NewsAuslandBayer kündigt im Glyphosat-Prozess trotz Strafsenkung Berufung an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Bayer kündigt im Glyphosat-Prozess trotz Strafsenkung Berufung an

Dienstag, 23. Oktober 2018

/dpa

San Francisco – Im ersten US-Prozess um angeblich verschleierte Krebsgefahren glyphosathaltiger Unkrautvernichter hat Bayer trotz einer voraussichtlich geringeren Strafe als angenommen Berufung angekündigt. Die zuständige Richterin Suzanne Ramos Bolanos wies am Montag zwar einen Antrag der Bayer-Tochter Monsanto auf einen neuen Prozess ab, will die in einem früheren Urteil verhängten Schaden­ersatzzahlungen für den Saatguthersteller aber stark senken.

Deutliche reduzierte Strafzahlung

Am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit kündigte Bayer an, gegen das revidierte Schadenersatzurteil Berufung einzulegen. Die deutliche Reduzierung des Straf­schadenersatzes durch das Gericht sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, doch sei Bayer nach wie vor überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehe, teilte der Dax-Konzern heute in Leverkusen mit.

Anzeige

Aus dem Gerichtsdokument geht hervor, dass die Richterin statt der im August von einer Geschworenenjury in San Francisco beschlossenen 289 Millionen Dollar eine Entschädigung von lediglich 78 Millionen Dollar (68 Mio Euro) für angemessen hält. Falls der Kläger sich mit der geringeren Summe begnüge, werde der Prozess nicht neu aufgerollt. Monsanto hatte gegen das Urteil der Jury Berufung eingelegt und wegen unzureichender Beweise gefordert, dass der Fall neu verhandelt wird.

Entscheidung liegt jetzt beim Kläger

Wie es jetzt weitergeht, liegt nach der Entscheidung der Richterin maßgeblich am erkrankten Kläger Dewayne „Lee“ Johnson, der Monsanto-Unkrautvernichter wie Roundup und Ranger Pro für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich macht. Er muss bis 7. Dezember mitteilen, ob er weniger Schadenersatz akzeptiert. Johnson dürfte nach Einschätzung seiner Ärzte wegen der Krebskrankheit nicht mehr lange leben, deshalb hatte er in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn. In den USA laufen Tausende weiterer Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat gegen Monsanto.

Bereits in der vorvergangenen Woche hatte Richterin Bolanos in einer vorläufigen Entscheidung angekündigt, die Schadenersatzzahlung senken zu wollen. Die Jury hatte weitgehend der Klägerseite zugestimmt und es nicht nur als erwiesen angesehen, dass Monsantos Produkte Krebs verursachen, sondern auch, dass der Hersteller vor den Risiken nicht ausreichend gewarnt und dabei sogar vorsätzlich gehandelt habe. Die Richterin empfand jedoch insbesondere den sogenannten Strafschadenersatz von 250 Millionen Dollar – der Großteil der zunächst verhängten Gesamtzahlung – als zu hoch.

Krebsgefahr umstritten

Ob Monsantos Verkaufsschlager Roundup Krebs verursacht, ist hoch umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) stufte den Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen ein. Monsanto und Bayer weisen dies vehement zurück und verweisen auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die Nationalen Gesundheits­institute und Aufseher weltweit“, die den Unternehmen zufolge besagen, dass Glyphosat keine Krebsrisiken birgt.

Für Monsantos Konzernmutter Bayer, die den US-Saatgutriesen mit Sitz in St. Louis erst Mitte des Jahres für rund 63 Milliarden Dollar übernommen hatte, ist die Entscheidung des Gerichts von enormer Bedeutung. Denn in den USA laufen rund 8.700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat gegen Monsanto. Bayer muss sich nun mit ihnen auseinandersetzen. Der Fall Johnson ist besonders brisant, da es sich um das erste Urteil handelt, das richtungsweisend für die zahlreichen weiteren Klagen sein könnte. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. September 2020
München – Heute beginnt im Landgericht München der Prozess gegen ein internationales Dopingnetzwerk. Bei Razzien während der nordischen Ski-WM in Seefeld und zeitgleich in Erfurt deckten Ermittler im
Dopingprozess gegen Mark S. beginnt
11. September 2020
Oldenburg – Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichtes Oldenburg gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel wegen 85-fachen Mordes bestätigt. Der 3. Strafsenat verwarf die gegen das
Urteil gegen Patientenmörder Högel rechtskräftig
1. September 2020
Hannover – Eine weitere Untersuchung hat Hinweise auf Medikamentenversuche in niedersächsischen Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Jahren 1945 bis 1978 bestätigt. Belege für solche
Arzneimittelexperimente an Kindern und Jugendlichen bestätigt
31. August 2020
Karlsruhe/Berlin – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat das Verbot eines Protestcamps von Gegnern der Coronapolitik in Berlin bestätigt. Das teilte das Gericht gestern Abend in Karlsruhe mit. Die
Bundesverfassungsgericht bestätigt Verbot von Corona-Protest-Camp
28. August 2020
San Francisco – Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer bekommt bei der angestrebten Einigung im milliardenschweren US-Glyphosatstreit erneut Gegenwind. Der zuständige US-Bundesrichter Vince Chhabria
Gegenwind für Bayer in Glyphosatstreit
27. August 2020
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat einen Eilantrag gegen die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Coronarisikogebieten abgelehnt. Der Wunsch von Einzelnen, sich keinem Test auf das
Karlsruhe weist Eilantrag gegen Testpflicht für Reiserückkehrer ab
24. August 2020
Hamburg – Das Landgericht Hamburg hat dem Betreiber der Internetseite „Babykaust“ untersagt, bei Äußerungen über die Gießener Ärztin Kristina Hänel Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust zu
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER