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Medizin

Crowdfunding fördert sinnlose und schädliche Behandlungen

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Zwei Frauen setzten eine Crowdfunding Kampagne im Internet auf/Rawpixel.com, stock.adobe.com
/Rawpixel.com, stock.adobe.com

Vancouver und Atlanta – Medizinisches Crowdfunding schließt in Nordamerika nicht nur Lücken im Versicherungssystem, viele US-Amerikaner lassen sich auch umstrittene und eventuell sogar schädliche Therapien finanzieren, wie jüngste Untersuchungen im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 1935-1936 und 2018; 320: 1705-1706) zeigen.

Dass Homöopathie und naturheilkundliche Behandlungen bei Krebs nicht wirksam sind, dürften viele Vertreter dieser komplementärmedizinischen Therapien einsehen. Auch der Nutzen einer hyperbaren Sauerstofftherapie bei Hirnverletzungen gilt nach zahlreichen Negativstudien als widerlegt. Vor unnützen Stammzelltherapien bei Hirnverletzungen oder nach Querschnittlähmung wird wegen der damit verbundenen Risiken gewarnt, und auch die Langzeitgabe von Antibiotika bei chronischer Borreliose war in einer klinischen Studie mit mehr Nach- als Vorteilen verbunden. 

Dennoch sind die Behandlungen in der Bevölkerung beliebt und Crowdfunding-Portale bieten den Betroffenen die Möglichkeit, Spenden zu akquirieren. Die Kampagnen sind zwar oft nicht so erfolgreich, wie die Betroffenen es sich erhoffen. Von den 27,3 Millionen US-Dollar, um die zwischen 2015 und 2017 in 1.059 Spendenaufrufen für die genannten Therapien gebeten wurde, kamen laut Recherchen von Ford Vox vom Brain Injury Rehabilitation in Atlanta insgesamt 6,7 Millionen US-Dollar zusammen. 

Homöopathie und Naturheilkunde generieren die meisten Spenden 

Am erfolgreichsten war das Crowdfunding bei homöopathischen oder naturheil­kundlichen Therapien (3,46 Millionen US-Dollar), aber auch für die hyperbare Sauerstofftherapie bei Hirnverletzungen wurden 0,79 Millionen US-Dollar gespendet. Die Spendenaufrufe für Stammzelltherapien brachten bei Querschnittlähmungen 1,25 Millionen US-Dollar und bei Hirnschäden 0,59 Millionen zusammen. Für die langfristige Antibiotika-Behandlung bei chronischer Borreliose wurden 0,69 Millionen US-Dollar gespendet.

Da die Behandlungen in den USA teilweise verboten sind, wenden sich die Betroffenen häufig an Kliniken im Ausland. Bei der Homöopathie sind auch Anbieter aus Deutschland bei den US-Patienten beliebt.

Auf die Risiken wird auch bei der besonders riskanten Stammzelltherapie selten hingewiesen, wie Jeremy Snyder von der Simon Fraser University in Burnaby bei Vancouver herausfand, der 408 Kampagnen zur Stammzelltherapie auf „GoFundMe“ und „YouCaring“ ausgewertet hat. In den Spendenaufrufen wurde zu 43,6 Prozent behauptet, dass die Therapie definitiv oder sicher wirksam sei, bei 30,4 Prozent fanden sich optimistische oder hoffnungsvolle Aussagen und bei 15,4 Prozent fanden sich Aussagen beider Kategorien. Auf mögliche Risiken wurde nur in 36 der 408 Spendenaufrufe hingewiesen und wenn, dann wurden diese als gering bezeichnet, sofern überhaupt vorhanden.

Aber nicht jede Crowdfunding Plattform lässt medizinische Sammelaktionen unkontrolliert gewähren. In Deutschland überraschte die Spendenplattform startnext erst dieses Jahr mit einer Zensur. Nach längerer Beratung und vielen Verstoß­meldungen wurde eine Sammelaktion für einen Anti-Impffilm offline genommen.

Randnotiz: Überraschende Zensur

„Ungeimpft, gesund, glücklich“ – unter diesem Motto startete seimutig.tv ein Projekt auf der Spendenplattform startnext. Mit dem Geld sollen kurze Filme entstehen, um ausschließlich glückliche, impffreie Familien vorzustellen. „Superinformative“ Webseiten zu Impfschäden gebe es schließlich schon genug. „Das ist nicht mutig, sondern fahrlässig!“, twitterte dazu die Ärztin und ehemals überzeugte

© rme/aerzteblatt.de

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