NewsMedizinNur lange Schwangerschaften senken das Brustkrebsrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nur lange Schwangerschaften senken das Brustkrebsrisiko

Freitag, 26. Oktober 2018

/pressmaster, stockadobecom

Kopenhagen – Schwangerschaften gelten als der beste natürliche Schutz vor einem Mammakarzinom. Eine protektive Wirkung tritt nach einer Studie in Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-06748-3) jedoch nur auf, wenn die Schwangerschaften mindestens 34 Wochen dauerten.

Die niedrige Geburtenrate und das hohe Alter bei der ersten Schwangerschaft sind ein wesentlicher Grund für die hohe Zahl von Brustkrebserkrankungen in Westeuropa und Nordamerika. In Westeuropa erkranken mit 89,7 auf 100.000 Frauen jährlich fast 5-mal so viele Frauen wie in Ostafrika, wo die jährliche Inzidenz laut WHO-Zahlen bei 19,3 auf 100.000 Frauen liegt.

Anzeige

Laut dem US National Cancer Institut erkranken Frauen, die vor dem 20. Lebensjahr ein Kind ausgetragen haben, nur halb so häufig an Brustkrebs wie Frauen, der erst nach dem 30. Lebensjahr ihr erstes Kind bekommen hatten. Das Risiko sinkt dann mit jeder weiteren vollendeten Schwangerschaft. Frauen mit 5 oder mehr Kindern haben die Hälfte des Brustkrebsrisikos von kinderlosen Frauen.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die protektive Wirkung nur bei einer vollendeten Schwangerschaft auftritt, nicht aber bei Fehlgeburten oder Aborten. Ein Team um Mads Melbye vom States Serum Institut in Kopenhagen hat jetzt genauer untersucht, wie lange eine Schwangerschaft andauern muss, um eine Frau vor einem späteren Brustkrebs zu schützen.

Zunächst untersuchten die Forscher die Daten von 2,3 Millionen dänischen Frauen, die im Zeitraum von 1978 bis 2014 insgesamt 3,3 Millionen Kinder gebaren. Insgesamt 61.439 dieser Frauen sind später an Brustkrebs erkrankt, wie ein Abgleich mit dem dänischen Krebsregister ergab.

Die protektive Wirkung war, wie erwartet vom Alter der Frau bei der ersten Geburt abhängig. Wenn diese vor dem 30. Lebensjahr erfolgte, senkte das erste Kind die Brustkrebsrate um 5,0 %, das zweite um 6,4 % und das dritte um 9,4 %. Wenn die erste Geburt nach dem 30. Lebensjahr erfolgte, war keine protektive Wirkung mehr erkennbar.

Eine protektive Wirkung bestand nur, wenn die Schwangerschaft mindestens 34 Gestationswochen gedauert hat. Die Schutzwirkung pro Schwangerschaft betrug dann 12,9 %. Bei einer Gestationsdauer von weniger als 34 Wochen war keine signifikante Schutzwirkung erkennbar.

Die Forscher haben daraufhin die Daten aus Norwegen untersucht. Auch dort war eine Schutzwirkung erst ab einer Schwangerschaftsdauer von 34 Wochen erkennbar. Sie betrug dann 14,5 % pro Schwangerschaft.

Warum Schwangerschaften vor Brustkrebs schützen, ist nicht genau bekannt. Da die protektive Wirkung auf das Hormonrezeptor-positive Mammakarzinom beschränkt ist, dürfte die mit der Schwangerschaft einhergehende niedrigere Östrogenproduktion eine Rolle spielen.

Die jetzt von Melbye vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass dies nicht die ganze Antwort sein kann. Entscheidend sind danach die letzten 7 Wochen und die Veränderungen in den Brustdrüsen von Bedeutung. Das Stillen, das die Frauen infolge der anovulatorischen Wirkung vor Brustkrebs schützen soll, spielt möglicherweise nicht eine so große Rolle. Die protektive Wirkung einer Schwangerschaftsdauer von mindestens 34 Wochen war nämlich auch bei Frauen nachweisbar, deren Kind tot geboren wurde. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2018
Chapel Hill/North Carolina – Schwangerschaften schützen vor Brustkrebs, doch die protektive Wirkung setzt laut einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2018; doi: 10.7326/M18-1323) erst nach
Brustkrebsrisiko in den ersten Jahren nach einer Geburt erhöht
6. Dezember 2018
Neu-Isenburg – Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Emtansin kann Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, bei denen nach einer neoadjuvanten Chemotherapie noch Tumorzellen nachweisbar
Mammakarzinom: Trastuzumab-Konjugat verhindert Rezidive
28. November 2018
Köln – Ein Forschungskonsortium unter Leitung der Universitätsklinik Köln untersucht, inwieweit eine strukturierte Beratung Frauen unterstützen kann, die ein erhöhtes genetisches Risiko für Brust- und
Entscheidungscoaching für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko
29. Oktober 2018
Bonn/Hamburg – Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 71.900 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Ein Hamburger
Forscher suchen nach unbekannten Brustkrebsgenen
22. Oktober 2018
Pittsburgh – Die Immuntherapie, die den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf Krebszellen stimuliert, hat sich erstmals in einer größeren Studie in der Brustkrebsbehandlung als effektiv erwiesen. In
Triple-negatives Mammakarzinom: Atezolizumab kann Überlebenszeit teilweise deutlich verlängern
17. Oktober 2018
Berlin – Das öffentliche Bewusstsein dafür, dass Männer an Brustkrebs erkranken können ist sehr gering. Daher wollen die Deutsche Krebshilfe und die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSK) den
Brustkrebs bei Männern: Deutsche Krebshilfe sieht Wissenslücken
10. Oktober 2018
New York – Immer häufiger entscheiden sich Frauen, deren Mammakarzinom durch eine brusterhaltende Operation behandelt werden kann, für eine Mastektomie, weil sie eine spätere Krebserkrankung
LNS
NEWSLETTER