit zusätzlicher Atezolizumab-Therapie 7,5 Monate gegenüber 5,0 Monaten unter der alleinigen Chemotherapie. Die Hazard Ratio von 0,62; war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 0,78 signifikant. Das mediane Gesamtüberleben wurde deutlich auf 25,0 Monate in der Atezolizumab-Gruppe gegenüber 15,5 Monaten in der Vergleichsgruppe verlängert (Hazard Ratio 0,62; 0,45 bis 0,86).

In der Gesamtgruppe aller Patientinnen waren die Ergebnisse weniger deutlich: Das progressionsfreie Überleben stieg auf 7,2 Monate gegenüber 5,5 Monaten (Hazard Ratio auf Progression oder Tod 0,80; 0,69 bis 0,92). Das mediane Gesamtüberleben verlängerte sich auf 21,3 Monate in der Atezolizumab-Gruppe gegenüber 17,6 Monaten in der Vergleichsgruppe. Die Hazard Ratio von 0,84 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,69 bis 1,02 das Signifikanzniveau.

Die Zulassungserweiterung, die der Hersteller aufgrund der Studienergebnisse Ergebnisse sicherlich erhalten wird, dürfte deshalb auf Patienten mit PD-L1-Nachweis beschränkt bleiben. Die Responserate betrug 56 %, sodass sich relativ bald herausstellen dürfte, welche Patienten von einer fortgesetzten Therapie mit Atezolizumab profitieren.

Diese Patientinnen dürfen auf eine teilweise deutlich verlängerte Überlebenszeit hoffen. Dafür müssen sie eine etwas erhöhte Rate von Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 (48,7 versus 42,2 %) in Kauf nehmen. Dazu gehört etwa eine periphere Neuropathie (5,5 versus 2,7 %) und ein gewisses Risiko auf lebensgefährliche Immunreaktionen. In der Studie starben 2 Patientinnen an einer Autoimmunhepatitis beziehungsweise an einem akuten Leberversagen. Insgesamt 15,9 % der Patientinnen gegenüber 8,2 % in der Vergleichsgruppe brachen die Therapie vorzeitig ab. © rme/aerzteblatt.de

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