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Studie: Bio-Nahrungsmittel könnten vor Krebs, insbesondere vor Lymphomen schützen

Dienstag, 23. Oktober 2018

/dpa

Paris – Franzosen, die in einer internetbasierten Umfrage angaben, häufiger biologisch angebaute Produkte zu verzehren, erkrankten laut einer prospektiven Studie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.4357) in den Folgejahren seltener an Krebs, wobei der Einfluss bei Lymphomen am deutlichsten war.

Laut einem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit aus dem Jahr 2018 enthalten 44 Prozent der konventionell hergestellten Lebensmittelproben Rückstände von einem oder mehreren Pestiziden, während dies bei organisch angebauten Produkten nur zu 6,5 Prozent der Fall ist.

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Verbraucher, die biologische Produkte verzehrten, hatten in einer US-Studie eine niedrigere Konzentration von Dialkylphosphaten im Urin, die ein Marker für die Exposition mit Pestiziden (Organophosphate) sind (Environmental Health Perspectives 2015; 123: 475–483). Eine randomisierte Studie aus Neuseeland kam zu dem Ergebnis, dass der Umstieg auf Bio-Lebensmittel bereits nach 7 Tagen die Pestizidkonzentration um 90 % senken kann (Environmental Research 2014; 132: 105–11).

Da die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bestimmte Pestizide als wahrscheinliche Karzinogene (Gruppe 2A: Malathion, Diazinon und Glyphosat) beziehungsweise als mögliche Karzinogene (Gruppe 2B: Tetrachlorvinphos und Parathion) einstuft, stellt sich die Frage, ob Menschen, die häufiger Bioprodukte verzehren, seltener an Krebs erkranken.

Die erste Studie, die nach einer Antwort gesucht hat, war die Million Women Study, die Frauen mittleren Alters begleitet. Die Frauen hatten in einem Fragebogen angegeben, ob sie „niemals", „manchmal“, „häufiger“ oder immer Bio-Lebensmittel essen. Die Frauen, die „manchmal“ oder „häufiger" angekreuzt hatten, erkrankten in den 9,5 Jahren der Nachbeobachtung nicht seltener an Krebs (Rate Ratio 1,03; 95-%-Konfidenzintervall 0,99–1,07). Brustkrebserkrankungen traten nach den von Kathryn Bradbury, Universität Oxford, und Mitarbeitern im British Journal of Cancer (2014; 110: 2321–2326) veröffentlichten Ergebnissen sogar häufiger auf (Rate Ratio 1,09; 1,02–1,15). Einzig für das Non-Hodgkin-Lymphom war eine protektive Assoziation (Rate Ratio 0,79; 0,65–0,96) erkennbar.

Jetzt stellen Julia Baudry und Mitarbeiter vom französischen Forschungsinstitut INSERM in Paris eine Auswertung der NutriNet-Santé-Kohorte vor. Auf einer seit 2009 im Internet bestehenden Plattform haben seit 2009 insgesamt 68.946 Franzosen im mittleren Alter von 44,2 Jahren einen ausführlichen Fragebogen zu ihren Ernährungs­gewohnheiten ausgefüllt. Dort wurde auch nach dem Verzehr von 16 Bio-Nahrungs­mitteln gefragt.

In der Nachbeobachtungszeit von 4,5 Jahren ist es zwar erst zu 1.340 Krebserkran­kungen gekommen. Dennoch deutet sich eine niedrigere Krebsrate bei den Einkäufern von Bio-Produkten an. Das Viertel mit dem höchsten Bio-„Food-Score“ erkrankte zu 25 Prozent seltener an Krebs als das Viertel, das am seltensten zu ökologischen Nahrungsmitteln gegriffen hatte. Die Hazard Ratio von 0,75 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 0,88 hochsignifikant.

Am deutlichsten war der Unterschied bei den Lymphomen, die bei einer Hazard Ratio von 0,24 (0,09–0,66) bei den Bio-Konsumenten zu drei Viertel seltener auftraten. Für das Non-Hodgkin-Lymphom ermittelt Baudry sogar eine Hazard Ratio von 0,14 (0,03–0,66). Lymphome und insbesondere das Non-Hodgkin-Lymphom gehört zu den Krebserkrankungen, die in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden sind, wobei Umwelteinflüsse als Ursache diskutiert werden.

Im Gegensatz zur Million Women Study war dieses Mal auch eine protektive Auswirkung auf das postmenopausale Mammakarzinom nachweisbar (Hazard Ratio 0,66, 0,45–0,96).

Für den Epidemiologen und Ernährungsexperten Frank Hu von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston ist es noch zu früh, um von einem Beweis zu sprechen. Die Studie habe zwar einige Stärken, etwa die große Teilnehmerzahl, das prospektive Design und der hohe Anteil von Teilnehmern, die die jährlichen Fragebögen zu möglichen Erkrankungen ausfüllen.

Die Schwäche bestehe in der genaue Erhebung der Ernährung vor allem bei Bio-Nahrungsmitteln, die häufig neben anderen Nahrungsmitteln verzehrt werden. Für Hu ist es deshalb (immer noch) fraglich, ob die höheren Kosten, die die Verbraucher für Öko-Nahrungsmittel ausgeben, sich am Ende auszahlen werden. Für andere Faktoren wie Körpergewicht, körperliche Aktivität und Ernährung insgesamt sei eine protektive Wirkung gegen Krebserkrankungen besser belegt, meint Hu. © rme/aerzteblatt.de

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