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Viele Medizinstudierende sind schlecht in Statistik

Dienstag, 23. Oktober 2018

/VIPDesign, stock.adobe.com

Berlin – Medizinstudierende, aber auch Lehrende, haben offenbar häufig große Lücken beim Verständnis statistischer Zusammenhänge. Das berichten Wissenschaftler des des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Zeitschrift BMJ-Open (2018; doi: 10.1136/bmjopen-2017-020847).

„Gute medizinische Versorgung braucht Statistik. Um Studienergebnisse zu verstehen, Risiken abschätzen zu können oder sich für eine Behandlungsmethode zu entscheiden, benötigen Mediziner statistisches Wissen“, betonen die Wissenschaftler. Sie haben einen „Schnelltest Risikokompetenz“ entwickelt. Er prüft über zehn Multiple-Choice-Fragen, ob die Testteilnehmer Risiken einschätzen und Wahrscheinlichkeiten verstehen können. Außerdem prüft er das Verständnis zentraler Begriffe aus der Medizinstatistik. „Die Fragen basieren auf Situationen aus der ärztlichen Praxis. In einem guten Gesundheitssystem müsste jeder Mediziner diese Fragen richtig beantworten können“, meint Mirjam Jenny, Erstautorin der Studie und leitende Wissenschaftlerin am Harding-Zentrums für Risikokompetenz. 

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Für die Beobachtungsstudie haben die Forscher 169 Studierende und 16 Lehrende getestet. Die Studierenden standen kurz vor ihrem Studienabschluss, die Lehrenden waren Professoren und Dozenten, die eine Fortbildung an einer deutschen Universität besuchten. Für alle war die Teilnahme an dem Test freiwillig und anonym. Das Ergebnis: Die Studierenden beantworteten im Durchschnitt die Hälfte, die Lehrenden drei Viertel aller Fragen richtig. 

„Diese Studie zeigt, dass Statistik in der medizinischen Lehre immer noch vernachlässigt wird – das muss sich ändern. Wenn angehende Ärzte Statistiken missverstehen, werden sie falsche Informationen auch an ihre Patienten weitergeben“, sagt Gerd Gigerenzer, Co-Autor der Studie und Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz.

Niklas Keller, Co-Autor der Studie, unterrichtet Medizinstudierende in der Interpretation und Kommunikation medizinischer Statistiken. „Mit mangelnder Statistikkompetenz müssen wir nicht leben“, sagt er. Bereits ein 90-minütiger Kurs könne die Statistikkompetenz der angehenden Mediziner erheblich verbessern.

Der Test ist für alle Interessierten zur Selbstprüfung frei zugänglich. © hil/aerzteblatt.de

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