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Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben nachgewiesen

Dienstag, 23. Oktober 2018

Mikroplastik-Teilchen /dpa

Wien – Österreichische Forscher haben erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl aufgespürt. Laut den auf einer Tagung der Vereinigten Europäischen Gastroenterologie (UEG) in Wien vorgestellten Ergebnissen enthielten die Stuhlproben von acht untersuchten Probanden aus acht verschiedenen Ländern Partikel von neun verschiedenen Kunststoffarten.

Das Team um Bettina Liebmann vom österreichischen Umweltbundesamt und Philipp Schwabl von der Medizinischen Universität Wien hatte Stuhlproben von fünf Frauen und drei Männern im Alter von 33 bis 65 Jahren untersucht, die in Finnland, den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland, Japan und Österreich wohnen.

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Vor den Stuhluntersuchungen hatten die Probanden eine Woche lang ein Ernährungstagebuch geführt. Alle acht Teilnehmer hatten dort angegeben, dass sie in Plastik verpackte Lebensmittel gegessen und durchschnittlich 750 ml Getränke aus PET-Flaschen konsumiert hatten. Sechs Probanden hatten Fisch gegessen, zwei hatten täglich Kaugummis gekaut.

Die Proben der acht Probanden enthielten pro zehn Gramm Stuhl zwischen 18 und 172 (im Mittel 20) Partikel von drei bis sieben verschiedenen Plastikarten in einer Größe von 50 bis 500 µm. Am häufigsten fanden die Forscher Polypropylen (PP, 62,8 Prozent) und Polyethylenterephthalat (PET 17,0 Prozent) in den Proben. Diese beiden Plastikarten waren bei allen acht Probanden nachweisbar.

Ob die Plastikpartikel die menschliche Schleimhaut schädigen oder resorbiert werden, ist noch unklar. In früheren Studien wurden laut Schwabl bei Fischen und verschiedenen Säugetieren Partikel in Größen von bis zu 130 µm in Blutbahn, Lymphgefäßen und der Leber nachgewiesen. Bei den exponierten Vögeln und Fischen wurde teilweise ein Remodeling der Darmzotten, eine Störung der Eisenresorption und ein „hepatischer Stress“ nachgewiesen.

Mikroplastik könnte nach Einschätzung von Schwabl die Gesundheit durch Ablagerung im Gewebe und dadurch ausgelöste lokale Immunreaktionen schädigen. Es könnte aber auch als Vektor für andere Chemikalien dienen, die zusammen mit den Plastikpartikeln resorbiert würden.

Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern bezeichnet. Mikroplastik wird als Zusatz in Kosmetikprodukten verwendet, entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt.

Die globale Plastikproduktion ist seit den 1950er-Jahren stark angestiegen und liegt aktuell bei über 400 Millionen Tonnen pro Jahr. Schätzungen zufolge gelangen zwei bis fünf Prozent des produzierten Plastiks ins Meer, wo der Abfall zerkleinert von Meerestieren aufgenommen wird und über die Nahrungskette in den Menschen gelangen kann. Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, dass Lebensmittel während der Verarbeitung oder durch die Verpackung mit Kunststoffen – und dadurch auch mit Mikroplastik – in Kontakt kommen. © rme/aerzteblatt.de

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