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Medizin

Herzinfarkte an kalten, windigen und dunklen Tagen häufiger

Donnerstag, 25. Oktober 2018

/VanHope, stockadobecom

Lund – Wenn in Schweden die Tage kürzer werden und die Temperaturen unter den Nullpunkt fallen, steigt die Zahl der Herzinfarkte. Eine Analyse des Patientenregisters SWEDEHEART in JAMA Cardiology (2018; doi: 10.1001/jamacardio.2018.3466) zeigt außerdem eine Assoziation mit niedrigem Luftdruck und stärkeren Winden.

Dass das Auftreten von Herzinfarkten wetterabhängig ist, wird seit Langem vermutet. Schon vor 100 Jahren war Pathologen des Massachusetts General Hospital aufgefallen, dass akute Verschlüsse der Koronararterien in New England vor allem in den Wintermonaten auftreten. Jahrzehnte später konnte der Harvard-Kardiologe Eugene Braunwald in einer experimentellen Studie zeigen, dass sich die Koronarien von Patienten mit Koronarer Herzkrankheit verengen, wenn die rechte Hand des Patienten in Eiswasser getaucht wird (NEJM 1976; 295: 1333-1337).

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Kältereize gelten heute als wichtiger Trigger für einen Herzinfarkt. Auch akute Atemwegsinfektionen erhöhen das Risiko. Während der saisonalen Wintergrippe ist das Risiko sogar sechsfach erhöht (weshalb derzeit in einer randomisierten Studie untersucht wird, ob eine Grippeimpfung vor einem Herzinfarkt schützen kann).

Ein Team um David Erlinge von der Universität Lund in Schweden hat jetzt die Daten des Herzinfarkt-Registers SWEDEHEART ausgewertet, das seit 1988 die Daten aller schwedischen Patienten speichert, die wegen Verdachts auf einen Herzinfarkt stationär aufgenommen wurden. Das Datum der Behandlung wurde mit den Aufzeichnungen des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (SMHI) angeglichen.

Ergebnis: Die Inzidenz des Herzinfarkts steigt bei niedrigeren Lufttemperaturen, niedrigeren atmosphärischen Luftdrücken, höheren Windgeschwindigkeiten und bei einer kürzeren Sonnenscheindauer an. Am ausgeprägtesten war die Assoziation bei der Lufttemperatur: Jede Zunahme der Temperatur um eine Standardabweichung (7,4 °C) war mit einer 2,8-prozentigen Verringerung des Herzinfarktrisikos verbunden (relative Inzidenzrate 0,972; 95-%-Konfidenzintervall 0,967-0,977).

Es bestand zudem eine Assoziation mit der Schneemenge und der Luftfeuchtigkeit. Bei der Luftfeuchtigkeit besteht eine U-Kurve mit der niedrigsten Inzidenz bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 %, aber einem starken Anstieg an besonders trockenen und feuchten Tagen.

Für Nicht-ST-Hebungsinfarkte (NSTEMI) und ST-Hebungsinfarkte (STEMI) wurden meist die gleichen Assoziationen gefunden. Eine interessante Ausnahme bestand in den Monaten Januar bis März, in denen die Temperatur in Schweden auf unter 20 °C minus fallen kann. Der NSTEMI trat an besonders kalten Tagen dann seltener, der STEMI dagegen häufiger auf. © rme/aerzteblatt.de

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