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Typ-2-Diabetes: Parodontitis­behandlung verbessert HbA1c-Wert in Studie

Freitag, 26. Oktober 2018

/dpa

London – Die konsequente Behandlung einer Parodontitis, einem häufig unterschätzten Risikofaktor für den Typ-2-Diabetes, hat in einer randomisierten Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30038-X) den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c der Patienten signifikant gesenkt.

Zwischen Diabetes und Parodontitis gibt es eine wechselseitige Beziehung. Zum einen begünstigen erhöhte Blutzuckerwerte die Infektion des Zahnfleisches, zum anderen haben Menschen mit einer schlechten Mundhygiene ein erhöhtes Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.

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Nach den Ergebnissen einer kürzlich im Journal of Clinical Periodontology (2018; doi: 10.1111/jcpe.13005) veröffentlichten prospektiven Beobachtungsstudie aus Finnland hatten Teilnehmer, die 1990/92 bei einer Untersuchung 4 bis 5 Millimeter tiefe Parodontaltaschen aufwiesen, 15 Jahre später zu 32 % häufiger einen Typ-2-Diabetes entwickelt als Teilnehmer ohne Parodontitis (Rate Ratio 1,32; 95-%-Konfidenzintervall 0,69 bis 2,53). Bei Teilnehmern mit einer Tiefe der Parodontaltaschen von 6 Millimeter oder mehr war das Risiko sogar um 56 % erhöht (Rate Ratio 1,56; 0,84-2,92).

Das erhöhte Diabetesrisiko wird auf die Freisetzung von Zytokinen aus der entzündeten Gingiva zurückgeführt, die die Insulinresistenz fördern sollen. Wenn dem so ist, dann sollte eine Behandlung der Parodontitis eine blutzuckersenkende Wirkung haben. Genau dies haben Zahnmediziner vom Eastman Dental Institute in London in einer randomisierten Studie an 264 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Parodontitis untersucht.

Die Patienten wurden auf eine übliche Versorgung oder auf eine intensive parodontale Behandlung randomisiert. Bei der intensivierten Behandlung wurden im gesamten Mundraum Beläge und Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands entfernt (subgingivales Scaling). Bei Bedarf erfolgte eine chirurgische Sanierung. Anschließend wurde den Teilnehmern alle 3 Monate eine professionelle Zahnreinigung angeboten.

Endpunkt der Studie war die Entwicklung der HbA1c-Werte über ein Jahr. Wie Francesco D’Aiuto und Mitarbeiter des Eastman Dental Institute berichten, betrug der mittlere HbA1c-Wert zu Studienbeginn in beiden Gruppen 8,1 %. Nach 12 Monaten war der HbA1c-Wert in der Vergleichsgruppe auf 8,3 % angestiegen, während er bei den Patienten, denen eine intensive Parodontitis-Behandlung angeboten wurde, auf 7,8 % gefallen war.

Nach Berücksichtigung von Ausgangs-HbA1c, Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Raucherstatus, Diabetesdauer und Body-Mass-Index hatte sich der HbA1c-Wert um 0,6 Prozentpunkte verbessert (95-%-Konfidenzintervall 0,3 bis 0,9), was laut D’Aiuto in etwa dem Effekt entspricht, der beim Typ-2-Diabetes durch einen zusätzlichen blutzuckersenkenden Wirkstoff erzielt wird.

Da die Studie nicht verblindet war, lässt sich ein Placeboeffekt nicht völlig aus­schließen. Es könnte sein, dass die Patienten durch die intensivierte Parodontitis­behandlung zu einer Änderung ihres Lebensstils ermutigt wurden. Für D’Aiuto steht jedoch fest, dass die Vorbeugung und Behandlung von Zahnfleischerkrankungen eine neue und wichtige Möglichkeit sein könnte, Menschen mit Typ-2-Diabetes bei der Bewältigung ihrer Erkrankung zu helfen und das Risiko von Spätkomplikationen zu mindern. © rme/aerzteblatt.de

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