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Medizin

Wissenschaftler besorgt um Betreuung von älteren Menschen mit selbstverletzendem Verhalten

Donnerstag, 25. Oktober 2018

/Lightfield Studios, stockadobecom

Manchester – Ältere Menschen ab 65 Jahre mit selbstverletzendem Verhalten haben ein höheres Risiko, an unnatürlichen Ursachen zu sterben – insbesondere Suizid – als ihre Altersgenossen ohne Selbstverletzungen. Das berichten Wissenschaftler um Catharine Morgan von der University of Manchester in Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30348-1). Die Wissenschaftler sind insbesondere besorgt, weil diese Patientengruppe gravierend unterversorgt sei.

Die Forscher analysierten für die Studie Selbstverletzungsepisoden bei Erwachsenen im Alter von 65 Jahren und älter, die zwischen 2001 und 2014 in 674 Allgemeinpraxen in Großbritannien registriert wurden. Sie analysierten außerdem unter anderem Daten aus dem Clinical Practice Research Datalink, das repräsentativ für die britische Bevölkerung sei. Selbstverletzung beinhaltet in der Studie absichtliche Verletzungen und Überdosierung von verschreibungspflichtigen Medikamenten.

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Während des 13-jährigen Studienzeitraums hatten 4.124 Erwachsene im Alter von 65 Jahren oder älter eine Episode von Selbstverletzungen, die in den Patientennotizen der Allgemeinmediziner aufgezeichnet wurde. 58 % davon waren Frauen, 62 % hatten zuvor Diagnosen zur psychischen Gesundheit erhalten. Die Überdosierung von Medikamenten war die häufigste Methode der Selbstbeschädigung (81 %), gefolgt von der Selbstbeschneidung (6 %).

Nur 12 % der über 65-Jährigen, die sich selbst verletzt hatten, wurden innerhalb von einem Jahr nach ihrer ersten Selbstverletzungsepisode an psychiatrische Dienste überwiesen. Die Überweisungen waren ein Drittel weniger wahrscheinlich für ältere Erwachsene, die in sozial benachteiligten Regionen lebten. Von ihnen erhielten nur 8 % eine psychiatrische Versorgung. Bei den Betroffenen aus wohlhabenderen Gegenden war dies in 13 % der Fall.

Fast drei Viertel der Menschen, die sich selbst verletzt hatten, erhielten psychotrope Medikamente, meist Antidepressiva. Im Gegensatz zum Leitfaden des National Institute of Clinical Excellence erhielten 12 % der älteren Erwachsenen, die sich selbst verletzt hatten, innerhalb eines Jahres ein trizyklisches Antidepressivum verschrieben.

Ältere Erwachsene, die sich selbst geschädigt haben, starben 19-mal häufiger an unnatürlichen Ursachen im ersten Jahr nach einer Selbstverletzungsepisode als die Allgemeinbevölkerung und 145-mal häufiger an Selbstmord während der 13-jährigen Nachbeobachtungszeit.

„Da die Zahl der über 65-Jährigen bis 2046 auf 25 % der britischen Bevölkerung ansteigen wird, müssen die Gesundheitsdienste so ausgerichtet werden, dass sie sowohl den physischen als auch den psychischen Gesundheitsbedarf decken, um sicherzustellen, dass gefährdete ältere Menschen identifiziert werden und die Hilfe und Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, sagte Morgan.

„Wir betrachten Selbstverletzung manchmal als ein Problem bei jüngeren Menschen und das ist es natürlich auch. Aber es betrifft auch ältere Erwachsene“, sagte der Co-Autor Nav Kapur, University of Manchester. „Wir hoffen, dass unsere Studie Ärzte, Serviceplaner und politische Entscheidungsträger auf die Notwendigkeit aufmerksam machen wird, Präventivmaßnahmen für diese potenziell gefährdete Gruppe von Menschen zu ergreifen“, betonte er. © hil/aerzteblatt.de

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